Diskriminierung melden
Suchen:

Bürgertum verroht zunehmend

18.12.2011

Die Abwertung von Arbeitslosen und Behinderten, Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Teile des Bürgertums haben die Solidarität mit »denen da unten« aufgekündigt und pflegen einen »eisigen Jargon der Verachtung«. Zu diesem deprimierenden Ergebnis kommt die auf zehn Jahre angelegte Studie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". Das Land hat sich verändert, seit 2002 der erste Band dieser Studie erschien: Hartz IV wurde eingeführt, einem Rückgang der Arbeitslosigkeit folgte ab 2008 die Bankenkrise; im Zuge der Fußball-WM wogte der »Party-Patriotismus« durchs Land; 2010 beherrschten Sarrazins Thesen die Schlagzeilen.

Die Ergebnisse der empirischen Langzeitstudie sind veröffentlicht in dem vom Bielefelder Soziologen und Hochschullehrer Wilhelm Heitmeyer herausgegebenen Band "Deutsche Zustände: Folge 10". Die Sozialwissenschaftlerin Anetta Kahane nennt die mit insgesamt 23.000 befragten Personen weltweit größte Studie dieser Art "das zivilgesellschaftliche Fieberthermometer der Gesellschaft. Untersucht wurden die eher verdeckten "Akte der Abwertung, Diskriminierung und Ausgrenzung."

Ein deutliches Licht werfen die Forschungsergebnisse auf die Demontage des Sozialstaats, denn Heitmeyer und seine KollegInnen kommen zu dem Ergebnis, dass die mittleren und höheren Schichten der Gesellschaft die Solidarität mit den unteren Klassen in den letzten zehn Jahren aufgekündigt haben. Er sagt: "Die Würde bestimmter Menschen und die Gleichwertigkeit von Gruppen sind antastbar. Menschenfeindlichkeit wird erkennbar in der Betonung von Ungleichwertigkeit und der Verletzung von Integrität."

Seismographisch dokumentieren die Forscher die Einstellung der Menschen gegenüber gesellschaftllichen Gruppen und gegenüber der Demokratie. In der zehnten und letzten Folge ziehen sie nun eine wissenschaftliche und persönliche Bilanz.

Suhrkamp Verlag, Berlin 15 Euro.

Link: Soziale Sicherungssysteme: Gleichbehandlung gefordert…
Quelle: Suhrkamp Verlag