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Raffelhüschen: Brief an Rektor + Ministerpräsident

09.06.2011 - von BBAA

Wegen der altersdiskriminierenden und verächtlichen Äusserungen, die Prof. Raffelhüschen über ältere Menschen gemacht hat, haben das Bündnis für Rentenbeitragszahler und Rentner, die Aktion Demokratische Gemeinschaft, die Betriebsrentner und das Büro gegen Altersdiskriminierung
einen Brief an den Rektor der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg, Prof. Dr. Schiewer und an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg geschrieben.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schiewer,
der Auftritt des Gastredners Prof. Dr. Raffelhüschen, ein Professor der Albert-Ludwig-Universität Freiburg, am 23.05.2011 auf der Vertreterversammlung der Volksbank Jever, ist der Grund für dieses Schreiben.

In diesem Redebeitrag verwendete Herr Prof. Raffelhüschen Begrifflichkeiten wie „demografische Zombies“ und „Hundertjährige die einfach nicht sterben wollen“. Bewusst oder unbewusst erinnert die Verwendung einer solchen Wortwahl an Ausgrenzung und Stigmatisierung sozialer Gruppen aus längst überwunden geglaubten Zeiten!

Ganz offensichtlich wird hier mit dem Prädikat „Prof. Dr.“ und unter dem Deckmantel eines „wissenschaftlichen Anspruchs“ als Universitäts-Professors der Universität Freiburg, gesellschaftspolitisch polarisiert und einem Generationenkonflikt das Wort geredet.

Diese Aussagen von Herrn Prof. Raffelhüschen, wenn auch außerhalb des Universitätsauftrages gemacht, können nicht ohne Folgen bleiben für das Ansehen der Albert-Ludwig-
Universität Freiburg.

Es ist auch vollkommen unverständlich, wie Herr Prof. Raffelhüschen zu der Aussage kommt, dass die Sozialkassen eine tickende Zeitbombe, mit einer unterdeckten Schuldenlast von mehr als vier Billionen Euro, sind.

Durch einen Schattenhaushalt in der gesetzlichen Rentenversicherung wurden dieser von 1957 bis heute ca. 700 Mrd. Euro (versicherungsfremde Leistungen) gesetzlich legitimiert entwendet, welche nicht durch Steuerzuschüsse des Bundes gedeckt sind und somit durch Rentenbeiträge aufgebracht werden mussten.

Es ist deshalb umso befremdlicher, dass sich ausgerechnet ein „Beamter“ in dieser Form zu den Sozialsystemen äußert, der seine Versorgung als Landesbeamter ohne nennenswerte Eigenbeteiligung und Rücklagen des Staates beziehen wird, d.h. aus öffentlichen Haushalten die faktisch bankrott sind. Diese Pensionen werden dann von Generationen aufgebracht werden müssen die noch nicht geboren sind.

Die Äußerungen sind umso prekärer, da Herr Professor Raffelhüschen als Finanzwissenschaftler fachlich einer Gruppe angehört, die sich in der Finanzkrise nicht rühmlich und verantwortungsbewusst in unserer Gesellschaft darstellte.

Offensichtlich sind die Datenquellen der „Raffelhüschen-Zeitbombe“ in den Sozialsystemen dem Statistischen Bundesamt zur Bevölkerungsvorausberechnung entnommen. Diese haben nur Modellrechnungscharakter und sind keine Prognosen. In solchen Modellrechnungen können unter Annahme unterschiedlicher Werte verschiedene Szenarien „durchgespielt“ werden.

Wer hierbei nur Werte verwendet um ein bestimmtes Szenario zu erhalten, kann nicht dem Anspruch der Wissenschaft genügen, sondern leistet schlicht Lobbyarbeit.

Wäre auf einer solch unwissenschaftlicher Basis im Jahr 1900 die Altersstruktur der deutschen Gesellschaft für das Jahr 1950 vorhergesagt worden, wäre wahrscheinlich durch die
Grundannahmen der Jahrhundertwende eine Bevölkerungszahl von über 200 Mio. Einwohner vorhergesagt worden. Niemand hätte die beiden Weltkriege und den sozioökonomisch bedingten Rückgang der Geburtenzahlen berücksichtigen können.

Hätte man die Statistiker im Jahre 1950 nach der Gesamtpopulation im Jahre 2000 gefragt, hätten sie nichts vom Pillenknick und Zuwanderung gewusst, die die realen Zahlen maßgeblich beeinflusst haben. Kein Mensch und keine Studie kann eine seriöse Vorhersage machen, wie viele osteuropäische Arbeitnehmer in den nächsten Monaten und Jahren nach der Öffnung der Grenzen zuwandern oder auf den deutschen Arbeitsmarkt drängen werden.

Nur Professor Raffelhüschen kennt heute dieGesamtpopulation in 40 oder gar in 60 Jahren.

Als Fazit bleibt nur eine Erklärung: Die Annahmen des Herrn Raffelhüschen, deren Eintrittswahrscheinlichkeit hoch spekulativ ist, werden von ihm als gegeben vorausgesetzt, um genau die Zahlen zu prognostizieren, die den Wünschen seiner Auftraggeber aus der Versicherungsbranche entsprechen, die wie Aasgeier darauf warten, dass ihnen mit der Pflegeversicherung nach der Rente ein weiteres milliardenschweres Geschäftsfeld eröffnet wird.

Ein solches Vorgehen, bei dem der Interessensbezug mit Händen zu greifen ist, hat weder etwas mit „Unabhängigkeit“ noch mit „Wissenschaft“ zu tun. Es ist sehr fragwürdig, wenn solche Personen die Bundesregierung und Landesregierungen, in Fragen der sozialen Sicherungssysteme,
beraten und an Universitäten lehren.

Wir erwarten, dass sich die Verantwortlichen der Albert-Ludwig-Universität Freiburg von dem Vortrag des Herrn Raffelhüschen distanzieren und daraus Konsequenzen ziehen, um die Glaubwürdigkeit der akademischen Freiheit nicht zu beschädigen.

Zwischenzeitlich ist bei der Staatsanwaltschaft Aurich in dieser Sache Anzeige erstattet worden.

Als höherer Beamter ist Herr Prof. Raffelhüschen auch Repräsentant des Landes Baden-Württemberg was mit seinen volksverhetzenden Aussagen nicht akzeptiert werden kann.

Die vier aus dem Briefkopf hervorgehenden Kooperationspartner werden deshalb eine gemeinsame Beschwerde beim Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Herrn Kretschmann als obersten Dienstherren von Prof. Raffelhüschen, einreichen.

Wir dürfen Ihnen ferner mitteilen, dass wir Herrn Professor Raffelhüschen bereits am 18.09.2009 angeschrieben haben, nachdem er auf eine Anfrage eines arbeitslosen Maurers, ob er als Professor nach 48 Berufsjahren auch mit einer monatlichen Rente von € 1.000.- im Monat auskommen muss, geantwortet haben soll: „Mit Verlaub, sie sind ein Arschloch hoch drei.“ (KOPP exklusiv 36/09). Dazu hat sich Herr Raffelhüschen leider nie geäußert.

Wir geben dieses Schreiben unseren Mitgliedern und Kooperationspartnern zur Kenntnis sowie dem Staatsministerium Baden-Württemberg und der Badischen Zeitung.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Eicher
Stellvertretender Vorsitzender
Bündnis für Rentenbeitragszahler und Rentner e.V.

zur Kenntnis:
Staatsministerium Baden-Württemberg
Badische Zeitung
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09. Juni 2011
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

wir, die oben aufgeführten Partnerorganisationen, möchten Sie auf ein Ärgernis aufmerksam machen, das ein höherer Beamter des Landes BW bei einem öffentlichen Auftritt ausgelöst hat.

Herr Professor Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg hat als Gastredner bei einer Veranstaltung der Volksbank Jever (Ostfriesland) in unerträglicher Weise ältere Mitbürger beleidigt und herabgewürdigt. Unter anderem sind ältere Arbeitnehmer und Rentner für ihn demografische Zombies und Hundertjährige, die nicht sterben wollen. Die örtliche Presse hat am 25. Mai 2011 ausführlich darüber berichtet.

Als höherer Beamter ist Herr Professor Raffelhüschen auch ein Repräsentant des Landes Baden Württemberg, der auf Kosten der Allgemeinheit sicher so gut alimentiert wird, dass er diese Art der Volksverhetzung eigentlich nicht nötig hätte, auch wenn er von der privaten Versicherungswirtschaft dafür sicher fürstlich entlohnt wird. Denn selbstverständlich nimmt er für sich selbst
andere wesentlich bessere Regelungen der Altersvorsorge in Anspruch.

Wie Sie sicher wissen, ist Herr Professor Raffelhüschen u.a. wissenschaftlicher Berater des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Victoria
Versicherung AG und Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe, zu deren Gesellschaften Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV Deutsche Krankenversicherung, D.A.S.
und die Karstadt Quelle Versicherungen gehören. Zudem hält er regelmäßig Vorträge, etwa für den Finanzdienstleister MLP.

Wer das öffentliche Auftreten von Herrn Professor Raffelhüschen zum Thema Altersvorsorge in den vergangenen zehn Jahren verfolgt hat, weiß, dass das keine einmalige Entgleisung ist. Mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten verbreitet er, wissenschaftlich verbrämt, Angst, um
für die private Versicherungswirtschaft Kunden zu gewinnen. Der Film „Rentenangst“, den die ARD 2008 ausgestrahlt hat, zeigt unter anderem eindrucksvoll die „Arbeitsweise“ des
Herrn Raffelhüschen.

Wir unterstellen, dass diese Hetze gegen ältere Mitbürger von der Landesregierung BW nicht mitgetragen wird, und dass das auch nicht mit dem Werbespruch „Wir können alles außer
hochdeutsch“ gemeint ist.

Wir erwarten deshalb von Ihnen als oberstem Dienstherrn von
Herrn Professor Raffelhüschen, bzw. von der Landesregierung BW, dass Sie diesem üblen Treiben der Volksverhetzung in geeigneter Weise ein Ende setzen. Wir bitten Sie auch, uns
zu gegebener Zeit über diese Maßnahmen zu informieren.
Außerdem möchten wir Sie darauf hinweisen, dass aufgrund einer Strafanzeige inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Aurich in dieser Sache eingeschaltet ist.

Mit freundlichen Grüßen
i. A. Otto W. Teufel
Aktion Demokratische Gemeinschaft e.V. München

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(*) Zwischenzeitlich gingen Briefe an Ministerpräsident Kretschmann als obersten Dienstherrn des Beklagten, an die Leitung der Uni Feiburg, an Herrn Raffelhüschen. Die zum Teil vier Wochen zurückliegenden Schreiben sind bis zum heutigen Tag unbeantwortet.Arbeitskreis Solide Rente am 16.7.2011.

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Anzeige wg. Volksverhetzung durch AK Solide Rente: Link

Artikel im Jeverschen Wochenblatt über den Auftritt von Bernd RaffelhüschenLink

Ablehnung der Anzeige wegen Volksverhetzung durch die Staatsanwaltschaft:
Link

Brief an den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, den Rektor der Universität Freiburg, den Prof. Dr. Raffelhüschen: Link

Antwort des Bad.-Würtemb.Staatsministeriums: Link

Link: Raffelhüschen wg. Volksverhetzung angezeigt…
Quelle: Bündnispartner 8.6.2011

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