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Theaterstück zum Nachspielen: FRAU GLÜCK UND HERR GELD

Neuruppin, 2016 Foto: H.S.

26.12.2012 - von cc. Hartmut Jeromin

Frau Glück und Herr Geld
von Hartmut Jeromin, (nach einem spanischen Märchen)

Personen:
Frau Glück: großes Schwatzmaul, ohne „Treu und Glauben“, launenhaft, unbeständig, „blind wie ein Maulwurf“.
Herr Geld: dicker Mann mit „Uhrkette“ u.a. Symbolen des Reichtums.

Armer Mann: zerlumpt, immer unglücklich gewesen, hatte Glück und Geld noch nie getroffen.
Ein Bäcker
Ein Kaufmann
Zwei Räuber
Richter und Häscher
Ausstattung: Sollte die Charaktere hinreichend kennzeichnen…
Zum Spiel:Es darf den Personen an Eindeutigkeit nicht fehlen…

1. Bild
Frau Glück und Herr Geld treffen sich irgendwo.
Herr Geld: zögerlich „Soll ich, soll ich nicht? Will ich, will ich nicht…?“
Frau Glück: „Grüß Gott, Herr Geld! Wohin des Weges? Was wollen sie, was sollen sie nicht?“
Herr Geld: „Nach dem Glück sehen, nach dem Glück…! Eigentlich…will ich heiraten, aber damit ist’s wie mit einem Lotterielos. Es kann mir Glück bringen, aber auch das Gegenteil. Letzteres ist weit eher der Fall, weil… das Glück etwas Seltenes ist. Wenn’s Heiraten aber anders ausgeht, bleibt nur, sich mit Geduld in‘s Grab zu ärgern!- Aber was finde ich nun? Sie, Frau Glück. Und sie können es auch nicht besser richten, nie und nimmer!“
Frau Glück: „Was sollte ich nicht können, Herr Geld?“
Herr Geld: „Sie können es nicht! Des Geschickes Mächte gütig lenken. Sie können es nicht und nichten!“
Frau Glück: „Herr Geld, mit ihnen ist kein Bund zu flechten…aber machen wir die Probe aufs Exempel. Sehen sie, Herr Geld, dort den armen Teufel sitzen? Wir wollen sehen, wer von uns beiden ihm ein besseres Geschick geben kann!“

2. Bild:

Armer Mann: sitzt am Wegrand, sehr erschrocken, als die beiden ihn ansprechen…
Herr Geld: „Gott schütze dich!“
Armer Mann: „Und eure Herrlichkeit ebenso!“
Herr Geld: „Nun, kennst du mich nicht?“
Armer Mann: „Ich habe euer Gnaden noch nie gesehen- in meinem ganzen Leben noch nicht!“
Herr Geld: „Du hast mich wirklich noch nie gesehen? Und du besitzt also- gar nichts?“
Armer Mann: „Ach ja, Herr! Sechs Kinder, die den ganzen Tag über hungrig sind und nackt wie die Zwiebeln. Ich habe kein Geld, um für sie Essen und Kleider zu kaufen. Was die Güter dieser Welt betrifft, heißt es für mich nur immer: Warte, was für dich abfällt!“
Herr Geld: „Warum arbeitest du dann nicht, um dir etwas Geld zu verdienen?“
Armer Mann: „Das ist es ja- ich finde keine Arbeit, Herr. Ich habe immer solches Pech und alles geht schief, was ich anfasse. An dieser Stelle, Herr, wo ich jetzt sitze, sollte ich einen Ziehbrunnen graben für den Herrn. Er gab mir aber im Voraus kein Geld. Erst wenn das Wasser käme, sollte ich es bekommen.“
Herr Geld: „Da hat er richtig gehandelt! Denn das Sprichwort sagt: ‚Geld im Voraus auf die Hand und die Arbeitslust verschwand.‘ –Aber erzähle weiter!“
Armer Mann: „Ich arbeitete, dass mir der Schweiß aus allen Poren brach. Auch in der glühenden Mittagssonne unterbrach ich die Arbeit nicht, damit es bald Wasser gäbe. Aber je tiefer ich grub, desto mehr Steine fand ich, doch keinen Tropfen Wasser. Am Ende stieß ich auf den nackten Felsen und konnte nicht weiter. Es war, als ob das Innere der Erde ausgetrocknet wäre.“
Herr Geld: „Ich will dir helfen, du Armer. Lass das Graben sein. Damit machst du doch nicht dein Glück. Hier hast du Geld! Nun bist du ein gemachter Mann!“ (Gibt ihm ein silbernes Fünftalerstück)

3. Bild

Armer Mann: glaubt zu träumen „Ein Williger ist gut überreden!“, läuft schnurstracks zum Bäcker…
„Der Bauch lässt sich nicht mit Worten abspeisen, bitte Brot für mich und meine Kinder, für dieses Geld hier…?“ …als er aber in die Tasche greift, findet er kein Geld, sondern nur ein großes Loch in der Tasche, durch welches das Geld verschwunden war…verzweifelt geht es den Weg zurück, um sein Geld auf dem Wege zu suchen und spricht zu sich: „Wie das Sprichwort doch sagt, wenn ein Schaf für den Wolf bestimmt ist, findet sich gewiss kein Schäfer, der es bewacht.“…verliert die Geduld beim Suchen und legt sich wieder unter den Baum.
Frau Glück: sich vor Lachen biegend: „Wer kann es nicht, Herr Geld, wer? Aber um das Unglück anderer zu ertragen, haben wir gewiss alle genug Seelenstärke!“
Herr Geld: ärgerlich: „Das Unglück anderer zu ertragen, Frau Glück, scheint mir keine besondere Tugend zu sein und es gehört wohl auch etwas Erfahrung in allerlei Leiden dazu!- Sei’s drum- dieses hier wird nun aber helfen!“ Gibt dem Armen einen dicken Golddukaten.

4. Bild:
Armer Mann: rennt wie ein Windhund zum Kaufmann, den Dukaten dabei fest in der Hand: „Herr Kaufmann, Kleider für meine Frau, meine Kinder und für mich!“
Kaufmann: , stutzig: „Das Geld ist gewiss falsch und du bist ein Falschmünzer. Warte, ich werde dich bei Gericht anzeigen. Du bist sicher nicht besser als du erscheinst!“
Armer Mann, rot vor Scham, entflieht, ohne den Dukaten mitzunehmen. Wieder am Baum, erzählt er:
Armer Mann: „Auch dieses Mal ein gänzlicher Verlust des Kredits. Weil ich als etwas scheinen musste, das ich gar nicht bin, Herr.“
Frau Glück: lacht.
Herr Geld: sehr ärgerlich: „Du hast zweimal Pech gehabt. Jetzt aber nimm das! Mit dem musst du zu deinem Glück kommen!“ Gibt ihm einen Beutel mit 2000 Talern/ resp. Deuro.

5. Bild:

Armer Mann, eilt außer sich vor Freude fort, aber er kommt nicht weit, er rennt zwei Räubern in den Weg, die ihn vollkommen ausrauben und z.T. entkleiden:
Armer Mann: „Jetzt habe ich noch weniger als vorher. Geld macht also nicht glücklich, aber das wissen nur die Reichen und ich jetzt auch.“ Setzt sich völlig enttäuscht unter seinen Baum.
Frau Glück, lachend zum wütenden Herrn Geld:
Frau Glück: „Jetzt bin ich an der Reihe. Wir werden nun sehen, wer von uns beiden mehr vermag.“

6. Bild:

Frau Glück, nähert sich dem armen Teufel, bläst leicht über ihn hin…
Armer Mann, spürt im Liegen unter sich etwas Hartes, erhebt sich, sieht am Boden nach und findet dort den verlorenen Taler:
Armer Mann: „Etwas ist besser als nichts. Jetzt gehe ich, meinen Kindern Brot zu kaufen. Sie haben seit drei Tagen nichts zu beißen. Ihre Mägen sind leerer als eine taube Nuss!“
Als er am Laden des Kaufmanns vorbeikommt, steht dieser schon vor der Tür, verbeugt sich:
Kaufmann: „Entschuldige viele Male. Dein Dukaten war nicht falsch- er war echt. Hier, nimm das Goldstück zurück und dazu noch die Kleidung für deine Frau, deine Kinder und für dich. Als Entschädigung für mein unrechtes Verhalten. Entschuldige, entschuldige! Du sahst aber auch gar nicht nach Geld aus. Und Falschmünzer muss ich immer schnell erkennen, sonst habe ich das Nachsehen!“
Armer Mann, den Dukaten und die Kleider empfangend:
Armer Mann: „Ja, Herr Kaufmann, zumal in unserer Zeit, in der die Münzen rar werden.- Besten Dank für euere Gaben, ich will sie schnell zu Frau und Kindern tragen.“
Am Markte ankommend sieht er , wie die Häscher gerade die beiden Räuber vorbeiführen.
Richter: „Gehört dieser Beutel dir? Es sind 2000 Taler darin!“
Armer Mann: „Ja, Herr Richter, die hatte ich. Aber diese beiden Herren ließen sie mir nicht. Obendrein zogen sich mich aus. Sie sehen ja nun selbst, wie es um mich steht.“
Richter: „Hier, nehmt die Taler, ohne Abzug. Ihr habt heute Glück mit diesem Gericht. Oftmalen geht so eine Sach‘ wohl anders aus. Nehmt und geht von dannen. Ich wünsche euch Scharfblick bei künftigen Gelegenheiten… .“
Armer Mann: „Solch Glücks- oder Geldsträhne! Woher wohl kommt’s? Aber egal. Und jetzt schnell zum Gevatter. Der kennt Gelegenheiten…!“

7. Bild:

Frau Glück: „Seht ihr, Herr Geld, nun, wer vermag mehr? Mit ihrer Kunst zuvor war es ja nicht halb getan. Es fehlte nicht viel, und der arme Teufel hätte bös‘ dazu bezahlt. Geld verloren, verdächtigt, ausgeraubt. Segnungen euerer Kunst!“
Herr Geld: „Gut, gut, Frau Glück. Einen Hans im Glück habt ihr gemacht. Aber wie nun? Die Taler sind noch im Spiel. Essen und Kleidung reichen vorerst!“
Frau Glück: „Wir wollen ihn fragen, da kommt er selbst des Wegs.“
Armer Mann, völlig verändert:
Armer Mann: „Gott schütze euch. Muss ich euch kennen? Nun ja, doch, ihr habt geholfen- wenn die Sach‘ auch beinahe übel endete. Ich selbst hatte mit und ohne Geld kein Glück. Ich bin auch immer noch ohne Arbeit, mein Gevatter aber wusste Rat! Ich lieh ihm mein Geld. Er ging nach Russland damit in ein Bergwerk und ließ einen Stollen treiben…und fand darin Gas und Oel. Nun geht es aufwärts mit uns. Wir bekommen daraus Geld und Glück in Fülle, geben Aktien aus. Erst nannte man mich Don, gar bald schon Euer Gnaden, zuletzt wohl gar Exzellenz. Meine Frau und Kinder gehen in Samt und Seiden, wir haben Schloss, Phaeton und Dienerschaft. Wir konnten auch einen Verwalter einstellen, den Herrn Schröder.
Frau Glück: „Wie steht ihre Sache denn nun, Herr Geld? Wer vermag mehr? Ein Weiberrock oder eine Männerhose? Sie sehen, ich verhalf zu Zufallsglück, Wohlfühlglück und dem Glück der Fülle. Was zögern sie? Was- soll ich nicht, kann ich, will ich oder nicht Herr Geld, greifen sie zu, allein sind sie nichts, vereint sind wir alles!“
Herr Geld: „Liebes Publikum, sehen sie es mir nach, ich kann nun nicht anders, denn das Glück kommt selten vorbei und es ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“
Frau Glück: „Was man vom Geld nicht sagen kann?“
Herr Geld: „Vielleicht machen sie ja auch einmal Bekanntschaft mit dieser wetterwendischen Dame. Dann viel Glück!“
Vorhang.

***
Ende

von Hartmut Jeromin, 12.2012

Sollte dieses Stück irgendwer aufführen oder öffentlich lesen, wäre der Autor, Harmut Jeromin für eine Rückmeldung sehr empfänglich! (Über diese Webseite)