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Mieterhöhung für 7.000 Mieter der GAG in Köln - Rat wird Hände in Unschuld waschen

Foto: H.S:.

02.11.2022 - von Hanne Schweitzer

Kölns größte Vermieterin, die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG Aktiengesellschaft, der laut ihres Geschäftsberichts von 2021 immerhin 23.772 Wohnungen und 89.474 m² Gewerbefläche in Köln gehören, hat 7.000 MieterInnen eine Mieterhöhung geschickt. Das betrifft mehr als 30 Prozent aller GAG-Wohnungen. Die Mietsteigerungen beträfen ausschließlich frei finanzierte Wohnungen und davon vor allem jene, die bislang „weiter weg von der Obergrenze des Mietspiegels“ lägen, meint ein Sprecher des Immobilienkonzerns dazu. Als ob Mieter in frei finanzierten Wohnungen Geld sch... könnten.

Mieterinnen und Mieter berichteten dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ dass die Kosten für ein 46-Quadratmeter-Apartment um rund 60 Euro, für größere Wohnungen oder Einfamilienhäuser um bis zu 180 Euro erhöht worden sind. Ob und wenn ja wie viele RentnerInnen unter denen sind, die mehr Miete zahlen sollen, ist bisher nicht bekannt. (Obwohl die GAG das sehr leicht feststellen könnte.)

Im Aufsichtsrat der GAG, der den Vorstand berät, sitzen 15 Mitglieder. Alle erhalten Bezüge aus Sitzungsgeldern und sonstigen Aufwandsentschädigungen. Vier der Aufsichtsratsmitglieder sind parteilos, zwei gehören zur SPD, drei zu den Grünen, einer zu den Linken und fünf zur CDU. Sie kannten die Pläne. Und weil der Kölner Wirtschaftsdezernent Greitemann auch zum GAG-Aufsichtsrat gehört, wusste die Kölner Stadt-Verwaltung und selbstverständlich auch die Oberbürgermeisterin, welcher Schock auf 7.000 GAG-MieterInnen zukommt, damit die Dividende der GAG-Aktie auch im nächsten Jahr stimmt. Wahrscheinlich haben sie sich bereits beraten, was zu tun ist, wenn sich die MieterInen zusammenschließen und protestieren oder sie haben spekuliert, welche Auswirkungen das Vorgehen der GAG auf die anderen Mieten in Köln haben wird.

Die GAG begründet die Mieterhöhung in der Krise mit der Krise. „Wir müssen Geld generieren, wenn wir künftig Neubauprojekte und Sanierungen realisieren wollen“, behauptet der GAG Sprecher. Höhere Energiekosten, höhere Baukosten und steigende Zinsen müssten auf die Mieter umgelegt werden. Dabei heißt es im letzten Geschäftsbericht: "Die Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft ist geordnet und die Zahlungsfähigkeit gesichert. Die Entwicklung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage verlief im Geschäftsjahr insgesamt positiv." An wen die MieterInnen ihre steigende Miete weitergeben sollen, sagt der Sprecher nicht.

Umzug für die betroffenen Mieter wird schwierig sein

Auf der Webseite der GAG findet sich unter der Rubrik "Mietwohnungen suchen" am 1.11.2022 folgende Meldung: "Ob für Singles, Paare oder Familien, kleine oder große Mietwohnungen, für den kleinen oder großen Geldbeutel, im Grünen oder mitten in der Großstadt – die GAG hat auch für Sie das passende Zuhause. Wir bieten nicht nur Räume, mit der GAG können Sie individuelles Wohnen mit Wohnfühlatmosphäre leben. Finden Sie in unserem großen Angebot Ihre neue Mietwohnung.
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Von wegen WOHNFÜHLATMOSPHÄRE!

Auf der Webseite von immoscout waren am 1.1.2022 ganze 975 Wohnungen für die Millionenstadt Köln im Angebot. UNWOHNFÜHLATMOSPHÄRE!


Der Aufsichtsrat der GAG Immobilien AG

Der Aufsichtsrat berät den Vorstand bei der Unternehmensleitung, er überwacht kontinuierlich die Führung der Geschäfte und ist in alle wesentlichen Entscheidungen direkt eingebunden. Koordiniert wird die Aufsichtsrat- und Ausschussarbeit vom Anwalt Markus Thiele.

Mitglieder:
Mike Homann, Vorsitzender: (SPD)
Sabine Pakulat, 1. stellv. Vorsitzende: (Grüne)
Martina Richter, 2. stellv. Vorsitzende: (CDU)
Sylke Born -
Michael Frenzel, (SPD)
Markus Greitemann, (Bau-+Wirtschaftsdezernent der Stadt Köln, (CDU)
Marion Heuser, (Grüne)
Niklas Kienitz, (CDU)
Harald Knopp -
Karina Köbnik -
Andreas Schubring -
Christine Seiger, (Grüne)
Ira Sommer, (CDU)
Michael Weisenstein, (Linke)
Thomas Welter, (CDU)


Der Vorstand der GAG Immobilien AG
Anne Keilholz und Kathrin Möller


Die GAG Aktie und ihr Börsenwert
Die Aktie kostet aktuell 76,00 EUR.
Der Börsenwert des Unternehmens wird auf Finanznet mit 1,28 Milliarden Euro angegeben.


Aus dem Lagebericht der GAG für das Geschäftsjahr 2021
2.1.2 Wohnungswirtschaftliche Rahmenbedingungen in Köln
In Köln stieg die durchschnittliche Kaltmiete ohne Nebenkosten für Neubauwohnungen in 2020 um 10% auf EUR 14,60 je m². Für Bestandswohnungen stieg die durchschnittliche Kaltmiete ohne Nebenkosten im gleichen Zeitraum um 11% auf EUR 12,30 je m².
Die Baulandpreise für den Geschosswohnungsbau stiegen von 2019 auf 2020 um rund 15%. Die durchschnittlichen Kaufpreise von Eigentumswohnungen sind im gleichen Zeitraum um 5% angestiegen. Bei der Betrachtung des Zeitraums von 2015 bis 2020 konnte eine Steigerung des mittleren Kaufpreises von Eigentumswohnungen von insgesamt 45% festgestellt werden.

2.2.1 Immobilienbewirtschaftung
Im Geschäftsjahr lagen die Umsätze aus Sollmieten bei 146.279.000 (Vorjahr 139.887.000). Diese Steigerung ergab sich aus dem Bezug von Neubaumaßnahmen, den Anhebungen der Mieten auf Grund von Modernisierungsmaßnahmen, den Mietanpassungen im Wohnungsbestand an den Mietspiegel, Fluktuation sowie sinkenden Wohnungsabschlägen aus Förderungen.
Die durchschnittliche monatliche Sollmiete stieg um 1,9% und betrug EUR 7,46 je m² Wohn-/Nutzfläche (Vorjahr: EUR 7,32 je m²).
Von den Sollmieten sind Erlösschmälerungen durch Leerstand und Mietnachlässe in Höhe von 6.538.000 (Vorjahr: 5.179.000) oder 4,47% (Vorjahr: 3,70%) abzuziehen.
In Summe ergaben sich Umsatzerlöse aus Vermietung von 139.742.000 (Vorjahr: 134.709.000), geplant waren 139.030.000.
... zum Ende des Geschäftsjahres waren noch 53 Wohnungen vermietbar. Weitere 59 Wohnungen standen wegen Verkauf oder aus sonstigen Gründen leer.

2.3.3 Vermögens- und Finanzlage
Das Eigenkapital stieg um 5% auf 636.911.000 (Vorjahr: 607.603.000). Der Anstieg resultiert im Wesentlichen aus dem Jahresüberschuss abzüglich der Dividendenausschüttung.
Die Rückstellungen stiegen um 6% auf 60.300.000 (Vorjahr: 56.590.000).

Die Verbindlichkeiten stiegen um 5% auf 1.591.658.000 (Vorjahr: 1.518.334.000).
Hauptbestandteil waren die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und anderen Kreditgebern. Sie stiegen auf Grund des umfangreichen Investitionsvolumens und der Aufnahme von Objekt- und Unternehmensfinanzierungsmitteln um 5% auf 1.512.474.000 (Vorjahr: 1.437.219.000). Im Geschäftsjahr betrugen die Darlehenstilgungen insgesamt 204.908.000 davon waren 159.075.000 außerplanmäßige Tilgungen im Rahmen von Rückzahlungen und Umfinanzierungen sowie Tilgungsnachlässe.


Aus der Geschichte der GAG AG
Gegründet wurde die Gemeinnützigen AG für Wohnungsbau am 18. März 1913. Das Aktienkapital von 1,22 Millionen Reichsmark stammt von privaten Kapitalgebern, meist Unternehmern wie Arnold von Guilleaume, Adolf Lindgens, Alfred Neven DuMont senior und Ernst Cassel. Die Stadt Köln übernimmt 50 Prozent der Anteile und stellt mit dem Oberbürgermeister den Aufsichtsratsvorsitzenden. ...
Am 1. Januar 1990 wird in Deutschland die Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen abgeschafft. Für die GAG bringt dies grundlegende Veränderungen mit sich. Die Stadt verfügt mit ihr und der GRUBO nun über zwei Gesellschaften, deren Geschäftsgrundlagen nahezu identisch sind. Um Konsolidierungs- und Synergieeffekte zu erzielen, beschließt sie eine Fusion von GRUBO und GAG, die 2000 unter dem neuen Namen GAG Immobilien AG vollzogen wird.
Ab 2001 plant die Stadt Köln als Mehrheitseigner den Verkauf ihrer GAG-Anteile von inzwischen 68 Prozent an einen privaten Investor und sorgt damit für heftige Kontroversen. Im Januar 2003 lehnt der Rat der Stadt Köln mit knapper Mehrheit einen Verkauf der Aktien ab.
Siehe: Link


Vonovia steigert Gewinn deutlich
Trotz Krise im Plus: Der Immobilienriese Vonovia hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen deutlichen Gewinnzuwachs erzielt. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft erhöhte sich durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen, steigende Mieten und einen historisch niedrigen Leerstand um 35 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro. (Reuters/jW)

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 1.11.2022,Webseite GAG, Geschäftsbericht GAG

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