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EDEKA und das Geschäftsmodell Deutschland

Leutesdorf, Foto: H.S.

10.06.2017 - von Albrecht Goeschel

EDEKA: Hier kauft die vermeintliche „Mitte“ und die wählt (mehr) Merkel und (immer weniger) Schulz. Das Zeder und Mordio im linksintellektuellen, olivgrünen und sozialdemokratischen Sektor über den Ausgang der zurückliegenden Landtagswahlen hält an: Erschrocken wird in den einschlägigen Newsletters und Periodika selbst angeklagt: „Wir und vor allem die „Sozialdemokratie“ haben glatt die „Arbeiterklasse“ vergessen – und jetzt haben wir die schwarz-gelb-blaue Quittung bekommen“.

So ein Quatsch: Als ob die „Sozialdemokratie“ (über hundert Jahre zu lange) nicht seit 1914 keine Gelegenheit ausgelassen hätte, das kapitalistische Wirtschaften und das imperialistische Staatmachen gegen die Unternommenen zu befördern. Wem Hartz IV zu verdanken ist, hat sich mittlerweile ja auch herum gesprochen. Und vor allem: Von wegen Arbeiterklasse „vergessen“. Sozialdemokratie und ihre Hilfstruppe
IG-Metall denken jeden Tag darüber nach, wie sie ihre eigenen „Arbeiterprinzen“ adeln können: Am liebsten die hoch bezahlten Stammbelegschaften der Exportkonzerne und dann natürlich noch die steuerfinanzierte „Sozialstaatsbedienungsmannschaft“. Der Rest, das sind die Leute in Leiharbeit, im Hartz IV-Ghetto etc.

Was stimmt: Das Linksmilieu, häufig in Gestalt von „Soziolog(inn)en“, hatte seit seiner wundervollen Verstaatlichung durch die „Reformpolitik“ des Willy Brandt immer weniger Lust, die Lebensbedingungen und die Lebensverhältnisse der Mehrheit von Volk und Klassen in Deutschland aufmerksam zu betrachten. Das hat man lieber den Markt- und Meinungsforschungsinstituten überlassen und statt dessen Minderheiten idealisiert.

Nehmen wir den Einzelhandelskonzern EDEKA, Deutschlands mit 328 000 Beschäftigten größter privater Arbeitgeber. Sein Geschäftsmodell besteht darin, trotz zunehmender Einkommensspaltung in Deutschland die verbleibende Inlandskaufkraft durch eine Konzernkombination von Supermärkten und Discounterhallen sowie von Premiumsortiment und Billigprodukten maximal abzuschöpfen. Der typische „Regionalbezug“ besorgt den Rest.

Man könnte die EDEKA-Märkte, bevorzugt angesiedelt in einkommensstarken Großstadt-Speckgürteln und in Wachstums-Regionen, als „Moscheen des Geschäftsmodell Deutschland“ betrachten. Sowohl die Zahnarztgattin wie die Hartz IV-Alleinerzieherin können sie ohne Preisbarrieren betreten – deswegen heißt die Botschaft dort: Alles O.K. Das ist die Alltagsreligion, aus der heraus immer noch Merkel gewählt wird.

Eine nicht nur pseudolinke „Soziologie“, wenn sie sich jemals mit solchen Banalitäten wie dem Einzelhandel, dem Transport- und Logistiksektor etc. an Stelle von gleich geschlechtlicher Trauerarbeit befassen würde, hätte sehr rasch heraus bekommen, welche zentrale Funktion der EDEKA Konzern für das von Merkel-Schäuble forcierte „Geschäftsmodell Deutschland“, insbesondere die Lohnspreizung zwischen Verarbeitendem Gewerbe und Gewerblichen Dienstleistungen spielt. Das Erstaunen über die Wahlergebnisse als Symptom einer gespaltenen Abhängigenklasse, die das nicht so recht schnallt, wäre dann wohl geringer gewesen.

Mehr über EDEKA und das Geschäftsmodell Deutschland in der PDF:
Albrecht Goeschel
„Geschäftsmodell Deutschland“ und EDEKA
Hrsg. Akademie und Institut für Sozialforschung Verona
Verona 2015

Albrecht Goeschel „Geschäftsmodell Deutschland“ und EDEKA (PDF)
Quelle: Akademie und Institut für Sozialforschung Verona