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100 Lebensjahre - Fotos und Zeichnungen aus Bremen

Foto: H.S.

11.03.2020 - von Dr. Dirk Mittermeier

Es war im Sommer 2018, als Angela Bauriedl, Veranstaltungs-Managerin in der DKV-Residenz in der Contrescarpe, mit ihrem Mann im Sommerurlaub über die Insel Sardinien fuhr. Sardinien ist eine von den fünf „blauen Zonen“ auf der Welt, in denen Frauen und Männer besonders alt werden.

Dazu gehören die japanische Inselgruppe Okinawa, Loma Linda nahe der amerikanischen Metropole Los Angeles, Nikoya, Halbinsel an der pazifischen Küste von Costa Rica, Ikaria, eine griechische Insel vor der türkischen Küste und die Provinz Nuoro im Bergland von Sardinien.

Unversehens entdeckten die beiden Urlauber in der Altstadt von Alghero eine imposante Ausstellung mit Fotos von besonders alten sardischen Menschen. Da wurde die Projektidee „100 Lebensjahre“ geboren: „Das mache ich in Bremen auch!“ Gefunden wurden Fritz Haase für die Fotografien und seine Frau Sibylle Haase-Knels, die von den alten Menschen zum Teil tuschekolorierte Zeichnungen anfertigte. Schwieriger war es, die Bremer „models“ ausfindig zu machen.

Nach dem statistischen Landesamt Bremen lebten 2018 imsgesamt 110 (überwiegend) Frauen und Männer, die 100 Jahre oder älter waren, im Jahr 2019 waren es nur noch 89. Auch die SeniorenVertretung Bremen beteiligte sich seinerzeit an der Suche nach hochbetagten Menschen.

Insgesamt 11 im Hundertsten waren schließlich bereit, für die Fotos und die Zeichnungen Modell zu sitzen. Die fertige Ausstellung startete im „Kapitel 8“ am 13. November 2019, ist noch bis zum 5. April in der DKV-Residenz in der Contrescarpe zu sehen. Anschließend zieht sie als Wanderausstellung z.B. vom 9. bis 11. Juli 2020 in die Kirche Unser Liebe Frauen.

Fotos und Zeichnungen sind sehr eindrucksvoll. Die Fotografien von Fritz Haase zeigen Gesichter, in die das Erlebte der vielen Jahre eingraviert scheint, einmal fröhlich, einmal nachdenklich, einmal etwas wehmütig, einmal der Welt trotzend. Die Bandbreite der Fotografien liegt zwischen der situativ bedingten Momentaufnahmen eines lauthals vor Freude lachenden 99jährigen (auch auf dem Umschlag des Katalogs) und dem wehmütig-traurigen Angesicht der fast erblindeten Karla Mutschke (103 Jahre).

Man möchte als Beschauer das Gespräch suchen und mehr erfahren über die individuellen Leben. Die Zeichnungen, von Sibylle Haase-Knels sind an einigen Stellen skizzenhaft, wiederholen und ergänzen das Wesentliche der Gesamterscheinung der Portraitierten. Beides nebeneinander ergibt ein symbiotisches Gesamtbild dieser elf Menschen, die viel erlebt und durchgemacht haben und sich dabei oder dem zum Trotz ihre würdige Erscheinung und auch die Lebensfreude erhalten haben. In einem liebevoll erstellten Ausstellungskatalog ist das Projekt dokumentiert. Eine sehenswerte Ausstellung, mehr als ein Kunstprojekt.

Quelle: Durchblick, Bremen, März 2020

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