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Rafael Chirbes: Am Ufer - Buchtipp

Cascais, 2013 Foto: H.S.

18.10.2014

Der Traum vom leichten schnellen Geld, vom Reichtum durch Immobilien - in Spanien ist er geplatzt. Dort, wo an der Mittelmeerküste vor wenigen Jahren noch die Bagger rollten, "hat die Landschaft etwas von einem verlassenen Schlachtfeld oder einem Waffenstillstandsgebiet", schreibt Rafael Chribes. Wenn auf einen Schriftsteller die Bezeichnung »Gegenwartsautor« passt, dann auf Rafael Chirbes, dessen Roman »Am Ufer« (Kunstmann) von »El País« als »der weitaus beste spanische Roman über die Krise« gelobt wurde.

Chirbes Roman ist den kleinen Leuten, den Verlierern gewidmet. Die Profiteure haben ihr Geld rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Esteban, hatte sich als junger Mann ein anderes Leben erträumt, ist dann aber doch in der Familienschreinerei hängengeblieben. Aber anders als sein sozialistisch strenger Vater, der nach der Maxime lebt: Wir beuten niemanden aus, wir leben von dem, was wir erarbeiten, wollte Esteban wie alle anderen auch sein Stückchen vom großen Immobilienkuchen. Und als sein Vater alt und nicht mehr handlungsfähig ist, investiert er das im Familienbetrieb erarbeitete Geld in eine Baufirma. Zu spät. Die Firma geht pleite und mit ihr die Schreinerei. Insolvenz, Beschlagnahmung der Maschinen, die Mitarbeiter stehen auf der Straße, auch die kolumbianische Pflegerin des alten Vaters kann nicht mehr bezahlt werden. »Vor fünf oder sechs Jahren hatte jedermann Arbeit. Der ganze Bezirk eine einzige Baustelle, es sah so aus, als werde kein Zentimeter Grund unbetoniert bleiben." Das ist vorbei. »Jemand, der Arbeit sucht, ist zum lästigen Insekt geworden.« Doch Esteban ist auch mit siebzig noch ein vitaler Mann. Und er ist Realist. Eine Perspektive für die Zukunft sieht er nicht und zieht die Konsequenzen.

Dagmar Ploetz hat den Wirtschaftskrimi, der zugleich Familiengeschichte ist, brillant übersetzt.

Rafael Chirbes
Am Ufer
432 Seiten
Doris Kunstmann-Verlag
24.95 € (D)

ISBN 978-3-88897-867-8

Link: Ruffato: Mama, es geht mir gut

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