
Foto: H.S.
08.03.2026 - von Hartmut Jeromin
Ich sichtete die möglichen Themen wie Krieg, Machtkonzentration, deutsche Politik … aber zuerst Mal wollte ich meiner Gefährtin etwas Musik anstellen, Volksmusik. Letztere fand ich im Netz, auch kostenlose, dafür mit Werbung. Also angeschaltet, gesucht und … da passierte es: „Ännchen von Tharau“ sieht mich versonnen an; ... weiter: „Im Märzen der Bauer“ ... eine bezopfte Maid; „Ach wie ist`s möglich“; ... herziges Mädel mit blonder Zopffrisur; „Kein schöner Land“; ... blond, geflochtener Zopf; ... und in so einer markanten alten Schrift der Liedtext eingeblendet: „Nun ade, du mein lieb Heimatland“; ... blondes Beiwerk; und das geht nun immer so weiter! Über 40 Titel! Immer dabei eine bezopfte, blonde junge Frau, auch mal mit Kopftuch.
Und allmählich kommt immer mehr Schwarz-Rot-Gold ins Spiel, auch schon mal blaue Farbe. Und auch so ein geflügeltes Wappentier mit massiven Krallen. Sogar auf der jungen Haut trägt so eine „Maid“ das Tier als Tattoo. Der Stempel in meiner Geburtsurkunde zeigt eben dieses Tier mit dem berüchtigten Symbol in den Krallen. Viel Bauernidylle. Auch etwas Militaria untergemischt. Und das Pommernlied. Und die deutsche Mutter. Das Riesengebirgslied. Gar: „Vom Osten rollt die blaue Welle“... mit viel Schwarz-Rot-Gold. Das Westpreußenlied. Das Schlesienlied. Sedimente einer bestimmten Ästhetik. ... „Wo mein Großvater stand“ ... viel gelbes Korn und dazu wieder ein blondes Mädel; „Das Lied der Patrioten“ ... blonde Maid, Zopf, Reichsadler ...; “Steig auf, deutscher Adler“; ...“Wir wollen unser Land zurück“... mit Deutschland-Fahne und viel Blau! Auch: „Auf baltischer Wacht“ oder „Hundert Mann und ein Befehl“... und dann die Krone, irgendwas mit Alice ... mit Weidels Konterfei, es reicht! Deutschtümelei ohnegleichen. Oder mehr? Das alt- und neufaschistische Welt- und Familienbild? Wer zeigt hier was und warum? Und wie kommt es überhaupt auf diese Plattform? An wen ist das adressiert? Und wenn das Kinder und Jugendliche finden?
Ich habe die vielen Jahre mit der sowjetischen und später mit der DDR-Entnazifizierung gelebt, habe Relikte der faschistischen Ideologie erlebt. Musste auch die Taschen der Schüler auf Schund – und Schmutzliteratur kontrollieren.
Im Elternhaus wurde viel gesungen, vor allem die Volkslieder. Waren erlaubt, waren in den Schulbüchern zu finden und wurden im Schulchor gesungen. Und manchmal sang auch ein russischer Chor mit viel Gefühl das „Heideröslein“ und „Im schönsten Wiesengrunde“. Oder eben „Kalinka“ oder „Katjuscha“. Völkerverbindend! Russische Folklore kommt nun nirgends mehr vor, das klappt sofort! Viele Texte und Melodien deutschen Kulturgutes sind mir geläufig. Aber immer ohne diese Attribute! Wer also hat diesen „Schund“ verbrochen? Ist das Internet wirklich für all und jedes da? Gibt es einen / keinen Bildungsauftrag? Kein Erziehungsziel? Keine „Werte“? Ich ahne: Das ist Wahlwerbung mit Musik und Symbolik. Na denn, gute Nacht, Marie! denkt Hartmut Jeromin im März 2026 und schaltet den Unrat weg. Muss er sich nicht antun, hört lieber die Musik von Tworna.
Nachtrag, gezwungener Maßen:
Meine Kollegin A.S. macht mich aufmerksam auf die heutige „Sächsische Zeitung“, Fr. 06.03.26, S.8.: „Zahl rechtsextremer Vorfälle an Sachsens Schulen steigt kontinuierlich!“ Und schreibt, dass in 2025 tatsächlich 245 solche Vorfälle von den Schulen Sachsens gemeldet wurden. Und wählten 55 exemplarische Vorkommnisse dieser Art zum Abdruck aus. Und da stehen sie nun. Bin ich irgendwie im falschen Film? Welche Blase habe ich angestochen?
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