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Bahnfahren - oh je

Köln, 2010 Foto :H.S.

17.12.2012 - von Hanne Schweitzer

Besonderheiten des Bahnfahrens I
Am Sonntag, den 9.9.2012, fuhr ich mit dem ICE 1554 von Dresden-Neustadt nach "F-Flughafen Fernbf." , was so viel bedeutet wie: Frankfurt/Main, Flughafenbahnhof. Ankunftszeit: 20.55.
Von wegen.
Dazu muss man wissen: Der ICE 1554 besteht, wie etliche andere ICE-Zäpfchen auch, aus zwei Zügen. Diese werden in Frankfurt/Main am Hauptbahnhof getrennt, damit jeder anschließend woanders hinfahren kann. Kein Problem, sollte man meinen.

Wenn nun aber, wie leider nicht nur am 9.9., die beiden Züge in der falschen Reihenfolge aneinandergekoppelt sind, und der erste Zug, der nach wenigen Minuten Aufenthalt über die Haltestelle Frankfurt-Flughafen nach Wiesbaden weiterfahren soll, hinter dem zweiten Zug steht, der aber laut Fahrplan erst etliche Minuten später weiter gen Saarbrücken rollen soll, dann wird nichts aus dem schönen Plan.

Statt Weiterfahren sind Stillstand und Warten angesagt.
Folge: Der Anschlusszug namens ICE 512, der den Frankfurter Flughafenbahnhof laut Plan um 21.09 verlassen soll, um zum Kölner Hauptbahnhof zu fahren, er ist weg.

Kein Problem, meint der Zugbegleiter, als er das über den Lautsprecher bekannt gibt. Kein Problem, weil der ICE 528 nach Münster, der Frankfurt-Flughafen schon um 21.01 hätte verlassen sollen, so viel Verspätung hat, dass wir den nehmen könnten.

Zwar fährt der 528 nicht zum gebuchten und bezahlten Ziel, dem Kölner Hauptbahnhof sondern nach Köln-Deutz, und auf welchem Gleis er abfährt, sagt der Schaffner auch nicht, aber immerhin, er hat sich, wie es wohl zu seinen Aufgaben gehört, darum bemüht, die zahlenden Gäste zu beruhigen.

Tatsächlich ist der ICE 528 aber weg, als wir am Flughafen ankommen. Vor zwei Minuten abgefahren, berichten zwei Bahnmitarbeiter, deren Dienstkleidung sie als Mitarbeiter ausweist, zu deren Aufgaben es nicht gehört, aufgebrachten Reisenden Auskunft zu geben. Von denen, wenn es sie denn überhaupt noch geben sollte, ist weit und breit nichts zu sehen.

Also begebe ich mich auf dem endlosen, trostlosen Bahnsteig auf die Suche nach dem Aushang eines gedruckten Fahrplans. Finde einen und lese, fast schon beglückt, dass um 21.25 der ICE 526 einfahren soll. Auch der hält nicht am gebuchten und bezahlten Ziel, Köln-Hauptbahnhof sondern auf der anderen Rheinseite in Deutz, doch die Frustration darüber, den Zug und nicht das Flugzeug oder das Auto genommen zu haben, ist inzwischen so groß, dass das falsche Reiseziel den Blutdruck nur noch unwesentlich pusht. Hauptsache es kommt überhaupt noch ein Zug.

Denkste.

Obwohl auf dem Fahrplan in schwarzer Schrift auf orangefarbenen Untergrund deutlich zu lesen ist, dass der der ICE 526 "Mo-Fr und So" um 21.25 abfährt: Er kommt nicht. Die Anzeigetafel bleibt schwarz. Weder wird eine Verspätung annonciert, noch leuchtet „Zug fällt aus“.

Zeit vergeht.
Den zunehmend erbosten Reisenden auf Bahnsteig 7 wird stattdessen via Anzeigetafel ein ICE 526 Richtung Köln-Deutz mit der Abfahrtzeit 21.57 angekündigt. Einen Zug mit einer solchen Abfahrtzeit gibt es laut Fahrplan-Aushang überhaupt nicht. Aber er fährt ein.

Und erreicht den Bahnhof Köln-Deutz so pünktlich, dass die 61 Minuten Verspätung, die Voraussetzung dafür sind, einen Antrag auf Teilerstattung des Fahrpreises durch die Deutsche Bahn AG einreichen zu können, nicht erreicht werden. So etwas nennt man wohl exzellentes Management.
Die Bahnfahrt gewährte ausserdem einen Einblick in die künftigen Planungen des Unternehmens Zukunft. Der ICE 526, der bekanntlich nicht im Plan ausgedruckt war, stand nämlich im Netzfahrplan. Mit anderen Worten: Die Bahn erwartet, dass ihre KundInnen stets ein I-Pad oder Smart-Phone dabei haben.


Besonderheiten des Bahnfahrens II
Es schneit wie jeck am 6.12.2012 und mindestens 5 cm Schnee liegen schon Morgens auf den Straßen und Trottoirs in Kreuzberg, als ich meinen Koffer zum Ostbahnhof rolle. Oh weh, das wird ja wieder was werden, denke ich, denn in der Rewgel reicht ja schon eine Schneeflocke, um das Unternehmen Zukunft lahm zu legen. Aber siehe da, der Zug Richtung Köln kommt und fährt pünktlich wie zu der Bundesbahn ab. Zur Verblüffung aller Reisenden! Ab Hannover kein Schnee mehr und der Zug ist immer noch pünktlich. Bis Köln hat der ICE 25 Minuten Verspätung.

Besonderheiten des Bahnfahrens III
Montag 10. Dezember, von Köln nach Oberursel. Geplant ist: Abfahrtzeit 8.55, mit ICE 103 bis Frankfurt Fernbahnhof, von dort nach Frankfurt HBF ab 10.02, von dort nach Oberurssel mit der S-Bahn, Ankunft 11.00.
Aus dem Plan wird nichts. Der ICE kommt in Köln 30 Minuten später an (keine einzige Schneeflocke weit und breit) und statt 11.00 bin ich um 12.30 in Oberursel.

Besonderheiten des Bahnfahrens IV
Von Frankfurt HBF nach Köln mit dem ICE 516 um 16.42. Auf der großen Anschlagtafel in der zugigen Bahnhofshalle ist kein einziger Zug aufgeführt, der NICHT ein Laufband hinter seiner Kennung laufen hätte. "Zug fällt aus", "Zug voraussichtlich xx Minuten später", "Zug heute in umgekehrter Wagenreihung". Ab Frankfurt Fernbahnhof: Der ICE 516 hat 13 Minuten Verspätung. Als er endlich abfährt, ist er so voll, dass stehen muss, wer keine Platzreservierung für 4 Euro gemacht hat. (Aber was ist das schon im Vergleich zu einer Fahrt am 18.09.2012, als wir von Erfurt bis Frankfurt stehen musst. Und wir waren beileibe nicht die Einzigen!) Der ICE 516 hatte übrigens in Köln dann rund 25 Minuten Verspätung. (Kein Schnee!)

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Ein Betriebsrat der Bahn hat ein lesenswertes Buch über die Arbeitsbedingungen im Unternehmen Zukunft geschrieben.
[b]Jürgen Bauer: Die Fahrkarten bitte. Betriebsrat bei der Bahn - das letzte große Abenteuer. Keller Verlag, Bremen/Boston, 2012, 208 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3-939928-67-6[/b]

Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung