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Protest-Opa contra großer alter Mann

02.12.2010 - von Hanne Schweitzer

Altersdiskriminierung hat oft mit der sozialen Stellung der Person zu tun. Heiner Geissler, 80, zum Beispiel, der in Stuttgart als Schlichter zwischen den Gegnern und Befürwortern von Stuttgart 21 fungierte, wurde in der Presse stets als der große alte Mann beschrieben oder sogar - Gott gleich "Er" genannt. Auch "Held der Nation" kam vor (FAZ 6.12.2010).

Dietrich Wagner ist ein 66jähriger pensionierter Ingenieur. Er ist ein Gegner des Projekts Stuttgart 21 und er ist, durch den Einsatz von Wasserwerfern bei einer Demonstration im Schloßpark am 30.9.2010 auf einem Auge komplett erblindet. Auf dem anderen Auge kann Herr Wagner trotz zahlreicher Operationen kaum noch etwas Sehen.

Dietrich Wagner wird nicht "großer alter Mann" genannt. Dietrich Wagner hat keinen Prominentenstatatus. Nicht mal ein Name wird ihm in einer Überschrift desr Zeitschrift Stern zugestanden: "Der Mann mit den blutigen Augen", schreibt der Stern.

In der Bild-Zeitung nennt man ihn „Protest Opa“. "Protest-Opa verliert Augenlicht". „Protest Opa verklagt das Land Baden-Württemberg“. "Der Protest-Opa bleibt auf einem Auge blind."

Die Süddeutsche betont in ihren Überschriften, dass Herr Wagner Rentner ist. (Obwohl er ebensogut Pensionär sein könnte). "Die zerissenen Augenlider des Rentners Wagner", titelt die Süddeutsche, und: "Rentner Wagner - ein Provokateur?"

Auch die Augsburger Allgemeine reduziert Dietrich Wagner auf das Rentnersein. Sie schreibt: "Stuttgart 21: Rentner nach Polizeieinsatz blind". Der Fernsehsender n24 trötet ins gleiche Horn: "Rentner nach Polizeieinsatz fast blind".

Heiner Geißler ist älter als Herr Wagner und er war früher mal Richter. Er bezieht also schon sehr viele Jahre länger ein Alterseinkommen als Herr Wagner.

Herr Geißler wird aber nie Rentner oder Pensionär genannt.

Link: Goldene Falte 2010
Quelle: Büro gegen Atersdiskriminierung