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Menschenfeindliche Einstellungen nehmen zu

03.12.2010

Die Langzeitstudie Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Deutschland untersucht seit 2002 mit 10jähriger Laufzeit die Ausmaße, Entwicklungen und Ursachen von Vorurteilen gegenüber unterschiedlichen Adressatengruppen. Es geht um die Abwertung von Menschen aufgrund von ethnischen, kulturellen oder religiösen Merkmalen, der sexuellen Orientierung, des Geschlechts, einer körperlichen Einschränkung oder aus sozialen Gründen.

Die Autoren gehen davon aus, dass Vorurteile gegenüber unterschiedlichen Gruppen ein Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bilden, in dessen Zentrum eine Ideologie der Ungleichwertigkeit steht. Dies konnte empirisch nachgewiesen werden.

Das Projekt ist das weltweit das größte Vorurteilsprojekt, sowohl durch die 10-Jährige Laufzeit als auch aufgrund der differenzierten Berücksichtigung verschiedener Vorurteile und
ihrer Ursachen. Seit 2002 findet jährlich eine telefonische Befragung einer repräsentativen Auswahl der deutschen Bevölkerung statt. Im Mai/Juni 2010 wurden 2000 Personen befragt.

In der 9. Folge des jährlichen Reportes „Deutsche Zustände“ wird die Frage nach den Folgen der Wirtschaftskrise gestellt. Welche Auswirkung hat das Gefühl der Bedrohung durch die Krise auf Einstellungen zu schwachen Gruppen? Wie steht es um die Solidarität in unserer Gesellschaft, und welche Entwicklung zeichnet sich dabei gerade in den höheren Einkommensgruppen
ab? Welches Verständnis von Gerechtigkeit gibt es, wem wird Unterstützung zugebilligt, wem nicht, und welche Auswirkung hat die Ökonomisierung der Gesellschaft für Einstellungen gegenüber schwachen Gruppen?
Zu bemerken ist eine"deutliche Vereisung des sozialen Klima". Vor allem in den höheren Einkommensgruppen git es eine Zunahme "abwertender, menschenfeindlicher Einstellungen gegeenüber Minderheiten und sozial Schwachen.
Gefördert wird die Studie des von Wilhelm Heitmeyer geleiteten Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld von einem Stiftungskonsortium unter Federführung der VolkswagenStiftung mit Beteiligung der Möllgaard- und Freudenberg-Stiftung. Zu den Kooperationspartnern
gehört auch der Suhrkamp-Verlag.

Inhalt:
1.
Das Langzeitprojekt 1
2.
Unruhige gesellschaftliche Zustände. Krisenbetroffenheit,
Ökonomisierung und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)
3.
Entwicklung der GMF und die Bedeutung höheren Einkommensgruppen
4.
Sozialmoralische Zustände. Entsolidarisierung und Abwertung im Namen der Gerechtigkeit
5.
Politische Zustände. Demokratieentleerung, Rechtspopulismus und
Islamfeindlichkeit
6.
Empirisches Fazit
7.
Interpretation der Ergebnisse
8.
Details: Indikatoren zur Erfassung und Prozentwerte der Zustimmung

Der Bände 1-9 „Deutsche Zustände“ sind im Suhrkamp-Verlag erschienen. Kontakt: Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer ikg(at)uni-bielefeld.de)

Link: Crash und Krise 1873…
Quelle: PI, 3.12.2010 IKG