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Ran ans Alter! BUCHTIPP

Herrlichkeit Erpel, 2015 Foto: H.S.

23.09.2015 - von Hanne Schweitzer

All die Bücher und Artikel, in denen geschildert wird, wie wunderbar doch das Älterwerden ist, sollten Sie meiden. Sie deprimieren nur. Der schmale Band "#Ran ans Alter!" von Lisa Frohn ist dagegen ein Buch, das Sie stärkt. Es öffnet den Zugang zu der weggedrückten Verzweiflung, die das Älterwerden auch mit sich bringt, benennt sie und triggert sie sensationell weg.

"#Ran ans Alter!" hat ein angenehmes Format, das in jede Tasche, selbst die des Mantels passt, und es ist gut lesbar: Frohn pädagogisiert nicht, das Moralinsaure ist ihr fremd und das sprachlich Betüddelnde auch. Dazu kommt, dass kein Absatz länger ist als drei Zeilen. Damit folgt die Autorin dem Prinzip der telegrammartigen Kurznachrichten auf Twitter. Das verwirrt aber keineswegs, denn jeder Absatz variiert dasselbe Thema: Ran ans Alter!

"Nirgendwo sonst werden wir so hofiert wie dort, wo es Kassen gibt, an denen wir Geld lassen können.

Und je nachdem, wo wir kaufen gehen, und je nachdem, wie viel Geld wir schon an diesen Kassen gezahlt haben, ...

... werden wir sogar mit unserem Namen begrüßt, wird uns die Tür aufgehalten, wird uns ein Espresso angeboten, ...

... wird uns eine Kundenkarte angetragen, werden uns regelmäßig Einladungen zugeschickt, zu Veranstaltungen, auf denen wir ...

... nichts weiter tun sollen als kaufen, kaufen, kaufen.

So können sich Kaufsituationen zu Höhepunkten in unseren Einsamkeiten entwickeln.

Wer von uns Alten aber nicht konsumieren will, wer nicht kaufen will und wer nicht kaufen kann, der ist echt aufgeschmissen.

Denn was bleibt uns übrig, wenn wir all die verschiedenen Konsumentenrollen nicht bedienen können oder wollen?
"

WAS übrig bleibt, sei hier nicht verraten. Nur so viel: das Werk regt an, das eigene Altwerden anders und das Altsein neu zu denken. Aber nicht nur das. Im Gegensatz zur neuen Brigitte-Zeitschrift für Frauen ab 60 thematisiert Frohn auch das Herausfallen einer Generation, die ja keinem über 30 trauen wollte, aus dem Arbeitsleben, aus der Familienrolle und den Entscheidungsprozessen. Haben wir nichts mehr zu sagen, wenn wir keine Macht und keinen Einfluß mehr haben? Sind wir raus aus der Gesellschaft?

Frohns Buch animiert zum Denken und zum Handeln. Lesen Sie es oder schenken Sie es Ihrer besten Freundin. Dann bleibt es Ihnen erspart, den Rest des Lebens vor der Glotze zu verbringen und vor lauter `Dauergemütlichkeit´ im Sofa zu versinken.

Lisa Frohn
#Ran ans Alter
Verlag tredition Hamburg 2015
180 Seiten
ISBN 978-3-7323-4849-7
als Taschenbuch 12,80 Euro
als E-Book 5,99 Euro
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Link: Ich bin alt und will BUCHTIPP
Quelle: Büro gegen Altesdiskriminierung