Köln, 2016 Foto: H.S.
30.04.2016
Regisseur François Ruffin begibt sich in den desindustrialisieren Teil von Nordfrankreich. Seine zunächst gutgläubigen, mainstream-medial vermittelten Ansichten treffen hier auf die harte Realität: die Schließung ganzer Fabriken durch den Luxus-Konzern /LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton/, verkörpert im Firmenchef Bernard Arnault, und die darauffolgende Arbeitslosigkeit und Verarmung, verkörpert in der Familie Klur.
"Arnault hat Sie vielleicht ein bisschen angelogen ... -Sehr. Sehr! - Aber er hat niemandem wehgetan. - Halt mal, das kommt drauf an: Wenn es "niemandem wehtun" ist, die Leute ins Elend zu stürzen, Leute in den Selbstmord zu treiben, dann stimme ich dir zu." (aus dem Film)
Schließlich hilft Ruffin dieser Familie von Textilarbeiter_innen in ihrem Ringen mit der Arbeitslosigkeit und sucht die Aufmerksamkeit von Arnault: mit allen Mitteln. So wird Ruffin aus der Aktionärsversammlung geworfen, wo er mit einem „I love Bernard“-T-Shirt aufgetreten war.
Regisseur Ruffin unterstreicht, der Film richte sich nicht ausschließlich auf LVMH und auf Arnault, sondern müsse in einem allgemein „anti-oligarchischen Sinn“ verstanden werden. Der Film wurde in einer Open Air Vorführung auf der Nuit Debout in Paris gezeigt und befeuert die aktuellen Proteste gegen die Reform des Arbeitsgesetzes in Frankreich.
Dieser satirische Dokumentarfilm erhielt, nach eigenen Angaben, keine offizielle Filmförderung, sondern wurde mit Crowdfunding-Mitteln fertiggestellt.
labournet.tv/ zeigt einen neunminütigen Ausschnitt unter: Link
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