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Bremen: Hilfe für ausgestoßene Großeltern

22.12.2015 - von Gerd Feller

Kürzlich erreichte mich ein Flyer mit der Überschrift „Wenn Großeltern ihre Enkel nicht mehr sehen dürfen...“. Der Text des Flyers beschäftigt sich mit einer Situation, von der
Großeltern im unglücklichsten Fall und aus unterschiedlichsten
Gründen betroffen sein können: Sie werden von der Teilnahme am Leben ihrer Enkelkinder ausgeschlossen. Wer Enkelkinder hat und mit ihnen und ihren Familien in Frieden zusammenlebt, der weiß, welchen Wert eine gute Beziehung für alle Beteiligten haben kann. Großeltern, die sich gesundheitlich fit und aktiv fühlen, können z.B. berufstätige Eltern oft bei alltäglichen Aufgaben unterstützen, die elterliche Erziehung durch eigene langjährige Lebenserfahrungen ergänzen, die Familiengeschichte tradieren, Enkelkinder kreativ beschäftigen und sie dabei in unterschiedlichste Lebensbereiche einführen, sowie wertvolles Wissen und wichtige gesellschaftliche Normen vermitteln.

In unserer Wohlstandsgesellschaft beschäftigt man sich ungern mit dem Altern und dem Tod. Gerade an diese beiden Aspekte des Lebens
können Enkelkinder durch die Teilhabe am Leben ihrer Großeltern mit Ernstcharakter herangeführt werden.

Die Alten gewinnen den Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen viele positiven Seiten ab. Sie erfahren viel Freude,lernen selbst noch dazu, fühlen sich jünger und sind einbezogen in ein soziales Umfeld, sowohl vor Vereinsamung geschützt als auch immer noch nützlich für Familie und Gesellschaft. Aus eigenen Erfahrungen mit vier Enkelkindern kann ich diese Sichtweise bestätigen.

Auch wenn sich Großeltern in der Regel eine heile Familienwelt wünschen, bilden sich zwischen den verschiedenen Generationen ab und zu Reibungsflächen, aus denen Streitereien erwachsen können, die für die Jungen allerdings auch manchmal die Gelegenheit bringen, vernünftige Streitkulturen zu lernen. Im Normalfall sollte sich die Gewitterlage schnell wieder beruhigen.

Leider ist ein dauerhafter friedfertiger Umgang zwischen Großeltern, Kindern, Schwiegerkindern und Enkelkindern nicht immer gegeben. Häufiger als gedacht existieren traurige Familienverhältnisse, die allerdings üble Folgen sowohl für die betroffenen Älteren als auch für die Nachkommen im Kindes- und Jugendalter haben können.

Mehr als 150.000 Kinder verlieren jährlich den Kontakt zu ausgegrenzten Familienmitgliedern. Darunter befinden sich eben auch sehr viele Großeltern.

Egal, welche Ursachen ein schwerer Familienstreit hat, für alle Betroffenen führt ein dauerhafter Kontaktabbruch erst zur Verfremdung, dann kommt das Misstrauen und am Schluss steht das Feindbild, das sich je nach Lage gegen jeden Beteiligten richten kann. Verhärten sich die Fronten in einem Streit, rechtfertigt man oft den Kontaktabbruch mit dem Argument, man ziehe sich
zurück, weil wieder Ruhe einkehren müsse. Kinder sind dann besonders betroffen,werden auch häufig für persönliche Interessen instrumentalisiert. Sie sind großem Leid ausgesetzt, wenn sie zwischen die Fronten geraten und dadurch die Bindungen zu ihren familiären Bezugspersonen verlieren.

Für die Großeltern bedeutet ein Kontaktabbruch eine Katastrophe, weil sie in ihrer letzten Lebensphase kaum auf eine Möglichkeit hoffen können, den Schaden zu reparieren, vor allem dann nicht, wenn das Altern zunehmend körperliche und geistige Probleme aufwirft.

Es sind inzwischen in der Öffentlichkeit viele solcher Fälle bekannt geworden. Die betroffenen Großeltern fühlen sich oft allein gelassen und sehr hilflos. Sie wollen wissen, warum sie ausgegrenzt werden + inwieweit die Schuld dafür bei ihnen liegt, ob sich der Schaden noch reparieren lässt, ob es rechtliche Eingriffsmöglichkeiten gibt, mit wem man fachgerecht sprechen und wer überhaupt helfen könnte.

Die anscheinend zunehmende Zahl ausgegrenzter Großeltern hat vermehrt Selbsthilfe-Initiativen entstehen lassen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Großmüttern und Großvätern durch das vertrauliche Sprechen in der Gruppe die oft krankmachende Trennung besser verarbeiten zu können.

Für die Region Bremen bietet sich die Selbsthilfegruppe Verstoßene Großeltern Bremen für Betroffene, die ihre Enkelkinder nicht sehen dürfen, an. Sie werden von dieser Initiative herzlich
eingeladen, an den Treffen jeweils am 2. Dienstag im Monat von 16 - 18 Uhr zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch teilzunehmen.
Infos & Gruppentreffen
beim Netzwerk Selbsthilfe e.V.
Faulenstr. 31, 28195 Bremen
Telefon 0421 – 70 45 81
info@netzwerk-selbsthilfe.com

Quelle: Durchblick 191 Dezember 2015

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