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Mangelernährung in Alten- und Pflegheimen

12.09.2009 - von baldis

Etwa die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen leidet unter Mangelernährung. Entweder können sie nicht ausreichend essen oder trinken, sie haben keinen Appetit auf das, was ihnen serviert wird, oder sie sind schwer krank. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung, die von der Universität Witten/Herdecke im November 2008 und April 2009 durchgeführt wurde. 73 Altenpflegeeinrichtungen mit ca. 6.000 Bewohnern nahmen an der der Befragung teil. Zwar wird in den Heimen durch zahlreiche Maßnahmen versucht, gegenzusteuern, um gesundheitliche Folgen zu vermeiden, aber kleine Zwischenmahlzeiten und Essen, das energie- und eiweißreich ist, sind nicht die Norm. Gerade bei einer Demenzerkrankung ist Mangelernährung nur mit größten Anstrengungen zu verhindern. Anders als bei uns, werden solche und ähnliche Befragungen in den Niederlanden bereits seit 1998 regelmäßig durchgeführt. Das hat zur Folge, dass die Pflegenden für die Probleme sensibilisiert werden. Und das wiederum hilft, die Probleme zu verhindern. Dr. Sabine Bartholomeyczik, Professorin für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke, weist deshalb auf Folgendes hin. "In Deutschland hinken wir mit solchen Studien noch hinterher." Hier gäbe es zwar immer wieder aufgeregte Zeitungsberichte über alte Menschen in Heimen, die nicht richtig versorgt werden, aber genaue Zahlen sind nicht vorhanden. "Alle glauben immer, in Deutschland gäbe es alle Statistiken schon und wir bräuchten nicht noch mehr Fragebögen. Leider ist das falsch", betont die Pflegewissenschaftlerin. Daten sind wichtig, um Schwachstellen zu erkennen. "Mit dem vorliegenden Instrument aus den Niederlanden können wir aber nicht nur die Probleme beleuchten, sondern auch feststellen, was zur Vorbeugung getan wird, welche Maßnahmen die Heime ergreifen, um die Nahrungssituation zu sichern. So einfach es in unserem Land mit vielen eigentlich übergewichtigen Bürgern klingt - es ist außerordentlich schwierig, die pflegebedürftigen alten Menschen angemessen zu ernähren. Das liegt daran, dass die Pflege Kenntnisse benötigt, und dass Personal da sein muss, das auch Zeit hat."

Fachkräftemangel und prekäre Arbeitsverhältnisse in den Alten- und Pflegeheime sind und bleiben eine miserable Basis für eine gute Pflege.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=3156
Quelle: diverse