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Offene Gesundheitsgesellschaft: Kopfpauschale für den Wachstumsmarkt

01.12.2009

Es gibt SchnapsIdeen und es gibt QuatschBegriffe: Einen solchen letzteren hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Brüderle!)
jetzt präsentiert: Die „Offene Gesundheitsgesellschaft“. Hier bei handelt es sich wohl um eine Parallelentwicklung zur „Wissensgesellschaft“ und eine
Weiterentwicklung der seiner zeitigen „Risikogesellschaft“.

Ein ganz neues Sprechen von Gesundheit wird angepriesen: Gesundheitswesen heißt zukünftig „Gesundheitswirtschaft“. Der Kostenfaktor hat ausgedient – jetzt heißt es „Wachstumsmarkt“. „Investitionen“ in „Gesundheit“ treten an die Stelle von Gesundheits„Konsum“. Und zur offenen Gesundheitsgesellschaft geht es auf „neuen Finanzwegen“. Die sehen so aus: Kopfpauschale für die Arbeitgeber und den ganzen Rest der steigenden Preise im Gesundheits„Markt“ für die Versicherten und für die Erkrankten.

„Offene“ Gesundheitsgesellschaft heißt demnach: Die Wirtschaft als solche zahlt für die Gesundheit ihrer Beschäftigten nur noch Festbeträge, die bekanntlich schnell ihren Realwert verlieren. Dafür darf die Gesundheitswirtschaft als besondere ihre steigenden Umsätze und Preise bei den „Verbrauchern“ holen. Weil aber beides gleichzeitig wegen der „Lohnklemme“ nicht geht, braucht man zwei Ministerien, um die Verantwortung für die Schlechterversorgung hin- und herschieben zu können: Ein GesundheitsWirtschaftsministerium (FDP) und ein GesundheitsBezahlministerium (auch FDP).
Dennoch: Der Begriff “Gesundheitswirtschaft“ ist allemal rationaler als die jahrzehntelangen Klagen der „Wirtschaft“ über die „Gesundheitskosten“ oder
gar die Eigenanbetungen der „Heilkunst“ durch ihre Berufsstände. Nur: Eine „Soziale“, nicht eine „Offene“ Gesundheitswirtschaft sollte es sein.

Quelle: Studiengruppe für Sozialaforschung e.V.