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Altersdiskriminierende verbale Giftpfeile

Foto. H.S.

04.06.2024 - von Hanne Schweitzer

Sprachliche Giftpfeile sind eine geläufige Waffe, um altersdiskriminierende Einstellungen zu tarnen. Ein Beispiel dafür ist der Chef von Frau A. Obwohl sie im Rentenalter angekommen ist, "darf" sie als Minijobberin weiter im gleichen Unternehmen arbeiten. Allerdings bekommt sie keinen unbefristeten Vertrag sondern einen, der zeitlich befristet ist.

Die Begründung des Chefs: "Weil sonst die Leute dann bis 79 da sitzen könnten."

Dieser unpersönliche, allgemein formulierte Satz ist der Giftpfeil. Das Gift sitzt im falsch benutzten Konjunktiv II, genauer in dem Verb aus können gebildeten Wort "könnten". Dazu muss man wissen:

Die Zeitform des Konjunktiv II wird angewandt

- 1. um Wünsche oder Träume zu formulieren. Beispiel: "Ich hätte gerne einen unbefristeten Vertrag."

- 2. um Irreales auszudrücken. Beispiel: "Wenn du jünger sein würdest, hätte ich dir einen unbefristeten Vertrag gegeben."

- 3. um höfliche Fragen und Bitten zu äußern. Beispiele: "Hättest du lieber einen längeren Vertrag? oder: Könntest Du trotzdem länger arbeiten?"

- 4. um Vorschläge zu machen oder Empfehlungen zu geben. Beispiele: "Du könntest morgen einen neuen Vertrag unterschreiben." oder: "Du solltest die keine Sorgen machen."

Jemandem im frischen Rentenalter zu vergleichen mit Leuten, die fast 80 sind, ist provokant. Es zeigt die Einstellung, die der Chef zu den Älteren hat, die weiterarbeiten wollen. Es ihm wichtig zu zeigen, wie großzügig er war, Frau A trotz ihres Rentenalters noch mit einem befristeten Vertrag zu beschäftigen. Er führt Frau A auch deutlich vor Augen, wer im Betrieb das Sagen hat.

Quelle: Anruf in der Redaktion

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