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Altersdiskriminierung bei Marathons

23.03.2010 - von Elisabeth Herms-Lübbe

Marathonläufe erfreuen sich einer großen Beliebtheit. In Deutschland sind sie, bis auf ganz wenige Ausnahmen, Veranstaltungen nach den Regeln des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) und sie stehen unter dem Motto "Breitensport" und "Volkslauf". Trotzdem haben Marathons irgendwie den Ruf, nicht zuletzt durch Werbung und wettkampforientierte Berichterstattung, nahezu grenzgängerische Herausforderungen zu sein, was den Halbmarathons und weitgehend auch den Ultramarathons abgeht und was sie bei vernünftiger Geschwindigkeit gar nicht sind.

Hierzulande haben Marathons normalerweise eine Zielschlusszeit von 5:30 Stunden. Soweit ich weiß, sorgt der DLV durch seine Rahmenbedingungen dafür. Diese Zeit ist für ältere Menschen zu knapp bemessen. Besonders ältere Frauen, die in Laufvereinen sehr zahlreich sind und von denen etliche hingebungsvoll und mit großer Freude trainieren, nehmen gar nicht erst daran teil. Schon im Vorfeld fühlen sie sich unpassend und aus dem Rahmen fallend. Denn Wettkampfgeist dominiert. Es droht die Schmach, nicht in die Wertung zu kommen oder disqualifiziert zu werden, und das nach allerlei Extratraining und teilweise hohem Startgeld. Wenn man dann trotzdem als langsamer Läufer teilnimmt und das Zeitlimit zuzuschlagen droht, läuft man nicht mehr so gleichmäßig, locker und gut gelaunt.

Gerade die kleinen Marathons haben ihren besonderen Charme. Sie sind liebevoll und aufwändig organisiert, Dörfer und Kleinstädte kommen groß damit heraus, die Läufer treffen sich, es sind gesellschaftliche Ereignisse. Es ist betrüblich, wenn man sich da allmählich ohne zwingenden Grund herausaltert sieht.

Bei den ganz großen (und besonders teuren) Stadtmarathons gibt es mittlerweile etwas längere Zielschlusszeiten. Im Ausland hingegen sind offizielle Zielschlusszeiten von 7:30 oder 8:00 Stunden ziemlich normal.

Ich wünsche mir, dass in den Rahmenbedingungen Frühstarts für ältere Läufer vorgesehen werden sowie die Möglichkeit, nach Ablauf der vorgegebenen Zeit mit reduzierter Organisation auf eigene Verantwortung „nach Straßenverkehrsordnung“ das Ziel zu erreichen, denn selbstverständlich möchten die Helfer irgendwann einmal Feierabend haben.

Nicht nur alte, auch junge Leute unterliegen einem Altersnachteil. Nach unten gibt es eine festgelegte Altersgrenze: 18 Jahre. Die halte ich für nicht gerechtfertigt. Ich kenne einige Kinder, die im Rahmen von 6-, 12- oder 24-Stundenläufen Marathons laufen, fröhlich und ohne übergroße Anstrengung, und ich kenne Leute, die sich lange vor Erreichen des Alters älter gemogelt haben und stolz und erfolgreich Marathons absolviert haben. Die durchgehende Motivation dieser jungen Leute: Zeit mit ihren laufbegeisterten Eltern zu verbringen. Der Grund, den ich hinter dieser Altersbeschränkung vermute, ist, dass Trainer oder Eltern die Kinder nicht in gesundheitsgefährdende Geschwindigkeiten hetzen sollen.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=3193
Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung