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Familie + Krankenhaus: Vernachlässigte Dimension der Gesundheitspolitik

Casablanca, Foto: H.S.

23.02.2017

Der kapitalistische Sozialstaat ist der schlimmster Feind der Familiennund ihrer Kranken! An keinem Beispiel wie am Beispiel der Alleinerzieherfamilien kann man so überzeugend zeigen, mit welchem Sozialsadismus der kapitalistische Sozialstaat die Familien von heute verfolgt: Die neuen Hartz IV-Regelsätze verewigen das Armutsleben der Kinder und ihrer Mütter oder Väter.

Und am anderen Ende des Lebens spielen sich seit Jahren schon, und in Zukunft noch viel mehr, noch schlimmere Dramen ab: In den Ehefamilien, in denen einer der beiden pflegebedürftig ist.

Merkel, Nahles und Schäuble sind das Trio infernale, das die „Familie“ als immer noch, in welcher Form auch immer, überwiegende Form des Zusammenlebens in Deutschland, mit anhaltendem strukturellem Hass attackiert. Die vom GroKo-Regime, unter dem Beifall der „Grünen“ und der „Linken“, nunmehr angestrebte Bargeldabschaffung wird ein weiterer Schlag gegen die Familien werden. Ohne Bargeld verlieren Millionen Armutshaushalte ihre letzten kleinen Spielräume.

Was sind die Kalküle und die Interessen, die hinter dieser Menschenfeindlichkeit der Berliner Kamarilla steckt? Ganz einfach: Die Familien sind die faktischen Entscheidungszentren für das wichtigste Aggregat in kapitalistischen Wirtschaftssystemen: Den Privatkonsum.

Wenn dieser zur Systemstabilisierung gesteigert werden soll, ohne dass die Löhne erhöht werden müssen, dann muss man nur die Kaufentscheidungen, die vorher faktisch familiär getroffen wurden, individualisieren. Was eignet sich dafür besser als der Zwang, nicht mehr aus der Haushaltskasse, sondern mit der Bankkarte zu bezahlen?

Der legendäre deutsche Sozialphilosoph Max Horkheimer (1895-1973) hat in einer Veröffentlichung im Jahre 1960 darauf hingewiesen, dass der Kapitalismus, wenn er krisenbedingt totalitär werden will, die Familie gerne in zwei Formate zerlegt: In eine Ideologie-Ikone, die berufen wird, um die Lasten und Kosten des Lebens auf die Leute zu verlagern – und in eine Realbarriere, die dem Durchgriff des Staates auf die Individuen im Wege steht und zerstört werden muss.

An der Krankenhauspolitik des kapitalistischen deutschen Sozialstaats kann man dieses studieren: Von Anbeginn der großartigen „Reformen“ der SPD/FDP-Koalition der Herren Brandt und Scheel, die auch den Krankenhausbereich betrafen, spielte die Familie, wiewohl sie der Bezugspunkt der Krankenhausversorgung ist, absolut keine Rolle. An ihre Stelle trat die „Bevölkerung“. Die Familie gab es nur noch indirekt im Grundsatz der Ortsnähe bzw. der Erreichbarkeit der Krankenhausversorgung.

Jetzt: Nach bald fünf Jahrzehnten „Krankenhausreformen“, ist die Politik an ihrem Ziel angelangt. Es wird darüber geredet, 1.600 der 1.900 Allgemeinkrankenhäuser zu schließen und nur 300 Zentralkrankenhäuser übrig zu lassen. Damit findet Krankenhausbehandlung nur noch gegen, nicht mehr mit oder gar für die Familien statt. Aber die übrig gebliebenen Konzernkrankenhäuser machen Gewinne ohne Ende.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema in der PDF

Albrecht Goeschel, Markus Steinmetz, Michael Teumer (Hrsg.)
Familie und Krankenhaus: Eine vernachlässigte Dimension der Krankenhauspolitik 1998-2014
Hrsg.: Accademia ed Istituto per la Ricerca Sociale
Verona 2016

Familie und Krankenhaus: Eine vernachlässigte Dimension der Krankenhauspolitik 1998-2014
Quelle: Akademie und Institut für Sozialforschung Verona