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Jens: Staatlicher Umgang mit Demenzkranken empörend

08.02.2012 - von dpa

Inge Jens, die Ehefrau des dementen Rhetorikers Walter Jens (88), ärgert sich oft über den Umgang der Behörden mit Demenzkranken. «Die Normen, die bei der Pflege von Demenzkranken angelegt werden, sind grotesk», sagte sie der Nachrichtenagentur dpa in Tübingen am 7.2.2012. «Ich muss mir zum Beispiel jedes Vierteljahr bescheinigen lassen, dass mein Mann auch wirklich immer noch dement ist. Es könnte ja sein, dass er schon nicht mehr dement ist und wir immer noch 600 Euro im Monat für seine Betreuung bekommen. Ich finde das empörend», sagte sie der Nachrichtenagentur.

Außerdem bräuchten demente Menschen anders als bei klassischen Pflegefällen feste Bezugspersonen und jemanden, der etwas mit ihnen unternimmt. «Die Umgebung eines Altenheims ist schrecklich für Demenzkranke. Da bekommen sie überhaupt keine adäquaten Reize mehr», sagte die Literaturwissenschaftlerin, die am Samstag (11. Februar) 85 Jahre alt wird. Trotzdem wende der Staat die gleichen Vorschriften an wie bei bettlägerigen Patienten. «Das sind Regelungen aus einer Zeit, als es Demenzerkrankungen zumindest in der Vorstellung der Bürokratie noch gar nicht gab», sagte Jens.

Walter Jens gilt als einer der wichtigsten deutschen Intellektuellen der Nachkriegszeit. Durch seine Demenzerkrankung kann er allerdings schon seit vielen Jahren nicht mehr reden und ist rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Um ihm trotzdem immer neue Impulse zu geben, nimmt seine Pflegerin ihn häufig mit zu ihrer Familie auf einen Bauernhof.

Link: Kunst trotzt Demenz
Quelle: Krankenkassen-Startseite dpa-News dpa in Tübingen.