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Erfahrungen eines Rentners der Tesla 3 gekauft hat

Foto: H.S.

04.05.2021 - von J.S.

Der neue Lebensabschnitt als Rentner sollte mit der Anschaffung eines neuen Autos einhergehen, um unsere Reisen in der neuen Freiheit Zukunftsgerecht zu gestalten. Es sollte ein E-Auto mit hohem Fahrkomfort, großer Reichweite und mit allen heute üblichen Assistenzsystemen ausgestattet sein. Auch auf eine Anhängerkupplung wollten wir nicht verzichten, damit wir unsere Fahrräder auf unseren Reisen mitnehmen können. Das Wichtigste, es musste kurzfristig lieferbar sein.

Mit diesen Anforderungen wird die Luft am E-Auto Himmel schnell dünn, eigentlich gab es nur eine Alternative: Tesla Model 3. Der Bestellvorgang war ein Traum, man brauchte nur unter drei Typen auswählen, in fünf Farben und als einzige Extras gab es andere Räder und eine Anhängerkupplung. Der gesamte Bestellvorgang war in 10 Minuten erledigt und wurde mit einer Anzahlung von 100€ abgeschlossen. Zuvor hatte ich mich bei Mercedes und VW umgeschaut, wo ich in Anbetracht der unendlichen Auswahlmöglichkeiten schnell die Übersicht verlor und letztlich in Anbetracht der Liefertermine entnervt aufgab. Die Lieferung des Tesla erfolgte bereits 4 Wochen später als Long Range Model mit 580km Reichweite, Premium Ausstattung und dem unwichtigsten Detail an diesem Fahrzeug, einer Leistung von rd. 460 PS mit entsprechenden Fahrleistungswerten, die so überflüssig sind wie ein Kropf. Ohne die Leistungswerte eines Sportwagens ist ein E- Auto allerdings nicht zu haben.

Die Wartezeit verging mit der Sichtung zahlreicher Youtube Videos der Tesla Gemeinde, in denen die herausragenden Eigenschaften der uns wichtigen Assistenzsysteme angepriesen wurden. So nahmen wir das Fahrzeug voller Vorfreude Ende Februar in Hamburg in Empfang und konnten gleich die erste längere Fahrt zu unserem rd. 170km entfernten Wohnort unternehmen.

Es dauerte einige Zeit, bis sich nach und nach die verschiedenen Assistenzsysteme betriebsbereit meldeten und in Betrieb genommen wurden. Als ich noch berufstätig war, fuhr ich im Jahr rd. 70.000km und nutzte hierfür gut ausgestattete Verbrenner-Fahrzeuge, deren modernen Assistenzfunktionen mich stets begeistert haben, daher war ich nun voller positiver Erwartung.

Es zeigte sich jedoch schnell, dass Tesla in Sachen Assistenzsysteme nicht den Stand der Technik repräsentiert. Beispielweise neigt das Fahrzeug zu unvorhersehbaren plötzlichen Bremsungen, sodass ständig die Angst mitfährt einen Auffahrunfall zu verursachen. Auch kommt es vor, dass der eingestellte Geschwindigkeitswert im Tempomat aus heiterem Himmel nach unten verstellt wird und das Fahrzeug sehr stark „rekuperiert“, was einem starken Bremsvorgang gleichkommt.

Auch Gegenverkehr kann starke Bremsvorgänge auslösen, weil das Tesla System bei schmaleren Straßen manchmal nicht zwischen der eigenen und der Gegenfahrbahn unterscheiden kann.

Die vorhandene Verkehrszeichenerkennung ist darauf ausgerichtet, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen automatisch in den Tempomaten eingespielt werden, sodass das eine manuelle Anpassung entfällt. Es ist nur leider so, dass die im System abgespeicherten zulässigen Höchstgeschwindigkeiten des Öfteren nicht mit der Realität übereinstimmen und das System somit nicht sinnvoll nutzbar ist. Während deutsche Fahrzeuge bei dieser Funktion sowohl auf Datenbestände und auf die eingebauten Kameras zurückgreifen, verwendet Tesla nur Internetdaten, die von der tatsächlichen Geschwindigkeitszulassung abweichen können.
Mein Fahrzeug verfügt über acht eingebaute Kameras, deren Verwendung sich nicht erschließt, Schilder erkennen sie jedenfalls nicht.

Außerdem kann das Fahrzeug selber lenken und das sogar ziemlich gut. Wenn es dann doch mal nicht ganz reicht, muss man ebenso wie bei dem selbsttätigen Bremsen als Fahrer eingreifen. Das ist kein Problem, denn man muss als Fahrer stets bei der Sache sein und vorausschauend eingreifen können. Aber wenn unvorhersehbare Dinge passieren, wie z.B. ein Bremsvorgang auf völlig freier Strecke reagiert man als Fahrer immer zu spät, das gilt genauso für das selbsttätige Lenken, bei dem das Fahrzeug plötzlich heftige Lenkbewegungen ausführt, die durchaus gefährlich sind und nur mit der menschlichen Reaktionszeit immer nur im Nachhinein abgefangen werden können.

Aus meiner Sicht ist die Nutzung der Assistenzsysteme an meinem Fahrzeug nicht zu verantworten und lässt kein entspanntes Fahren zu.

Während man normalerweise mit der zuständigen Fachwerkstatt des Herstellers über solche Unzulänglichkeiten spricht, findet man nur sehr schwer bzw. überhaupt keinen Ansprechpartner im Hause Tesla. Den zuständigen Kundenbetreuer, in der ca. 90km entfernt liegenden Tesla-Servicestation kann man nur per Chat erreichen. Dieser verfügt scheinbar über keine Kenntnisse zu den Assistenzsystemen, denn meine Mängelmeldung begegnete er mit einem SMS Schwall, der seitenlange Auszüge aus der Bedienungsanleitung enthielt. Dabei hätte es auch genügt nur auf bestimmte Passagen hinzuweisen, denn die Anleitung liegt jedem Tesla Besitzer grundsätzlich digital vor.

Bei genauerer Durchsicht der Bedienungsanleitung komme ich zusammengefasst zu dem Ergebnis, dass die Assistenzsysteme nur auf trockenen geraden Autobahnen eingesetzt werden können und von der Nutzung innerhalb geschlossener Ortschaften explizit abzuraten ist. Wobei allgemein folgender Hinweis ergeht: „……Diese Liste enthält nicht alle Situationen, die den ordnungsgemäßen Betrieb des Abstandsgeschwindigkeitsreglers beeinträchtigen können….“ Damit entledigt sich Tesla jeder Verantwortung für die Funktion und Benutzung der Assistenzsysteme.

Vor dem Kauf des Fahrzeuges las sich das in der Werbung noch anders: „….Die wegweisenden Autopilot-Sicherheits- und Komfortfunktionen entlasten Sie beim Fahren. Der "Autopilot" wird im Laufe der Zeit durch neue Merkmale erweitert, um die bestehende Funktionalität zu erweitern und Ihren Tesla noch sicherer und "intelligenter" zu gestalten…..“

Nur diese Aussage und nicht das Gegenteil aus der Bedienungsanleitung war mir vor dem Kauf bekannt. Ich fühle mich durch Tesla arglistig getäuscht.

Dabei gibt es noch eine Besonderheit bei den Assistenzsystemen, auf die der Kundenberater auch gerne hinweist, damit er sich nicht mit den Problemen auseinandersetzen muss. Die Systeme sind zum Teil als sog. Beta Versionen deklariert, d.h. die Fahrzeuge werden mit noch nicht abschließend erprobten Systemen versehen, für die der Kunde dann als Testfahrer für Tesla fungiert. Im Prinzip werden die Fahrzeuge nur als Prototypen und nicht als fertig entwickelte Fahrzeuge ausgeliefert. Auch dies wird an keiner Stelle vor dem Kauf erwähnt.

Bei der unzureichenden Verkehrszeichenerkennung war man ebenfalls nicht zu einer Nachbesserung bereit, lt. Tesla Mitarbeiter liegt die Ursache bei Google, deren Datenbestand offensichtlich fehlerhaft ist. Hallo Tesla, was habe ich mit Google zu tun? Tesla ist allein für die Fahrzeugfunktionen verantwortlich, der Hinweis auf unbeteiligte Dritte ist völlig deplatziert.

Mängel gibt es leider nicht nur in Bezug auf die Assistenzsysteme.

Mir war schon vor dem Kauf aus verschiedenen Quellen bekannt, dass die Verarbeitung des Fahrzeuges zu wünschen übrig lässt, deshalb war die Erwartungshaltung bei der Übernahme des Fahrzeuges auch nicht sonderlich hoch. Interessant war aber, dass der Kundenbetreuer bei der Übergabe des Fahrzeuges darauf hinwies, dass man es sich sehr genau überlegen sollte, ob man das eine oder andere schief montierte Bauteil im Zuge der Garantie richten lassen sollte, denn die Erfahrung zeigte, dass es dabei oft zu einer „Verschlimmbesserung“ kommt.

Bei uns schloss die Fahrertür nicht richtig, weil das Schloss offensichtlich nicht richtig justiert war. Scheinbar gibt es hier keine Einstellmöglichkeit, denn nach meiner Beanstandung schließt die Tür jetzt korrekt, dafür sitzt die Tür 2mm höher als die hintere Tür.

Tesla ist nach Börsenwerten der größte Autohersteller der Welt, befindet sich beim Finish jedoch auf dem Niveau einer Bastelbude. Dies wurde besonders deutlich, als wir unser Fahrzeug direkt nach der Abholung zu einem Fahrzeugaufbereiter brachten, um den Lack konservieren zu lassen. Dort wurde mit speziellen Lampen der Lack beleuchtet und dabei festgestellt, dass an unserem Fahrzeug an zahlreichen Stellen der Lack nachgeschliffen und nachlackiert war. Das ganze Fahrzeug war mit Mikrokratzern übersäht und die Lackdicke schwankte stark. Der Aufbereiter meinte, er hätte noch nie ein so schlecht lackiertes Neufahrzeug gesehen und riet vorerst von einer Konservierung ab.

Die Mängel an meinem Fahrzeug, die hier nur auszugsweise dargestellt wurden, habe ich an die Geschäftsleitung von Tesla Deutschland weitergeleitet. Eine Antwort habe ich bislang nicht erhalten und ich fürchte das bleibt auch so.

Ich habe den Eindruck Tesla versucht mit allen Mitteln Kritik nicht sichtbar werden zu lassen, indem man übliche rechtsichere Dokumentationsformen verhindert. Eine öffentliche Diskussion über Mängel versucht man zu vermeiden.

Damit scheint man sehr erfolgreich zu sein, denn man findet zu den Problemen mit dem Fahrzeug oder dem Service kaum negative Kritik im Internet. Im Gegenteil, die Tesla Gemeinde ist überwiegend sehr einig und geschlossen, fast wie eine Sekte. Ist Elon Musk vielleicht Gründer einer neuen Automobilreligion nach der Methode L. Ron Hubbard mit Scientology?

Quelle: Mail an die Redaktion

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