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WDR hat Veröffentlichung mit Laschet-Zitaten aus Audiothek entfernt

Foto: H.S.

08.02.2021

Die WAZ berichtet am 8.2.2021 über einen Bericht des "Spiegel". Demnach habe der WDR einen Hörfunkbericht mit Äußerungen von Ministerpräsidenten Armin Laschet nach zweieinhalb Stunden aus der ARD Audiothek entfernt, nachdem Beschwerden darüber eingegangen waren. Der Bericht soll auf einem heimlich aufgenommenen Video basieren. Darin soll der Ministerpräsident von NRW zu sehen sein, der im Herbst 2019 vor Klimaaktivisten über die 2018 erfolgte Räumung des Hambacher Forst spricht und sagt: "Ja, ich brauch auch einen Vorwand, sonst kann man doch nicht tätig werden. Ich wollte den Wald räumen. Dazu muss man wissen: Offiziell war der Polizeieinsatz im Hambacher Forst, bei dem 27Jährige Journalist, Blogger und Kunststudent Steffen Meyn starb, stets mit "Brandschutzmängeln" begründet worden.

Wie Matthias Korfmann in der WAZ schreibt, wehrt sich der gebührenfinanzierte WDR gegen den Vorwurf, der Sender habe eine zu große Nähe zur Landesregierung. Der Fall sorge aber WDR-intern für Wirbel und werfe ein Licht auf schwelende Konflikte zwischen Chefetage und Teilen der Beschäftigten des Senders. Ein WDR-Justiziar soll vor der Fertigstellung des Beitrags keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Ausstrahlung vorgebracht haben. Laut "Spiegel" sei der Journalist, der den Beitrag verfasst hatte, nach der Veröffentlichung kaltgestellt worden, indem man ihn in einen Spartenkanal versetzte. Die nach internen Protesten daraufhin eingeschaltete Schlichtungsstelle des WDR für Programmstreitigkeiten hätte dem Journalisten Recht gegeben.

An der Löschung des Beitrags soll dem "Spiegel" Link zufolge WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn persönlich beteiligt gewesen sein. In einem internen Schreiben soll er Mitarbeitern mehr "Multiperspektivität" empfohlen haben.

Der WDR nennt den "Spiegel"-Artikel laut Kormann "unwahr und tendenziös". Begründet wird dass professionell multiperspektivisch so: Das Zitat von Armin Laschet (CDU) habe zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung beim WDR-Hörfunk keinen Nachrichtenwert mehr gehabt. Die Fachredaktion habe den angebotenen Beitrag des Redakteurs deshalb "mit Verweis auf die journalistische Sorgfaltspflicht" abgelehnt.

Folgende Fragen bleiben unbeantwortet:
Warum wurde der vom Justiziar (!) genehmigte Beitrag von der Webseite genommen und sein Verfasser in einen Spartensender versetzt? Wie gelangte der Beitrag an der Fachredaktion vorbei in die ARD-Audiothek? Wer hat was zu sagen? Wessen Vertreter sitzen im Schlichtungsauschuss?


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WDR: Man sucht den Mainstream
Ver.di-Interview mit Prof. Dr. Sabine Rollberg
"... Programm war gut, wenn es eine gute Quote hatte und Programm war schlecht, wenn die Quote niedrig war. Kolleg*innen, die weiterhin den Inhalt zur Richtschnur machen wollten, wurde vorgeworfen, dass sie rückwärtsgewandt seien und nur Programm „für ihre akademischen Freunde“ machen würden. Damit fing auch eine Verachtung von Bildung und Intellekt an. ..."
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Quelle: Westdeutsche Allgemeine WAZ Print vom 08.02.2021, Spiegel-online, ver.di