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New York: Streik gegen Sozialabbau bisher erfolgreich

USA - 02.01.2006 - von Hanne Schweitzer

Der letzte Streik der MitarbeiterInnen im Nahverkehr der Stadt New York City ist 25 her. Die Folge war damals das sogenannte Taylor Law von 1967, ein Gesetz, auf das sich die New Yorker Autoritäten nun wieder berufen, um einen Abbruch des im Dezember begonnenen Streiks zu erreichen.

Seit dem 20. Dezember 2005 um drei Uhr in der Nacht haben die Angestellten der U-Bahn-Linien und Busse ihre Arbeit niedergelegt. Alle Räder stehen still, weil die Transport Workers Union und ihre Mitglieder es so wollen. New Yorker BürgerInnen sind aufgerufen, trotz der Kälte ihre Solidarität mit den Streikenden zu zeigen, die in diversen Vororten durch ticketing präsent sind.

Anlass für dieses außerordentlich seltene Streikereignis waren Pläne zum Sozialabbau, die man zweimal lesen muss, um sie zu glauben und zu verdauen.

Bislang galt:
1.
Die MitbeiterInnen des New Yorker ÖPNVs haben nach 25 Arbeitsjahren oder im Alter von 55 Jahren den ANspruch auf die gesetzliche Rente erworben - wohlgemerkt, nicht die Frührente, sondern die RENTE. (Da das Zwangspensionsalter in den USA bereits seit den 0iger Jahren abgeschafft ist, können sie, wenn sie wollen, natürlich länger arbeiten.)

2.
Sie zahlen zwei Prozent ihres Lohnes in die betriebliche Rentenkasse ein.

3.
Der ArbeitGEBER, das ist das städtische Unternehmen Metropolitan Transit Authority, kommt KOMPLETT für die Kosten der Krankenversicherung ihrer Beschäftigten auf.

Nach dem Willen des Arbeitgebers sollen diese Privilegien nun für alle MitarbeiterInnen geändert werden, die neu eingestellt werden.

Vorgesehen sind:
1.
Verlängerung der Arbeitsdauer um sieben Jahre auf 32 Arbeitsjahre, bzw. Erhöhung des Rentenbezugsalters von 55 auf 62 Jahre. (!!!)
2.
Erhöhung der monatlichen Abgaben zur Betriebsrente von zwei auf sechs Prozent.
3.
Neueingestellte MitarbeiterInnen sollen sich künftig mit einem (!!!) Prozent des Lohns an der Krankenversicherung beteiligen.
(Dazu muss man wissen: Traditionell sind es die amerikanischen Unternehmen, die den größten Batzen der Kosten für die Gesundheitsversorgung ihrer Mitarbeiter zahlen!)

Das Ergebnis der Verhandlungen, die in einer Urabstimmung bestätigt werden müssen:
Nach dreitägigem Streik, der den Angestellten des Öffentlichen Dienstes in New York durch das Taylor-Gesetz ja eigentlich verboten ist, was keine bundesdeutsche Zeitung vergaß zu erwähnen, während man nach den Forderungen der Streikenden vergeblich suchte, wurde der Tarifkonflikt mit folgenden Regelungen beigelegt:

1.
In den nächsten drei Jahren erhalten die Mitarbeiter Lohnerhöhungen von 10,9 Prozent.


2.
Die Mitarbeiter müssen künftig auf 1,5 Prozent des Lohnes verzichten, weil der als Beitrag zur Krankenversicherung einbehalten wird.

3.
Das Renteneintrittsalter für neue Beschäftigte wird NICHT angehoben.

4.
Neue MitarbeiterInnen brauchen KEINE höheren Zuzahlungen für die Rentenversicherung zu leisten!

Der Vertrag zwischen der New Yorker Transportbehörde MTA und der Gewerkschaft TWU (Local 100) muss aber noch von den über 33.000 Mitgliedern in einer Urabstimmung genehmigt werden. Die gewerkschaftliche Opposition ruft zur Ablehnung des Vertrages auf.
Hauptsächliche Gründe dafür: die Ablehnung des "Einstiegs" zu Beiträgen zur Krankenversicherung, inklusive des Arguments, dass die vorgesehene Lohnerhöhung von über 10 Prozent in 3 Jahren dadurch wieder reduziert werde. Dazu die Befürchtung der Existenz geheimer Zusatzvereinbarungen über die umstrittene Rentenfrage (Beiträge und Eintrittsalter).

Ebenfalls gegen den Vertrag sprach sich der New Yorker Gouverneur Pataki aus, der aus der Landeskasse mutmaßlich einen Beitrag zur Rentenfinanzierung leisten soll. Mehr siehe Quelle.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=2056
Quelle: http://ideasforaction.blogspot.com/2005/12/transit-strike-in-nyc-i-remember.html