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ARGE für Ältere untätig - Alternative!

28.04.2008 - von Helmut Bruyers

Ich bin (noch) 64 Jahre und seit 2002 arbeitsuchend gemeldet. Grund: Auftragsbetrug des Geschäftsführers eines Regionalverbandes eines Wohlfahrtverbands, der mich als Freiberufler mit vier EU-Förderprojekten bzw. Ausschreibungen 14 Monate fast ausschließlich (natürlich auf der Basis eines Erfolgshonorars) beschäftigte. Die Projekte stellte er nach positivem Bescheid - u.a. in der 1. Stufe des EU-Leonardo-Bildungsprogramms, bzw. nach der deutlichen Interessenbekundung eines Beitrittslandes nach einer Ausschreibungsteilnahme, ein. So ruinierte er mich nach 17 jähriger selbständiger Beratungstätigkeit für Verbände und soziale Einrichtungen.

Der Mann wollte von mir nur wissen, wie es geht, denn er hatte z.B. den Leonardo-Antrag bereits 2x vergeblich gestellt. Nach Einstellung der angeblich geplanten Projekte und der Kündigung meines Auftrags wechselte er direkt in eine neu gegründete Beratungsgesellschaft seines Bundesverbandes - und ich wurde erst Sozialhilfe- und dann 2005 Hartz IV-Empfänger.(Übrigens hat der Bundesverband ein "geschrumpftes" Leonardo-Projekt zum gleichen Thema wie bei mir beauftragt mit EU-Förderung durchgeführt.)

Weder vom Arbeitsamt, noch von der ARGE habe ich bis heute ein
Vermittlungs"angebot" bekommen. Ich mußte aber selbst monatlich
mindestens 10 Bewerbungen nachweisen! Diese Auflage ließ mich, nach jeder Absage auf, oder nicht Beantwortung meiner qualifizierten Bewerbungen intensiver nach neuen Wegen in der Job-Suche für Ältere forschen:

Analyse der Bewerbungs(miss-)erfolge:
1.
Schriftliche Bewerbung Erfahrung aller Teilnehmer: Über die Hälfte Absagen, der Rest blieb unbeantwortet (besonders bei Chiffre-Anzeigen). Nachfragen in den absagenden Unternehmen auf eigene Bewerbungen nach von mir in der Bewerbung genannten Kompetenzen blieben unbeantwortet - man hatte sie wohl gar nicht gelesen, sondern die Bewerbung schon im Sekretariat auf Grund des Alters gleich auf den Stapel "Absagen" gelegt.

2.
Blindbewerbungen vor Ort:
Bei keinem Bewerbungsversuch drang ich in die Personalabteilung
geschweige denn zu den Chefs vor. "Lassen Sie mir Ihre Unterlagen da, ich leite sie gerne weiter" - und draussen war ich. Erfolg = wieder nur eine schriftliche Bewerbung mit üblichem Ausgang.

Fazit: Man muss neue Wege gehen:
Zusammen mit den Teilnehmern eines Bewerbungstrainings in der
DEKRA-Akademie entwickelte ich eine neue Strategie, mit der es Älteren - auch gering Qualifizierten und Langzeitarbeitslosen - gelingen kann, eine neue Stelle zu bekommen. Um die Kaltakquise erfolgreicher zu machen, suchte ich Unternehmen mit einfachen, sich selbst erklärenden Produkten oder Dienstleistungen an denen vor allem kleine und mittlere Unternehmen Interesse haben und über die sich besonders ältere Chefs und Geschäftsführer (ca. 60%) lieber von Gleichaltrigen als von Jungen beraten lassen, z. B. Internet-Branchenbücher, weil die nicht Fachchinesisch, sondern auf deutsch die Vorteile des Produkts oder der Dienstleistung erklären können. Mit Anbietern, die sich auf diese Art des Vertriebs einlassen wollten, schloss ich entsprechende Verträge. Diese Produkte und Dienstleistungen sollten als Schlüssel für die Unternehmen dienen und die Türen zu den Chefs öffnen. Dazu sollten die (freiwilligen!) TeilnehmerInnen in einem Gegenseitigkeitsvertrag verpflichtet werden, vier Unternehmensbesuche/Woche über 6 Wochen (mit vorhandenen Adressen) vorzubereiten und durchzuführen. Um sie dazu zu befähigen, erhielten sie vorab ein 6-tägiges Persönlichkeits- und
Motivationstraining, am 6. Tag mit Angehörigen, um die neu gewonnene Motivation nachhaltig im familiären oder privaten Umkreis unterstützend zu festigen. Durch den gut vorbereiteten Fragenkatalog sollten im Produkt- oder Dienstleistungsgespräch vor allem die im Unternehmen vorhandenen "latenten" Arbeitsplätze eruiert werden, die allgemein über Mitarbeiternetzwerke vergeben werden, zu denen Langzeitarbeitslose aber keine Kontakte mehr haben. Arbeitsplätze, die für den Besucher nicht in Frage kämen, würden im wöchentlichen Gruppentreffen am 5. Werktag an das "Kompetenz-Netzwerk Arbeit" weitergegeben, das zur Ergänzung des Hauptprojekts entwickelt wurde und die TeilnehmerInnen auch über das Ende des Hauptprojekts weiter betreut.

Näheres auf Link

Die Erlöse aus den Produkt- oder Dienstleistungsverkäufen wären voll zur Finanzierung des Projekts verwendet worden, das von der Arbeitsagentur oder der ARGE je TeilnehmerIn nur eine Schulungs-Kostenpauschale (= 500,- EURO incl. 2 Regio-Monatskarten) und das erfolgsorientierte Vermittlungshonorar verlangte. Mit zunächst stets wechselnden (jeweils widerlegten) Argumenten und später internen "Verdächtigungen" bis hin zur Mitgliedschaft bei Scientologie oder Subventionsbetrug teilte man mir z.B. schriftlich mit, dass das Projekt nicht mit der Geschäftspolitik der ARGE vereinbar sei.

Eine Umsetzung der Projektidee, auch z.B. die Gründung einer
Vertriebskooperation mit vier jungen innovativen Firmen zur Schaffung von bundesweit 250 Arbeitsplätzen für Ältere wurde - trotz Zusammenarbeit mit dem zuständigen Arbeitsamt eines
Kooperationspartners, vorgelegter Studien und Testläufen mit 3
Arbeitsagenturen in verschiedenen Bundesländern - vom heimischen
Arbeitsamt mit Mobbingstrukturen verhindert. Die Klage vor dem
Sozialgericht dauerte bis zur Verhandlung 12 Monate, da waren der Kooperationsvertrag und die neuen Arbeitsplätze schon geplatzt und mir blieb nur die Einstellung des Verfahrens (unter hämischem Grinsen des Arbeitsamtsbeauftragten) übrig.

Inzwischen habe ich für das "Regionale Kooperations Projekt 50plus" wie im letzen Jahre von der ARGE in diesem Jahr von der Arbeitsagentur wieder mitgeteilt bekommen: "Für das Jahr 2008 haben wir für die Agentur für Arbeit die Trainingsmaßnahmen und die ganzheitliche Integrationsleistung ausgeschrieben und die Bewerbungen der Bildungsträger auf diese Maßnahmenplanung sind abgeschlossen ... Gerne merke ich Ihr Angebot vor und falls sich zu gegebener Zeit von unserer Seite Bedarf zeigen sollte, werden wir mit Ihnen Kontakt aufnehmen".
(3.652 Arbeitslose über 50 - Stand Dez. 2007 - bewirken offenbar noch keinen "Bedarf", denn bei den Ausschreibungen bezog sich keine auf ältere Arbeitsuchende oder entsprach in ihren Anforderungen auch nur annähernd dem Angebot des Projekts.)

Man freut sich eben auf meinen 65. Geburtstag, damit man endlich einen engagierten Arbeitslosen weniger hat. Ich werde aber auch danach alles daran setzen, dass sich die Bewerbungssituation älterer Arbeitsuchender verbessert.

Die fast ausschließliche Förderung junger Arbeitsloser in der Region legt den Schluss nahe, dass es sich bei diesem krampfhaften Verhindern einer möglicherweise erfolgreichen Idee - die auch politisch von den Bürgermeistern der Region bis zum Regierungspräsidenten positiv bewertet wird - eindeutig um Altersdiskriminierung handelt.

Mit freundlichem Gruß
Helmut Bruyers
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Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=1570
Quelle: Mail an die Redaktion