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da Gama - Entdeckung d. Seewegs nach Indien: Buchtipp

Yinka Shonibare MBE Foto: Hanne Schweitzer

30.11.2011 - von Hanne Schweitzer

Er soll ein begnadeter Navigator gewesen sein, Vasco da Gama. Geboren in einem Ort an der Küste Portugals, gut 100 km von Lissabon entfernt, stieg der jüngste Sohn eines königlichen Beamten erst zum Kommandanten der Indienflotte, danach zum Admiral der Indischen Meere und dann zum Vizekönig von Indien auf.

Ein Rassist und Menschverächter war Vaso da Gama schon bei seiner ersten Fahrt, 1497, als das Geschwader des portugiesischen Königs Manuel (der erste dieses Namens in Portugal) am Nachmittag des 8. Juli die Anker im Seehafen von Lissabon lichtete, um sich unter dem Kommando da Gamas auf die Suche nach dem Seeweg nach Indien machte.

Schon das kenntnisreiche Vorwort von Gernot Giertz und die wunderbaren Illustrationen des Werks sind lohnend. Giertz ordnet die sensationell erfolgreichen Raubzüge der Portugiesen politisch ein und verdeutlicht, welches Ziel hinter dem Ehrgeiz der Entdeckung des Seewegs nach Indien stand: Die Schaffung eines neuen Handelsmonopols.

Das Königshaus hatte dem lukrativen Treiben der arabischen, venzianischen und genuesischen Handelsflotte lange genug zugeschaut. Portugal wollte auch an die Pfründe des Gewürzhandels in Indien. Ausserdem ließen sich, auf dem Seeweg nach Indien, längs der afrikanischen Küste auch neue Kolonien zum Ausbeuten erobern. Deshalb investierte der König in Ausbildung, Forschung und Schiffsbau.

Schon 1415 gründete Heinrich der Seefahrer, ein portugiesischer Prinz, der nie zur See gefahren ist, eine eigene Akademie für die Seefahrt. Unterrichtet wurden Geografie, Astronomie und der Umgang mit nautischen Instrumenten. Vermittelt wurden jüdische und arabische Erkenntnisse, andere gab es nicht. Erst später kamen die detaillierten nautischen und geografischen Beobachtungen der portugiesischen Seefahrer als Studienmaterial dazu, das präzise ausgewertet wurde. 1415 wurden von Heinrich dem Seefahrer auch die ersten Caravellen losgeschickt, um längs der afrikanischen Westküste möglichst weit gen Süden zu kommen. Am Kap Bojador war aber Schluss mit der Expedition. Dieses vertrackte Hindernis konnte 20 Jahre lang nicht überwunden werden.

1434 gelang es. Die portugiesische Expeditions-Flotte segelte bis zur Sahara, die heute von Marokko beansprucht wird. 1435 kam ein anderes portugiesisches Geschwader bis zur Mündung des Rio do Ouro, im heutigen Mauretanien gelegen. Neun Jahre später schafften es andere Schiffe bis zum Senegal. 1454 überwand Diaz das bis dahin für unüberwindlich gehaltene Kap Verde. Teile des heutigen Sierra Leone wurden unterworfen, ebenso Teile des weit entfernten Kamerun. 1488 bezwang Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung, er umrundete die Spitze des heutigen Südafrika und ging in der heutigen Mosselbucht vor Anker. 1490 schaffte es Bartolomeu Diaz bis in den Kongo. Nur in Indien, da war noch niemand gewesen. Das sollte da Gama ändern.

Zwei Dreimastern, deren Hauptmast und Bugspriet mit Rahen getakelt war, legten 1497 in Lissabon mit 160 Mann Besatzung ab. An Bord waren ein Dolmetscher für Arabisch und einer für "Negersprachen". Der Proviant war für die erste Reise nach Indien auf drei Jahre berechnet.

Das Werk enthält einen detaillierten Bericht über die Ereignisse der ersten Fahrt nach Indien, einen Bericht über da Gamas zweite Fahrt nach Indien, bei der die "Eingeborenen" nicht weniger brutal gemetzelt, beraubt oder betrogen wurden. Diese Aufzeichnungen fand eine Forscherin in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Nationalbibliothek in Wien. Die Aufzeichnungen des dritten Teils bestehen aus den Tagebuchaufzeichnungen eines flämischen Seemanns, der auf einem der 70 Schiffe angeheuert hatte, die 1501 von Lissabon Richtung Indien aufbrachen. Zum ersten mal in deutscher Sprache enthält das Werk den Brief des venezianischen Großkaufmanns Mateo di Beginino, der 1503 aus Mocambique über die portugiesischen Erfolge berichtete.

Das Buch ist ein hervorragendes Geschenk für Seebären, oder an Politik, Afrika oder Menschenrechten interessierte LeserInnen. Denn das, was heute "Gier" genannt wird, ist schon etwas älter als der sogenannte Neoliberalismus. Erschienen in der Edition Erdmann als Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag und Bändchen (!), die ISBN-Nummer ist 978-3-86539-822-2 Der Preis: 24 Euro.

http://www.marixverlag.de/Edition_Erdmann/Vasco_da_Gama-Die_Entdeckung_des_Seewegs_nach_Indien-EAN:9783865398222.html

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Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung