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Personalausweis ab 25 wirds noch teurer: Für Passersatz 300 % mehr. DIHK protestiert

Foto: H.S.

20.01.2026 - von Hanne Schweitzer

Eigentlich sollte der neue Personalausweis am 1.Januar 2026 erheblich teurer werden. Weil sich die Länderkammer aber noch nicht mit dem einträglichen Thema befasst hat, gibt es für Sparfüchse die Chance, den neuen Ausweis noch zum alten Preis zu kaufen.

Dazu muss man wissen:
Alle über 24 Jährigen müssen, falls die Länderkammer nicht interveniert, aber warum sollte sie? - für einen neuen Personalausweis 24,3 Prozent mehr bezahlen: statt 37 Euro demnächst also 46 Euro.

Alle unter 25 zahlen weniger. Aber auch für sie wird es teurer. Der Ausweis kostet 21% mehr statt 22,80 Euro dann 27,60 Euro.

Um 300 Prozent steigt die Gebühr für den von der Bundespolizei ausgestellten Reiseausweis als Passersatz. Bisher beträgt sie 8 Euro, künftig 32 Euro.

Begründet werden die Preiserhöhungen vom Innenministerium mit gestiegenen Herstellungs- und Personalkosten. Aber ob sich die MitarbeiterInnen der Bundesdruckerei auf üppige Gehaltssteigerungen freuen können? Wohl nicht. Gründe dafür:


Deutsche Industrie und Handelskammer***** protestiert gegen Erhöhung der Gebühren für Personalausweise , aber nicht gegen den Zwang zum digitalen Foto

"Die Bundesdruckerei*** hat 171 Millionen Euro in die Beschaffung von Geräten zur (biometrischen/digitalisierten) Lichtbilderstellung in den Kommunen (PointID®) investiert. Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen“ war vorgesehen, die Kosten für die Anschaffung der modernen Passbildautomaten durch zusätzliche Nutzungs-/Lichtbildgebühren zu finanzieren.

Die Kommunen sollten dafür eine Gebühr von 6 Euro erheben und diese an die Bundesdruckerei weiterleiten. (171 Mio : 6 = 28.500.000 Personalausweise und das Geld wäre bezahlt.) Im März 2025 hat das Bundesministerium des Inneren stattdessen aber entschieden, die Finanzierung des PointID® Geräts neu zu strukturieren und nicht mehr über die Nutzungs-/ Lichtbildgebühr sicherzustellen."

Die Gebühr wurde aber keineswegs abgeschafft, nein. Die BürgerInnen zahlen weiter für das digitalisiert Passfoto. Der Unterschied ist: Die 6 Euro bleiben bei den Kommunen. Vielleicht, damit sich andere Kommunen auch für das PointID® Gerät entscheiden. Vielleicht um die leeren kommunalen Kassen etwas zu füllen. Vielleicht aber, weil auf der Webseite** der Bundesdruckerei ausdrücklich vermerkt ist: "Kostenneutrale Bereitstellung: PointID® wird den Pass- und Personalausweisbehörden sowie den Ausländerbehörden im Rahmen einer Gebrauchsüberlassung kostenneutral zur Verfügung gestellt." Kostenneutral! Auf die Frage, ob das PointID® Gerät dauerhaft kostenfrei bleibt, lautet die Antwort auf der Webseite: "PointID® ist für die Behörden kostenfrei. Die Nutzung erfolgt analog den Fingerabdruckscannern oder V-Änderungsterminals. Die kommunalen Verträge mit ihren jeweiligen IT-Fachverfahrensentwicklern und -entwicklerinnen gelten davon unberührt weiter."

Es muss aber ein Finanzloch bei der Bundesdruckerei geschlossen werden. Und so kam das Bundesministerium des Inneren auf die übliche Lösung: Die Refinanzierung (von was? ist der PointID®, der Punktidentifizierer gemeint) soll "nach dem Solidarprinzip über die allgemeine "Pass- bzw. Personalausweisgebühr" erfolgen. Warum wird dann aber die Gebühr für die neuen Ausweise nicht um sechs Euro erhöht wie zuvor, sondern um 9 bei Erwachsenen, um 5 Euro bei unter 24Jährigen und um das Dreifache beim Passersatz?
Wirrwarr. Die DIHK spricht sich dafür aus, auf die Erhöhung der Personalausweisgebühr zu verzichten bzw. diese deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig sollte eine Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Lichtbildgebühr erfolgen, sofern die tatsächlichen Gesamtkosten die bisherige Pauschale von 6 Euro überschreiten." Die CDU nahm sich der Sache an. Im Bundestag.


PointID® im Bundestag

Deutscher Bundestag Drucksache 21/88 ****
21. Wahlperiode 02.05.2025
Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 28. April 2025 eingegangenen Antworten der Bundesregierung

Anfrage des Abgeordneten Dr. Markus Reichel, CDU/CDU im Bundestag zu PointID®
Abgeordneter:
Wie viele Bürgerämter von der deutschlandweit gesamten Anzahl der Bürgerämter sind nach Kenntnis der Bundesregierung bisher mit dem PointID®-System der Bundesdruckerei zur Erstellung digitaler Fotos für den Personalausweis, den Reisepass und den elektronischen Aufenthaltstitel ausgestattet, und bis wann sollen alle Bürgerämter Deutschlandweit damit ausgestattet sein?

Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Johann Saathoff vom 30. April 2025
Zum Stichtag 25. April 2025 – dem Zeitpunkt der Fragestellung – liegen dem Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) folgende Informationen zur deutschlandweiten Ausstattung der Bürgerämter und Ausländerbehörden mit PointID®-Systemen vor: Von den 6.759 Pass-und Ausweisbehörden (inklusive Außenstellen) sind zum Stichtag bei
1.102 Inbetriebnahmen erfolgt (Quote: 16,3 Prozent). Von den 918 Ausländerbehörden (inklusive Außenstellen) sind zum Stichtag bei 137 Inbetriebnahmen erfolgt (Quote: 9,74 Prozent).
Es haben alle Bürgerämter und Ausländerämter ein Angebot zur Ausstattung mit einem PointID®-System erhalten. Die Behörden, welche einen Bezug von PointID®-Systemen bei der Bundesdruckerei bereits angemeldet haben, sollen bis Ende Sommer 2025 mit einem solchen
ausgestattet sein. Nicht alle Behörden haben sich für einen Einsatz dieser Geräte entschieden. Daher werden insoweit voraussichtlich zu keinem Zeitpunkt, wie in der Frage formuliert, alle Bürgerämter mit PointID®-Systemen ausgestattet sein. ..." In Kastellaun ist das anders.


Der PointID® Fotoautomat in der Gemeinde Kastellaun
Kastellaun im Hunsrück hatte schon im Frühjahr 2025 einen PointID®. Aus der Webseite* geht hervor, dass für ein PointID®-Foto 6 Euro zu bezahlen waren. Gleichzeitig und geradezu vorbildlich weist die Rathausseite aber auch darauf hin, dass es andere Anbieter gibt, die biometrische Fotos herstellen können. Das liest sich so:


"Seit 01. Mai 2025[/b] sind grundsätzlich digital vorliegende biometrische Lichtbilder erforderlich. (DIGITALZWANG)Die digitalen biometrischen Passfotos werden z.B. in Drogeriemärkten mithilfe der Mitarbeiter der Märkte angefertigt. Hier Link finden Sie außerdem einen registrierten Fotografen in Ihrer Nähe, z.B. Fotostudio Pullig in Kastellaun. Alternativ steht im Einwohnermeldeamt Kastellaun ein Self-Service-Terminal zur Verfügung.
Papierpassbilder werden nicht mehr angenommen!"
Die Gebühren für einen Personalausweis:
unter 24 Jahren: 22,80 Euro plus Kosten für ein biometrisches Foto auf dem freien Markt:
über 24 Jahren: 28,80 Euro incl. Foto PointID®
ab 24 Jahren: 37,00 Euro plus Kosten für ein biometrisches Foto auf dem freien Markt:
ab 24 Jahren: 43,00 Euro incl. Foto PointID®"



* Webseite Kastellaun abgerufen am 15.1.2026

** Webseite der Bundesdruckerei abgerufen am 15.1.2026

*** Weitere Infos zur Bundesdruckerei, eine GmbH mit vielen Töchtern, finden sich unter:

- 23.09.2008 Gesundheitskarte: Der Rubel rollt, Patienten zahlen
von Hanne Schweitzer unter: Link

- 31.12.2017: DIGITALISMUS, TELEMATIK, GEMATIK, e-HEALTH, FERNBEHANDLUNG: Dossier 2017
von Hanne Schweitzer und D.S. am 17.11.2017 unter: Link

- 18.4.2020: TRUMP am Ende? Bill GATES Nr. 1 bei sogenannten Verschwörungstheoretikern
von Hanne Schweitzer unter: Link

- 23.12.2020: Tschüss Reisefreiheit!!!! Flugverband IATA führt digitalen Corona-Impfpass ein
von Hanne Schweitzer unter: Link

- 30.12.2020: GESUNDHEITSAKTE, DIGITALE STAATSKUNST, eREZEPT, ÜBERWACHUNG: Dossier 2020
von Hanne Schweitzer und D.S. am 16.4.2020 + am 16.10.2020 unter: Link

- 09.12.2022: DIGITALER SCHUB, DIGITALE POLITIKEN, DIGITALER ISMUS: Dossier 2021 und 2022
von Hanne Schweitzer + D.S. + diverse am 9.3.2023 unter: Link

**** Webseite des Bundestags, abgerufen am 15.1.2026
- Konzernstruktur der Bundesdruckerei: Link am 15.1.2026

***** Webseite der DIHK abgerufen am 15.1.2026

Quelle: DIHK, Bundesdruckerei, Rathaus Kastellaun