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Der Irrsin bei der DB

Foto: H.S. Funktioniert aber nur, wenn der Speisewagen geöffnet ist

31.01.2020 - von Gerd Feller, Bremen + H.S.

Wir sollen doch alle vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Bei Fernreisen mit der Deutschen Bahn habe ich allerdings erhebliche Bedenken. Zu oft wird über sie geklagt, meistens wegen der Verspätungen, aber leider auch wegen personeller oder technischer Unzulänglichkeiten. Letztere musste ich mal wieder am 30.12.20 19 erleben, als ich meine Enkelin in Bremen zum IC 2215 „Deichgraf“ nach Frankfurt gebracht habe. Der sehr gut besetzte Zug lief, aus Hamburg kommend, pünktlich im Bremer Hauptbahnhof ein. Das hat schon Seltenheitswert.

Um 17.44 Uhr sollte er weiterfahren. Alle Reisenden waren eingestiegen, es konnte losgehen. Plötzlich tönte es aus der Lautsprecher am Bahnsteig 8: „Der IC 2215 nach Frankfurt fällt heute aus!“ Was denn, wie denn? Der Zug stand doch abfahrbereit am Bahnsteig? Dann sah ich, wie meine Enkelin und die anderen Reisenden im Zug aufsprangen, sich ihre Mäntel und Koffer schnappten und den Zug fluchtartig verließen. Sie waren dazu per Durchsage aufgefordert worden. Die Mehrheit der Reisenden eilte die Bahnsteigtreppen hinunter, um sich am Informationsstand oder im Reisezentrum Rat zu holen. Viele ältere Menschen blieben erst einmal hilflos auf dem Bahnsteig stehen. Das Chaos wuchs. Ich befragte den Mann mit der roten Mütze. Er wusste nur, dass ein Zug zwischen Bremen und Osnabrück liegengeblieben sei und man nun einen Ersatzzug für diesen Pechvogel brauche, nämlich den IC 2215. Auf diesen „Deichgraf“ war also kein Verlass mehr.

Meine Enkelin und ich begaben uns ebenfalls schleunigst ins dicht bevölkerte Reisezentrum. Dort teilte uns plötzlich eine elektronische Tafel mit, der IC 2215 nach Frankfurt fahre in Kürze ab. Da ging es wieder für alle ganz schnell in Richtung Bahnsteig 8. Die Älteren waren im Gedränge im Nachteil. Alles nicht zu fassen! Aber der Zug wurde von den Bahnflüchtlingen wieder zurückerobert. Ich steuerte meine Enkelin mit ihrem schweren Koffer in einen der Wagen. Dann stand ich draußen, wieder neben dem Mann mit der roten Mütze. Auf meine Frage, ob das eine „Bahnnotrettungsübung“ gewesen sei, stöhnte er gequält auf. Nein, der angeblich gestörte Zug zwischen Bremen und Osnabrück sei überraschend inzwischen weitergefahren und gleich setze sich auch der IC in Bewegung. Einer der Schaffner kam hinzu und erklärte, die Zugmannschaft und die Bremer Kollegen hätten nur auf Anordnung gehandelt. Sie seien ziemlich genervt.

Wer kommt auch auf die Idee, wegen eines defekten Zugs einen voll besetzten Fernzug mit vielen weiterführenden Anschlüssen zu evakuieren und als Hilfszug einzusetzen?
Reicht es nicht, wenn eine Reisegruppe Schwierigkeiten hat, muss dann unbedingt noch eine zweite aus einem anderen Zug belästigt werden?

Für mich wurde das Dilemma dadurch verursacht, dass nicht nur die zuständige Leitzentrale völlig unüberlegt und unsensibel gehandelt hat, sondern auch der Lokführer des angeblich defekten Zugs entweder mangelhaft ausgebildet oder der maroden Technik seiner Maschine ausgeliefert war. Geht ́s noch? Die anscheinend schlecht ausgerüstete Deutsche Bahn sollte an zentralen Orten grundsätzlich Hilfszüge bereithalten, die in solchen Notfällen eingreifen können.

Solche Bahnerlebnisse sind für ältere und erst recht für behinderte Menschen unerträglich und gefährlich. Sie laufen auf subtile, wenn auch unbewusste Altersdiskriminierung hinaus. Die Seniorenvertretungen sollten über ihre Dachverbände von der Deutschen Bahn und dem Bundesverkehrsminister nachdrücklich einen barrierefreien Reiseverkehr fordern. Barrierefrei bedeutet auch, dass souveränes Handeln im Geschäft, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit garantiert sind. Ansonsten wechseln auf Dauer nicht mehr viele Menschen vom Auto auf die Bahn. Ich habe mich entschlossen, weiterhin Reisen zur Verwandtschaft mit dem Auto zu bewältigen.

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Andere Geschichte
Gebucht waren zwei Fahrten von Köln nach Rostock mit Umsteigen in Hamburg. Im gebuchten Abteil seit geraumer Zeit auf die Abfahrt wartend, kam die Durchsage über einen ärtzlichen Notfalleinsatz auf der Strecke. Es wäre besser, den Zug zu nehmen, der auf dem Gleis gegenüber stehen würde, der würde auch nach Hamburg fahren. Also stiegen alle Leute aus und in den Zug gegenüber ein. Der fuhr pünktlich ab, auf einer Strecke ohne äztlichen Notfalleinsatz,und erreichte Hamburg mit einer Verspätung von 124 Minuten! Der Anschlußzug nach Rostock war natürlich weg. Iim Reisezentrum (treppauf, treppab!) , erfuhren wird, dass der Zug, in dem wir zuerst gesessen hatten, fast eine Stunde vor uns in Hamburg eingetroffen war! Der Gipfel der Frechheit: Die Bahn erstattete uns keinen Penny vom Fahrkartenpreises, weil wir ja mit einem anderem als dem gebuchten Zug gefahren waren!
Über die Rückfahrt schreibe ich jetzt nichts, sonst geht mein Blutdruck in die Höhe! H.S.

DB Servicecenter im Kölner Hauptbahnhof
Eine ältere Frau steht vor einem Fahrkastenautomat und kommt damit nicht klar. Sie wendet sich an die beiden ! Servicemitarbeiter, die plaudernd hinter einem Pult stehen und nichts zu tun haben. Ob ihr nicht einer beim Fahrkartenkauf behilflich sein könne? Nein, das wären Selbstbedienungsautomaten. Wenn sie Probleme hätte, könne sie den Fahrkastenschalter nutzen. Deutet auf die lange Schlange, geht hinter dem Pult in die Hocke, trinkt aus einer Büchse.

Quelle: Mail an die Redaktion