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07.01.2026 - von Maximilian Meyer
Die Entführung Maduros offenbart den imperialen Anspruch der USA. Europas Dämmerzustand beschleunigt den Zerfall der internationalen Ordnung.
"... Die Nachkriegsordnung ist nicht erst am Zusammenbrechen – sie ist faktisch kollabiert. Grundlegende Normen sind weitgehend erodiert. Wir erleben aktuell die Reaktionen auf diesen institutionellen, moralischen und normativen Kollaps. Der Druck zunehmender wechselseitiger Irritation und Imitation zwischen den USA, Russland und China macht die Neuaufteilung der weltweiten Einflusssphären zu einer hochexplosiven Angelegenheit. Trumps Agieren legt nahe, dass auch die USA in Zukunft die nationale Souveränität anderer Staaten nicht mehr anerkennen werden. Insbesondere kleinere Staaten werden so zu bloßen Objekten degradiert. Nach dem Vorbild der amerikanischen Militäraktion hat Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew beispielsweise Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner Entführung gedroht. Und in den chinesischen sozialen Medien wird die Entführung von Taiwans Präsident Ching-te Lai per Helikopter gefordert. Selbst unterhalb der Schwelle eines Krieges haben die imperialen Imitationsdynamiken also enorme Auswirkungen auf die zwischenstaatlichen Umgangsformen. ...
Die Machtdemonstration der Trump-Regierung in Südamerika ist das eine. Wie diese medial mit einer überheblichen und machtbesoffenen Pose zelebriert wird, ist das andere. Beides hat eine zersetzende Wirkung auf die verbleibende multilaterale Verankerung des Staatensystems. Die Erosion internationaler Normen auf globaler Ebene beschleunigt sich, da vor allem Moskau und Washington die Allgemeingültigkeit völkerrechtlicher Prinzipien nun grundsätzlich infrage stellen. Verhaltensleitend werden die Normalisierung von Dominanzstreben und die Betonung regionaler Hierarchien. Die Tatsache, dass ein De-facto-Staatschef, wie illegitim und autoritär er auch sei, in der eigenen Hauptstadt gefangen genommen wird, um in New York unter dubiosen Vorwürfen vor Gericht gestellt zu werden, ist ein Zeugnis dafür, dass ungezügeltes Großmachtdenken und periphere Unterordnungslogik die Leitmotive der neuen globalen Herrschaftsordnung bilden. ...
Kaum eine Region ist von dieser sich verschärfenden tri-imperialen Dynamik so stark betroffen und gleichzeitig so vulnerabel wie Europa. Durch Russlands Westexpansion und Trumps Drohungen, die NATO zu verlassen, Grönland zu annektieren und die EU zu zerschlagen, sowie wegen des Erfolgs von Chinas staatsgeleiteter Industrie- und Technologiepolitik, ist die Existenz des politischen und ökonomischen Projekts Europa so stark bedroht wie nie zuvor. ..."
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Maximilian Mayer ist Junior-Professor für Internationale Beziehungen und globale Technologiepolitik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
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