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Noch einmal: Roman Herzog und die Alten

09.10.2008 - von pits aktueller Kommentar (26-08)

Roman Herzog im Bildzeitungsinterview Frühjahr 2008: „ … alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht …“
Auf wen? Na auf uns Alte, so sollen wir glauben. Rücksicht, weil wir so viele sind. Was für eine wirklichkeitsferne Vorstellung. Gestützt nur durch Scheinlogik.

Erinnern wir uns! Da war ein alter Herzog durch die Medien gegeistert, mit Aussagen, die uns fassungslos machten, viele an ihren Kopf fassen ließ. (Der damit aber eine bestimmte Journaille zu schlimmen Gedankenspielen anregte. BILD: „Wir bekommen einen Generationenkrieg …“)

Es fielen auf unserer Seite dann auch Worte, die es an Achtung vor dem früheren präsidialen Amtsinhaber mangeln ließen. Das war sicher nicht in Ordnung. Auch die Diskriminierung alter Bundespräsidenten sollte unterbleiben. Senilität ist nichts, was man jemandem vorwerfen sollte.

Altersgeschwätzigkeit (med. loquacitas senilis), ist als normale Alterserscheinung anzusehen. Eine Art verbale Inkontinenz nennt sie der Kabarettist Georg Schramm. Eine krankhafte Störung, die Betroffene außerstande setzt, den Mund zu halten.

Die Erfahrung deutscher SeniorInnen ist eine ganz andere, als die obige Aussage von Herzog erwarten lässt. Wohl jeder von uns denkt da an die nichtige, ja lächerliche Rentenerhöhung vom Juli 08. Sie bewies das glatte Gegenteil von dem, was der Herr H. imaginierte, obwohl der sich gerade darauf bezog.

Aber – ja, es gibt ein beachtenswertes Aber: Das was dieser alte Mann faselte, enthielt versteckt eine ermutigende Botschaft an uns Alte:

„Leute, ihr müsst euch nicht alles bieten lassen!“

Das „Büro gegen Altersdiskriminierung“ hat gegen den Ruck-Redner polemisiert. Aber auch festgehalten: „Es gab keinen Grund, weshalb CDU / SPD / FDP / CSU Rücksicht auf Ältere hätten nehmen müssen.“

Abgesehen von kurzem Aufflackern örtlicher Rentnerproteste im Raum Hamburg / Niedersachsen und bundesweitem Murren erleben uns die Regierenden altersmilde, als stille Dulder. In Braunschweig war zwar im Frühjahr eine Initiative „Rentner machen mobil" gegründet worden. Doch eine „Rentnerinnen- und Rentnerpartei“ hat eben bei der bayerischen Landtagswahl karge 0,2 % der Wählerstimmen erhalten.
„Wir nehmen die Rentenpolitik der Regierenden nicht länger hin“, war eine Resolution dreier Berliner ver.di-Ortsseniorengruppen betitelt. „Wollen wir das nicht mit einer Aktion bekräftigen?“ – so wurde aus der gemeinsamen Versammlung gefragt. Darüber würden die Vorstände noch nachdenken, lautete die Antwort. Dabei blieb es. Inzwischen ist mehr als ein Jahr vergangen. Auf gelegentliche Nachfragen gab es - Schulterzucken.

Der ver.di-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen betont in einem Konzept die Ausrichtung auf jene gesellschaftspolitischen Themenfelder der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die die Alten bewegen. Dafür organisieren die Kollegen einen „Mitgliederbeteiligungsprozess“ und wollen einen „Lotsen durch die Informationsflut“ schaffen.

Mitte 2007 hatte ich bereits berichtet: „Nach FDP und Union hat auch die LINKE ihr neues Rentenkonzept vorgestellt.“ Erste Schritte hin zum Bundestagswahlkampf, der inzwischen sehr im Gange ist. Die verschiedenen Seniorenorganisationen werden wieder „Wahlprüfsteine“ anbieten.
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Festzuhalten ist: Die Alten plündern keineswegs die Jungen aus, wie Roman Herzog wiedergegeben wurde. Schon gar nicht mit Hilfe der Politiker. Es sind nicht die Renten von heute, die die Renten von morgen gefährden. Es ist die regierende Politik, die Millionen Menschen, Jungen wie Älteren, ausreichende Einkommen verwehrt.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=2525
Quelle: Büro gegen Altersdsikriminierung