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Köln, Silvester und die Polizei

05.01.2016 - von T.M.

Was mich unheimlich aufregt, sind Äußerungen von einigen Politikern, die gleich den Schuldigen für die Silvestervorfälle rund um den Kölner Dom gefunden haben.! Die Polizei! Das ist unfassbar, dass gerade die Verursacher von stetigem Personalabbau bei der Polizei nun die ersten sind, die mehr Polizei fordern.

Ein Politiker aus Köln, ich nenne bewusst mal nicht seinen Namen,
äußert, dass er nicht verstehen kann, dass die Polizei an Silvester so "schwach" (seine Worte) aufgestellt war. Für ihn wäre
es selbstverständlich und auch machbar gewesen, dass an "Silvester" "alle" verfügbaren Polizisten Dienst hätten machen
müssen. Das erwarte der Bürger.

Ich habe es mir nochmal angeschaut, um sicher zu sein, das ich richtig gehört habe. Unglaublich und völlig praxisfremd. Fakt ist, dass gerade an Tagen, wie Silvester, die Mindeststärken auf den Dienststellen erhöht werden. Und bitte liebe Politik! Hört auf, den Bürgerinnen und Bürgern eine heile Polizeiwelt zu verkaufen. Polizisten sind nur "verfügbar" wenn sie auch tatsächlich vorhanden sind.

In Baden-Württemberg wurden in den vergangenen Jahren, von der Vorgängerregierung, 1.000 Stellen abgebaut. Bundesweit insgesamt soviele, wie die gesamte Berliner Polizei Personal hat. Das ist Fakt.

Aber sich vor die Kameras zu stellen und gleich mal klarstellen, obwohl die Ermittlungen noch andauern, dass die Täter nicht aus den Reihen der Flüchtlinge oder Asylbewerber stammen, ist nicht gerade professionell. Auch ich gebe nichts auf schnelle und pauschale Vorverurteilungen, weil mir in erster Linie egal ist, welche Personengruppe die Frauen sexuell bedrängt, verletzt und beraubt hat. Hier geht es um eine Verletzung der Rechtsnormen und um massive Straftaten gegen Menschen. Wenn man Zeugenaussagen und
den Angaben der geschädigten Frauen (ca. 90 Anzeigen wurden alleine in Köln erstattet) zuhört, ist von überwiegend
schwarzafrikanischen Männern und Arabern die Rede.

Aber wie gesagt, darum geht es mir in erster Linie nicht. Auch wenn es welche aus hiesiger Bevölkerung gewesen sind, ist eine solche Dimension und Respektlosigkeit gegenüber Frauen in unserem Rechtsstaat nicht zu akzeptieren. In unserer Gesellschaft sind Frauen gleichberechtigt und werden respektvoll behandelt, wie im übrigen alle anderen Menschen auch, egal welcher Religion oder Kultur sie angehören. Wer mit unserer demokratischen Gesellschaftsform, mit all ihren Rechtsnormen und Gesetzen nicht leben kann oder will und dabei straffällig wird, muss die Konsequenzen innerhalb unseres Rechtssystems spüren, egal woher er stammt oder kommt.

Also liebe Politik. Bevor man erneut die Polizei wieder voreilig als "Sündenbock" ausgewählt hat, wäre ein sachorientiertes
und auf Fakten basierendes Handeln angebrachter. Die Bürgerinnen und Bürger schauen derzeit auf sie, die Politik, wie sie mit der
Situation umgehen werden!

Thomas Mohr
Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Mannheim

Quelle: Mail an die Redaktion