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Tochter flieht mit Eltern nach Thailand

Österreich - 16.05.2005 - von Dr. Ulrike Gogela

Sehr geehrte Frau Sozialminister Haubner! Ab März 04 wird meinen Eltern (meine Mutter ist 84, hat Alzheimer, mein Vater ist 93,
schwer gehbehindert, inkontinent) das Pflegegeld gestrichen.

Vorgeschichte: mein Vater verschenkt sein Haus an meinen Bruder gegen Wohnrecht auf Lebenszeit. Mein Bruder beantragt Sachwalterschaft. Der Richter übergeht die mir von meinen Eltern ausgestellte Vorsorgevollmacht. Ohne Gutachten werden meine Eltern entmündigt u. gegen ihren Willen in ein Pflegeheim gebracht.

Ich konnte meine Mutter zu mir
holen, pflegte sie. Aber Pflegegeld u. Pension gingen sieben Monate lang weiter ans Heim.

Weihnachten 2004 wollte ich Sozialhilfe für meine Mutter
beantragen. Abgewiesen: sie hat ja ein Einkommen. Meine Eingaben bei Gericht bleiben liegen. Der Richter geht in Pension.

Es stellt sich heraus, das Gericht ist nicht zuständig. Jetzt ist der
Oberste Gerichtshof eingeschaltet. Ich musste inzwischen meinen Beruf
aufgeben.

Meine Eltern brauchen 24 Stunden Betreuung. Die Belastung durch
Alzheimerkranke ist extrem, der hohe Pflegeaufwand ist durch das
Pflegegeld nicht abgedeckt.

Derzeit wird unser Haus in Wien renoviert: unerträglicher Baulärm, der Lift für 1/2 Jahr ausgebaut. Es hieß, mein gehbehinderter Vater hätte Anspruch auf eine Ersatzwohnung.

Weder soziales Wohnen, noch Obdachlosenfond, noch
Zuwanderungsfond waren zuständig. In dieser extremen Notsituation erfuhr ich von einem Alzheimer Projekt in Thailand u. entschloss mich, mit meinen Eltern dort zu überwintern. Hier können wir uns einen Garten leisten, meine Muter kann ihren Bewegungsdrang ausleben. Meine Eltern
sind hier glücklich. Jetzt wird ihnen das Pflegegeld gestrichen.

Heisst das, ein pflegebedürftiger Mensch darf nicht mehr reisen ?
Daß er in seinen menschlichen Grundrechten nicht nur durch
Sachwalterschaft, sondern auch durch Pflegebedürftigkeit beschnitten werden kann? Ich bin hierher gegangen, weil hier alte Menschen trotz ihrer
Behinderungen mit Respekt behandelt werden. Alter und Tod werden hier als zum Leben gehörig akzeptiert. Die Pflege ist hier noch bezahlbar.

In Wien war das nicht mehr der Fall. Sollten pflegende Angehörige nicht mit allen Mitteln unterstützt werden? Unbürokratisch und schnell? Ich habe mich auch an Frau Justizminister Miklautsch sowie an die Präsidentin der österr. Richter Frau Dr. Helige gewendet. Dr. Ulrike Gogela

Ergeht nachrichtlich an:
Pflegeombudsmann Dr. Vogt
Stadträtin Landauer
Sigrid Pilz
Christoph Müller,Schweizer Fernsehen DRS
ORF
Die Furche
Die Presse
Kurier
Kronenzeitung
OÖN
Rechtsstaat Austria
Charta 97
Büro gegen Altersdiskriminierung

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=906
Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung