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Flüchtlinge aus der Ukraine und der deutsche Arbeitsmarkt

Foto: H.S.

24.04.2022 - von Gudrun Giese, Arbeitsagentur, H.S.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) äußerte gegenüber dpa, dass sich die Bundesregierung auf eine längere Anwesenheit der ukrainischen Geflüchteten vorbereite. Der Arbeitsmarkt sei geöffnet. "Es ist wichtig, dass wir ukrainische Berufsabschlüsse schnell und unkompliziert anerkennen", sagte Heil. "Da müssen wir erheblich besser und schneller werden." Vermutlich kommen auch sehr viele sehr gut ausgebildete Menschen", so Heil zum RedaktionsNetzwerk Deutschland. Darunter Pflegekräfte, Ingenieure, Ärztinnen und Erzieherinnen, die wir gut brauchen können, weil wir zu wenig davon haben. Anja Weber, Vorsitzende des DGB in Nord-Rhein-Westfalen will laut WAZ verhindern, dass Flüchtlinge aus der Ukraine trotz guter Qualifikationen in den Niedriglohnbereich gedrängt werden und am Ende als Erntehelfer in prekären Verhältnissen jobben. Sie befürchtet außerdem Schwierigkeiten bei der Integration von jungen Erwachsenen aus der Ukraine. Viele Firmen in NRW würden Azubis suchen, leider existiere aber noch immer das Problem, dass die Berufskollegs in NRW nicht alle SchülerInnen zwischen 18 und 25 Jahren aufnehmen könnten. Das wäre "schon während der Flüchtlingskrise 2015/16 ärgerlich" gewesen.

Händeringend wird hierzulande nach Personal gesucht
Laut Bundesvorsitzendem der Industriegewerkschaft Bauen, Agar, Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, wird auf dem Bau, in der Landwirtschaft und der Gebäudereinigung "händeringend nach Personal gesucht. Die Deutsche Bahn meldet Erfolge bei der Personalgewinnung. Erste ukrainische Geflüchtete seien bereits eingestellt worden z.B. als Bauingenieure, als Mitarbeiter bei Hotlines oder im IT-Bereich. Siemens gab an, Programme zur »Integration« der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt in Form von Praktika oder Vorbereitungsklassen für eine Ausbildung zu planen. Verdi hat die Unternehmen im Blick und sieht gute Chancen auf sie zukommen. Viele ukrainische Flüchtlinge brächten gute berufliche Qualifikationen mit, "die in Deutschland dringend gebraucht werden", erklärte Frank Werneke, Ver.di Bundesvorsitzender.

Dringend gebraucht werden Arbeitskräfte aber auch woanders
Aus dem Auswanderungsland Rumänien, wo es eine halbe Millionen offene Stellen geben soll und mehr als vier Millionen das Land in den letzten Jahren verlassen haben berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk: Es habe Vorstellungsgespräche mit ukrainischen Flüchtlingen gegeben, jedoch kaum Anstellungen, da nur der rumänische Mindestlohn von rund 3,10 Euro die Stunde angeboten wurde. Dazu ein Handelskammer-Chef aus Rumänien: "Den Bewerbern war das rumänische Gehalt zu niedrig, sie sagten: `Ihr seid ja noch ärmer als wir.`"

Mehr unter: Rumänien, Arbeitsmarkt, Fachkräftemangel, ukrainische Geflüchtete. Bei mdr unter: Link

Auf Seite 26 der Printausgabe der WELT am Sonntag vom 24.4. informiert eine halbe Zeitungsseite über das Thema "UKRAINIER(IN) dringend gesucht". Abgehandelt werden "Lehrkräfte, Gesundheitspersonal, Landwirtschaft." Der Geschäftsführer der Lausitz-Klinik in Ostbrandenburg schildert das dortige Qualifizierungsprogramm für ukrainische Pflegekräfte. Damit sollen sie sich für die Anerkennung des deutschen Berufsabschlusses „Pflegefachmann/Pflegefachfrau“ fit machen. Der erste Kurs startete mit acht Ukrainerinnen. Die erhalten drei Mal wöchentlich Deutschunterreich und hospitieren an zwei Tagen in der Lausitz-Klinik. Sind die Sprachkenntnisse ausreichend und liegt eine Arbeitserlaubnis vor, erhalten sie eine Arbeit als Pflegehelferin - zunächst - heißt es. Wie lange ist zunächst? Und was ist mit gleichem Lohn für gleiche Arbeit?

"Die Ukraine braucht ihre Pflegekräfte selbst", gibt Carola Dörfler von der Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe bei der Kultusministerkonferenz zu Protokoll. Deshalb sei es nicht das Ziel, den Pflegenotstand mit Hilfe der ukrainischen Flüchtlinge zu lindern. Jedoch: "Wer sich in Deutschland eine Existenz aufbauen wolle, solle dazu eine Chance bekommen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht das genau so. Gerald Gaß: "Jede Fachkraft, die wir für die Kliniken gewinnen können, lohnt jeden Aufwand."

Arbeitslosenzahlen im März 2022 der Bundesagentur für Arbeit
- Die Arbeitslosenzahl im März 2022 betrug 2.362.000. Die Arbeitslosenquote lag im März bei 5,1 Prozent.
- Die Unterbeschäftigung lag im März 2022 bei 3.110.000 Personen.
- 7,12 Millionen Personen hatten im Januar 2022 eine geringfügig entlohnte Beschäftigung. Darunter waren 4,05 Millionen ausschließlich und 3,07 Millionen im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigt.
- Im März 2022 waren 839.000 Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet.
- 744.000 Personen erhielten im März 2022 Arbeitslosengeld.
- Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im März bei 3.579.000. 6,6 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig.
- Von Oktober 2021 bis März 2022 meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 313.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Von ihnen hatten im März noch 188.000 junge Menschen weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden. Gleichzeitig waren 443.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 298.000 waren noch unbesetzt. Der Ausbildungsmarkt ist im März aber noch stark in Bewegung.

Mehr dazu unter: Arbeitsagentur.de Arbeitsmarkt im März 2022 unter: Link

Quelle: Junge Welt, Arbeitsagentur

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