
Foto: H.S.
Italien - 07.08.2026
Die Arbeiter*innen halten jetzt vor dem Tor der ex-GKN-Fabrik in Campi Bisenzio ihre permanente Versammlung ab. Sie haben ein Zelt und Solarpaneele aufgebaut und ein Café eingerichtet. Hier ein paar Eindrücke vom Geschehen vor dem Fabriktor. Das Interesse an ihrem Kampf ist ungebrochen: Arbeiter*innen von der Baustelle nebenan kommen vorbei, um sich auszutauschen und im Zelt einen Kaffee zu trinken. Leute, die im nahegelegenen Einkaufszentrum shoppen, machen einen Zwischenstopp für einen kurzen Schnack und ein Getränk.
Der neue Besitzer der Fabrik hat die Räumung der Fabrik zur Bedingung gemacht, um den Arbeitern ihre ausstehenden Löhne zu zahlen. Die ausstehenden Löhne belaufen sich auf 16 Millionen Euro. Da es auch um die Löhne derjenigen geht, die den Kampf schon lange verlassen haben und da das Fabrikkollektiv diese nicht gegen sich aufbringen will, haben die ex-GKN Arbeiter beschlossen, die Fabrik zu räumen. Alle Gerichte haben bestätigt, dass die ausstehenden Löhne den Arbeitern in voller Höhe ausgezahlt werden müssen. In der Fabrik sind Maschinen und Materialien vom Gerichtsvollzieher mit Pfändungssiegeln versehen worden, um die Zahlungen zu garantieren.
Die vom Fabrikkollektiv gegründete Genossenschaft ex GKN FOR FUTURE (GFF) hat in den letzten Monaten über eine Million Euro gesammelt. 300.000 davon kommen von Unterstützer*innen aus Deutschland. Mit dem Geld soll die Produktion von Lastenrädern und die Montage, das Recycling und die Produktion von Solarpaneelen finanziert werden. Die Genossenschaft wird voraussichtlich zum 1. Januar 2027 mit der Produktion von Lastenrändern beginnen. Produktionsstätte wird eine ehemalige Metallbaufabrik mit funktionsfähigen Schweißanlagen und weiteren Maschinen am Stadtrand von Florenz, knapp 10 Minuten entfernt. Das Fabrikkollektiv übernimmt zudem zwei ARCI Vereinslokale im Zentrum und am Stadtrand von Florenz: Casa Caciolle und San Bartolo. Dort werden sie, wie bisher, kulturelle und politische Veranstaltungen organisieren.
Die Genossenschaftsversamlung
Mitte Juli wurde der fünfte Geburtstag des Fabrikkollektivs gefeiert. Am selben Wochenende, am 12. Juli 2026, fand eine Genossenschaftsversammlung statt. Die Genossenschaft wird weiter aufgebaut. Die erste Keimzelle ist die Produktion von Lastenrädern, später sollen weitere Produktionsstätten für Photovoltaikmodule und deren Recycling hinzukommen. Es gibt komplexe Vorgaben für das Recycling von Solarpaneelen, dafür wird weiterhin ein geeigneter Ort gesucht. Als einer der nächsten Schritte ist die Montage von Photovoltaikanlagen geplant. Die neuen Eigentümer*innen der ex GKN Fabrik wollen die Fabrik abreißen und auf dem Gelände ein Logistikzentrum errichten. Der Kampf um die GKN-Fabrik ist aber nicht aufgeben. Sollte das Logostiktentrum nicht realisiert werden, könnte GFF sie eventuell doch noch übernehmen und dort die Solarpaneele produzieren.
Ex-GKN ist mehr als ein Ort, es ist eine Art und Weise zu kämpfen.
Die Arbeiter des Fabrikkollektivs sind, wie schon seit Jahrzehnten, verbunden mit den politischen Bewegungen und Initiativen in ihrer Umgebung. Derzeit unterstützen sie z.B. den Kampf der Arbeiter*innen von ACCA, die seit dem 16. Juni 2026 gegen 95 Entlassungen protestieren. Sie halten ebenfalls eine ständige Versammlung vor ihrer Fabrik ab. Das Fabrikkollektiv ex-GKN hat für sie ein Solidaritätsessen organisiert und Geld für die Streikkasse der ACCA Kolleg*innen gesammelt. Hier ein Video des Streikpostens bei ACCA (englisch). Hier könnt ihr den Streik der ACCA Kolleg*innen unterstützen.
Und ein Video vom 5. Geburtstag des Fabrikkollektivs. Link
Labournet TV ist Teil der Soligruppe für GKN in Deutschland. Schreibt uns, wenn ihr mitmachen oder eine Informationsveranstaltung organisieren wollt. - Der Kampf für vernünftige Produktion unter Arbeiter*innenkontrolle geht weiter!
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