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Europa-Atlas NRW

Köln, 2015 Foto: H.S.

08.04.2016 - von Akademie und Institut für Sozialforschung, Verona

Zu den besonders beliebten und dafür besonders blöden Vorurteilen und Alltagsdummheiten der letzten Jahre zählt die Meinung vom „faulen Süden“ Europas. Die gleichen Leute, die ihr Spießerleben in Deutschland überhaupt nur ertragen, weil sie ein paar Wochen als „Urlaubsflüchtlinge“ am Garda oder auf Malle Hofgang haben, fühlen sich auch nur gut, weil sie die fleißigen Kellner dort, wenn sie selbst wieder hinter ihrem einheimischen Vorgartenzaun verschwunden sind, als „faule Säcke“ beschimpfen dürfen. In der „Euro-Krise“ wollen „die“ natürlich nur „unser“ Geld.

Darum lieben bestimmte Leute ja auch den Dr. Seltsam seit seinem Terror gegen „die Griechen“ ganz besonders.

Leider ist aber alles ganz anders: Wenn man sich die Europa-Landkarten zu den „Leistungsbilanzen“ der EU-Länder ansieht, springt es ins Auge: Da gibt es den Kern der Gewinnerländer: Deutschland, Österreich, Benelux und Skandinavien. Und dann gibt es Fruchtring der Verliererländer: Den Süden, den Südosten und den Osten. Die EU und der Euro als Wirtschafts- und Währungsunion sind genau so konstruiert und schubweise erweitert worden, dass die Randländer als Lieferanten billiger Arbeit und als Kaufkunden teurerer Waren nicht nur die Profite in den Kernländern gesteigert haben, sondern auch gleich noch die Löhne dort herunter gedrückt haben.

Kein Wunder, dass die Laune der Arbeitsleute vor allem in Deutschland nicht besonders gut ist. Selbst wenn sie ihre Miesigkeit in die Urlaubsländer „exportiert“ haben, sind sie hinterher schon wieder auf die sauer. Da nutzen auch noch so gut gemachte Kartographien nix, die zeigen, dass die Männer in den „Opfer“-Ländern länger arbeiten als die in den „Täter“-Ländern und dass die Kinder dort ärmer sind als hier. Trotzdem: Sollte man wenigstens wissen

Die ausbeuterische Raumstruktur „Peripherie und Zentrum“, typisch für den wundervollen Kapitalismus, gibt es natürlich auch vor der Haustüre. In Bayern ist das der profitboomende Raum Oberbayern-München einerseits und die abgehängte bayerische Nordostzone andererseits. In Nordrhein-Westfalen sind das der profitarrogant-großagrarische rheinisch-westfälische Norden und Osten einerseits und der kommunalverschuldet-industrielle Südwesten des Landes.

Merke: Im Konkurrenzkapitalismus sind die Schulden der einen Region die Gewinne der anderen Region - und umgekehrt.

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Fries, Goeschel, Steinmetz, Zander
Europa-Atlas NRW
Hrsg. Sozialverband VdK NRW
Düsseldorf 2012

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