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Österreich: Vierte Lohnrunde im Handel gescheitert

Foto: H.S.

Österreich - 24.11.2022 - von Christian Domke-Seidel

Jetzt ist schon wieder was passiert. Diesmal um 22 Uhr am Abend. Da scheiterte die vierte Lohnrunde im Handel. Für 430.000 Arbeitnehmer:innen ist das sehr bitter. Davon sind rund 70 Prozent Frauen. Und 37 Prozent arbeiten in Teilzeit. Sehr oft, wenn Politiker:innen von den Menschen sprechen, die sich in der aktuellen Situation die Heizung nicht mehr leisten können, sprechen sie im nächsten Satz von eben jenen Angestellten im Handel. Zwischen Schichtbetrieb, Wochenenddienst und mangelhafter Kinderbetreuung. Viele wollen so gar nicht arbeiten und es fehlt an Verkäufer:innen und Kassierer:innen. Vielleicht hängt es aber auch mit dem Gehalt zusammen. Die Arbeitgeber:innen bieten vier Prozent mehr. Die Basis für die Verhandlungen ist aber eine rollierende Inflation von 6,9 Prozent. Das heißt, dass die Beschäftigten ärmer werden, während sie Regale einräumen und Kunden beraten. Kann man so machen, führt dann halt zu einem Streik. Denn die Gewerkschaften wollen 8,5 Prozent mehr Lohn und einen Mindestbetrag für die kleineren Einkommen. Am 29. November ist die nächste Verhandlungsrunde. Scheitert die, könnte es ab 3. Dezember zu einem Streik kommen.


Zug ist noch nicht abgefahren
Nicht nur im Handel eskalieren aktuell die Lohnverhandlungen. Auch bei der Bahn. Dort verließen die Arbeitgeber:innen die Sitzung. Das lag vor allem daran, dass die Gewerkschaften sich vehement für eine Erhöhung des kollektivvertraglichen Mindestlohns einsetzten. Und das in einer Branche, die vor Umwälzungen steht. Denn die Generation der Baby-Boomer reißt mit ihrer Pensionierungswelle riesige Löcher in die Personaldecke. Die Angestellten, mit denen diese Löcher aber gestopft werden, finden oft fragwürdige Arbeitsbedingungen vor. Von der Bezahlung über den Schichtdienst bis zur Belastung. Eine Anhebung des Mindestlohns dient daher auch der nachhaltigen Sicherung der Branche.
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Bis der Arzt kommt
Warnstreiks gibt und gab es auch in den Ordensspitälern. Mittlerweile jahrelang arbeiten deren Angestellten am Limit. Dort ist die Coronapandemie noch längst nicht vorbei. Wenn die Beschäftigten geglaubt haben, die Politik hätte sie in dieser Krise schon vergessen, dürften sie über das Angebot der Arbeitgeber:innen nicht schlecht staunen. Nicht einmal eine Inflationsanpassung ist drinnen. Und die angebotene Einmalzahlung würden nicht alle Angestellten bekommen. Dabei fließt das Geld. Denn die Organisationsform ist eine Mischung aus Gemeinnützigkeit und privater Investoren. Das bedeutet, die öffentliche Hand finanziert die (kritische) Infrastruktur mit.
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Quelle: Arbeit-Wirtschaft.at