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Aberkannte Doktortitel bundesdeutscher PolitikerInnen

Berlin, 2011 Foto H.S.

09.03.2016 - von H.S.

Doktortitel bundesdeutscher PolitikerInnen, die aberkannt wurden:

2015
FDP
Georgios Chatzimarkakis: Dem FDP-Europapolitiker wird im Juli 2011 von der Universität Bonn mitgeteilt, dass er seinen Doktortitel verliert. Er geht juristisch dagegen vor. Im März 2015 entscheidet das Ober­verwaltungs­gericht in Nordrhein-Westfalen, dass dem deutsch-griechischen Politiker zu Recht der Doktortitel entzogen wurde.

2014
CSU
Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU, erwarb 2004 an der Karlsuniversität in Prag ein sogenanntes kleines Doktorat. Dieses berechtigte ihn in D.land nur zur Führung des Titels in den beiden Bundesländern Berlin und Bayern. Nach Berichten der FAZ über seine Dissertation will er den Titel nun überhaupt nicht mehr führen.

CSU
Jakob Kreidl, Ex-Landrat von Miesbach, von Oktober 1994 bis April 2008 war er Mitglied des bayerischen Landtags. 2005 wurde er an der Universität der Bundeswehr (!) München promoviert. Im Dezember 2013 entzog ihm die Bundeswehrhochschule den Titel. Begründung: Seine Arbeit stellt keine eigenständige wissenschaftliche Leistung dar, sie ist nicht dissertationswürdig.

2013
CDU:
Annette Schavan Ex- Bildungs- und Forschungsministerin der Bundesrepublik Deutschland, Honorarprofessorin an der Freien Universität Berlin, Stellvertretende CDU-Vorsitzende, wird von der Universität Düsseldorf am 5.Februar 2013 der Doktortitel aberkannt.
Sie klagt dagegen.
Im April 2014 legt der Hochschulrat der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Frau Schavan nahe, das Mandat, das sie in diesem Gremium gerade mal sechs Monate innehat, niederzulegen. Schavan habe daraufhin angekündigt, „dem Bayerischen Wissenschaftsminister Dr. Spaenle ihr Ausscheiden aus dem Hochschulrat der LMU zu erklären“.
Am gleichen Tag meldet die Presse, dass Frau Schavan juristisch nichts mehr gegen den Entzug ihres Doktortitels unternehmen wolle. Die juristische Auseinandersetzung sei für sie beendet. "Jetzt bereite ich mich auf neue Aufgaben vor und freue mich darauf," ließ sie über ihr Büro mitteilen. Eine der neuen Aufgaben könnte der Job einer Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl im schönen Rom sein. Merkel soll das eingefädelt haben.
Dem Personalrat des Auswärtigen Amts mißfällt diese eventuelle Idee Merkels. Der Personalrat moniert zu recht: "Die Eingangsvoraussetzungen für den höheren Auswärtigen Dienst" fehlen Frau Schavan.
Am 7.5.2014 bestätigt das Bundeskabinett unter Leitung von Kanzlerin Merkel, dass Schavan in den diplomatischen Dienst wechseln und als Botschafterin in den Vatikan geht. Und einen Doktortitel nimmt sie auch mit. Am 11.April 2014 erhielt sie von der Universität zu Lübeck in einem feierlichen Akt die Ehrendoktorwürde verliehen.Begründung: Frau Dr. Schavans Verdienste um die Universität und die Medizin.
Am 28.7.2014 veröffentlicht Jürgen Kaube in der FAZ-online einen Kommentar zum Klüngel bundesdeutscher Wissenschaftler, mit deren Hilfe das Gutachten zum Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan mit einer koordinierten Aktion massiv diskreditiert werden sollte: "Tücke ist das Hauptprinzip der Verteidiger". Am 29.7. berichtet Peter Mühlbauer auf Telepolis ebenfalls über den Abschlussbericht zur Causa Schavan. Er zeigt, wie ein akademisches Netzwerk versuchte, Druck auf den Dekan Stefan Rohrbacher und die Universität Düsseldorf auszuüben, damit bei der Plagiatsprüfung der Dissertation der ehemaligen Wissenschaftsministerin großzügig verfahren wird: "Womit sich ein jüdischer Religionswissenschaftler nach Ansicht eines Augsburger Theologen beschäftigen sollte".
Am 30.7. meldet die FAZ, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert eine Festrede zum 50-jährigen Jubiläum der Hochschule abgesagt hat. WEGEN DES UMGANGAS DER UNIVERSITÄT DÜSSELDORF mit dem Fall Annette Schavan. Ihn irritiere, „dass jegliche kritische Stimmen auch und gerade von hochangesehenen Wissenschaftlern und aus den akademischen Spitzenverbänden ausnahmslos für eine unerwünschte Einmischung und unzulässige versuchte Einflussnahme erklärt werden“. Beide Professoren waren im Juli wegen ihrer beispielhaften akademischen Zivilcourage mit der Universitätsmedaille ausgezeichnet worden.

CSU:
Jakob Kreidl Ex-Landrat von Miesbach. 2005 wurde er von der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München (!) promoviert. Im April 2013 räumte Kreidl ein, dass ihm „in bedauerlicher Weise eine Vielzahl an Fehlern unterlaufen“ sei. Er verzichtet auf das Führen des Doktortitels. Im Dezember 2013 erkennt ihm die Bundeswehrhochschule in München den Doktortitel ab.

2012
FDP:
Margarita Mathiopoulos, FDP-Beraterin. Sie verliert ihren Doktortitel im April 2012 durch einen Beschluß des Fakultätsrats an der Universität Bonn.

FDP:
Djir-Sarai dem Bundestagsabgeordneten der FDP wird im März 2012 der Doktorgrad nach "umfangreicher Prüfung" von der Universität Köln aberkannt.

2011

FDP:
Silvana Koch-Mehrin Der FDP-Europapolitikerin wird der Doktorgrad vom Promotionsausschuss der Universität Heidelberg im Juli 2011 aberkannt. Silvana Koch-Mehrin zieht vor das Verwaltungsgericht in Karlsruhe. Dies habe, wie die FAZ am 28.3.2013 berichtete entschieden, dass die Politikerin „wiederholt und planmäßig“ getäuscht hat. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) ließ eine Berufung gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe am 7.2.2014 nicht zu. Das erste Urteil gilt: Koch-Mehrin ist der Doktortitel zu recht entzogen worden.

SPD:
Uwe Brinkmann: Dem SPD-Politiker und Dozenten an der Führungsakademie der Bundeswehr (!), entzieht die Universität Hamburg im Juli 2011 seinen Doktortitel.

CSU:
Karl-Theodor zu Guttenberg: Dem Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland wird von der Universität Bayreuth im Februar 2011 der Doktortitel entzogen. Gegen Zahlung von 20.000 Euro stellt die Staatsanwaltschaft in Hof ein Ermittlungsverfahren gegen Karl-Theodor zu Guttenberg ein.

Geklärte oder noch nicht geklärte Vorwürfe:

CDU:
Im August 2015 wurde Ursula Gertrud von der Leyen darüber informiert, dass in ihrer medizinischen Dissertation im Fach Frauenheilkunde, die sie 1990 an der Medizinischen Hochschule eingereicht hatte, zahlreiche Regelverstöße gefunden wurden. Die Aktivisten der Anti-Plagiats-Plattform "VroniPlag" hatten die 62 Textseiten der insgesamt 70 seitigen Dissertation untersucht und dabei "37 Textpassagen" festgestellt, die gegen wissenschaftlich anerkannte Zitierregeln der damals gültigen Promotionsordnung verstoßen.

Von der Leyen hatte den Vorwurf des Plagiats zurückgewiesen und die Medizinische Hochschule Hannover um eine Überprüfung der Arbeit gebeten. Am 28.9. 2015 teilte die Medizinische Hochschule in Hannover mit, dass die Ergebnisse der Vorprüfung vorlägen und eine fünfköpfige Kommission nun mit der Hauptprüfung beginne.

Am 8.3.2016 entschied der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach Prüfung der Plagiatsvorwürfe mit 7:1 Stimmen und einer Enthaltung, dass Ursula von der Leyen ihren Doktortitel zu Recht führt. Aber sowohl die Kommission als auch der Senat der MHH hätten „klare Mängel“ gefunden. Dabei gehe es "um Fehler in der Form von Plagiaten, also Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen“, sagte MHH-Präsident Christopher Baum. U.v.d.Leyen darf ihren Doktortitel "trotz klarer Mängel" behalten. Die Kommission kam zu dem Schluß: Ein Fehlverhalten von der Leyens liege nicht vor.

SPD:
Marc Jan Eumann: Am 9. April 2014 teilt der Dortmunder Fakultätsrat mit, dass der Verdacht gegen den NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann, der seine eigene Magisterarbeit mit Erweiterungen als Dissertation eingereicht hatte, vom Tisch ist. Eumann, der mit "summa cum laude" promoviert wurde, darf seinen Titel behalten. Im Verfahren gegen Eumann soll es nicht um Plagiatsvorwürfe sondern um das Verschweigen seiner Magisterarbeit zum gleichen Thema gegangen sein.

CDU:
Norbert Lammert: Am 30.7.2013 kam der Verdacht auf, die 1974 angefertigte Dissertation des heutigen Bundestagspräsidenten sei auf bisher 42 Seiten nicht sauber und frei von unerlaubten bzw. nicht deklarierten Zitaten. Danach haben wir nie wieder was von der Sache gehört. NSA, kennst du andere Quellen?

SPD:
Frank-Walter Steinmeier: Die Universität Gießen hat im November 2013 Plagiatsvorwürfe gegen den SPD-Fraktionschef zurückgewiesen.

Link: Max-Planck-Institut sucht Doktoranden bis maximal 30
Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung