Diskriminierung melden
Suchen:

Altersdiskriminierung im Kölner Karneval

03.02.2010 - von Hanne Schweitzer

Dä Blötschkopp, alias Marc Metzger, wird zur Zeit als Kölns bester Büttenredner, als Top-Mann des Karnevals bejubelt. Seinen Erfolg erklärt er in einem Interview im Express so: "Das bin einfach ich, der da auf der Bühne steht."

Zu seinen im Plauderton pointiert vorgetragenen Bemerkungen auf den Karnevalssitzungen gehört leider auch diese: "Ich komme gerade von einer Sitzung, da war Ü90-Party. Ich nenne das auch betreutes Schunkeln ... Die Leute hatten nur zwei Gesichtsausdrücke: Ein und Aus."
Tätä Tätä Täta!

Kölns bester Büttenredner hat die Lacher auf seiner Seite. Er macht den Witz aber auf Kosten der Menschen, die über 90 sind und die von ihm ausgegrenzt werden. Was haben die noch im Karneval zu tun? Betreutes Schunkeln, wo kommen wir denn da hin!
Tätä Tätä Täta!

Helmut Schmidt zum Beispiel, ist kein Jeck aber auch über 90. Er gehört zu den 38 Prozent der über 90Jährigen, die NICHT pflegebedürftig sind, NICHT in einem Pflegeheim leben und mehr als zwei Gesichtsausdrücke haben.

30- oder 50Jährigen SitzungsbesucherInnen fällt die Altersdiskriminierung meist nicht auf. 90 Jahre alt zu sein, ist für sie so weit weg, wie der Mann auf dem Mond. Die "witzige" Bemerkung stört aber Jecke, die entweder selbst über 90 sind, oder die, welche 90jährige Eltern oder Großeltern haben. Mit denen sie vielleicht gerade eine Karnevalssitzung im Kölner Pullmann-Hotel besucht haben, und zwar eine, die NICHT speziell für ältere Menschen ausgerichtet wurde.

Ganz anders haben sich die Bläck Föss in ihrem neuen Lied des Themas "Alters" in dieser Session angenommen: "He deit et wih und do deit et wih, alles wat schön es, dat darf mer nit mih. He deit et wih, un do deit et wih, alles wat joot deit, dat kammer nit mih."* http://www.youtube.com/watch?v=7sxCL8LK3Tg
Alaaf!!!

Nun wurde das Selbstverständnis des Kölner Karnevals bekanntlich vom Festkomittee eben dieses Karnevals in 11 Leitsätzen zu Papier und auf die Webseite gebracht:
Leitsatz 2. lautet:
Der Kölner Karneval soll ein Fest für alle sein: volksnah, verbindend, integrativ. Das trifft auf die Blötschkopp-Bemerkung nicht zu. Über 90Jährige werden ausgegrenzt.
Leitsatz 7 heißt:
Der Kölner Karneval übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Will sagen: Berufskarnevalisten sollten wissen, dass die Bevölkerung und damit auch die Jecken älter werden.
Leitsatz 11 behauptet:
Der Kölner Karneval hat Humor und Leichtigkeit. Die Blötschkopp-Bemerkung wird mit Leichtigkeit vorgetragen, aber humorvoll und leicht wird sie deshalb nicht.

Der Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht. Auch im Karneval. Das bedeutet nicht Witzkontrolle. US-amerikanische Witze, in denen Hochaltrige, auch senile Leute vorkommen, belegen, dass Diskriminierung nicht sein muss. (Leider nur auf englisch)unter: Link
* Text Bläck Föss/Hans Knipp: http://www.blaeckfoeoess.de/hedeitetwih.html

Für heute ein dreifaches
Kölle Alaaf! Kunst und Kultur Alaaf! Altes Schauspielhaus Alaaf!

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=2258
Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung