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F. Müntefering: VdK-Präsident? Wie sich ein Sozialverband für die Große Koalition zurecht machen könnte

03.10.2013

Das trifft sich ja gut: Eine neue Große Koalition rückt näher und beim Sozialverband VdK muss Ersatz für die gegenwärtige Präsidentin U. Mascher gefunden werden. Wird F. Müntefering (Agenda 2010!) das neue sozialpolitische Juwel des größten deutschen Sozialverbandes?
Jedenfalls hat der Landesverband VdK Nordrhein-Westfalen schon einmal den eng mit Hartz IV, Altersarmut und Sozialabbau verbundenen Bundesminister a.D. Müntefering als Hauptreferenten zu seinem Sozialen Forum am 10. Oktober 2013 nach Düsseldorf eingeladen.

Das Forumsprogramm liest sich denn auch wie eine Blaupause für die nächste Koalition: Die „Ressource Alter“ will der Sozialverband VdK NRW nutzen, um trotz Alterung der Gesellschaft „Wachstum zu erwirtschaften“ und den „Fachkräftemangel . . . zu meistern“. Sprich: Der VdK will sich dafür stark machen, dass die Arbeitskräfte nicht zu knapp werden und dann die Löhne zu hoch und die Gewinne zu niedrig ausfallen. Genau dafür, wie man Arbeit billiger machen kann, hat Hauptredner „Münte“ die richtige Expertise.

Der VdK Deutschland hat Erfahrung mit solchen Stellenbesetzungen: Die aktuelle Präsidentin U. Mascher war während Rot-Grün Parlamentarische Staatssekretärin bei Walter Riester und hat diesen bei der Einführung der „Riester-Rente“, also bei der Grundsteinlegung für die später beweinte Altersarmut unterstützt. Nicht vergessen werden sollte auch Seehofers Präsidentenepisode beim VdK Bayern.

Der Auftritt von Müntefering beim VdK-Forum in Düsseldorf hat besonderen Symbolwert: Bislang war der VdK Nordrhein-Westfalen der einzige unter den Sozialverbänden, der das Geschäftsmodell Deutschland und sein Folgen für Deutschland und Europa konsequent untersucht und kritisiert hat: Exportüberschüsse durch Lohndumping, Armutszunahme, Verliererregionen, Kaputtsparen des Euro-Südens etc. Nun hat der VdK NRW eine Kehrtwende vollzogen und propagiert Lohnkonkurrenz durch Rentnerarbeit unter der Überschrift „Ressource Alter“ – in ein paar Jahren kann er dann jammern: „Alter ist keine Ware“.

Für eine Installierung von F. Müntefering als VdK-Präsidenten stünden die Chancen nicht schlecht. Die üblichen Nachfolgedrängler für VdK Präsident(inn)en, meist VdK-Landesfürsten, sind etwas durcheinander: Unerwartete Todesfälle (Udo Schlitt, VdK Hessen) unfreiwillige oder undurchsichtige Rücktritte (Andreas Peifer, VdK Rheinland-Pfalz; Ulrich Schmidt, VdK Nordrhein-Westfalen), mangelndes Interesse (Karl-Heinz Fries, VdK Nordrhein-Westfalen) haben die Lage unübersichtlich werden lassen. Außerdem muss für U. Mascher auch beim VdK Bayern Ersatz gefunden werden.

Die Lösung könnte also heißen: Franz Müntefering for (VdK)-President. Da ist das Soziale dann in bewährten Händen.

Link: Lottospielen statt Rente erwarten
Quelle: STUDIENGRUPPE FÜR SOZIALFORSCHUNG

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