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Eurobarometer 2003: Umfrage zur Diskriminierung

Europäische Union - 01.07.2003 - von EU

Nur jede(r) dritte Europäer(in) kennt seine Rechte, wenn er oder sie diskriminiert wird. Dies ist eine der wichtigsten Ergebnisse einer europaweiten Umfrage, in der die Einstellungen der in der EU lebenden BürgerInnen zur Diskriminierung untersucht wurden.

Die Umfrage kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die EU deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung der Diskriminierung erzielt. In diesem Jahr müssen die Mitgliedstaaten die Umsetzung zweier neuer EU-Richtlinien abschließen, die im Jahr 2000 zum Verbot der Diskriminierung aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung angenommen wurden. Diese Rechtsvorschriften schreiben eine gerechte Behandlung der Menschen am Arbeitsplatz vor, während die Regeln für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft auch Bildung, Zugang zur sozialen Sicherheit und zur Gesundheitsfürsorge, die Bereitstellung von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen und das Wohnungswesen abdecken.

Die von Eurobarometer im Auftrag der EU durchgeführte Umfrage unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Fortschritte. Während die meisten Menschen in der EU Diskriminierung ablehnen, ist sie dennoch ein weit verbreitetes Problem, das einer umfassenderen Behandlung bedarf.

Für die Umfrage wurden etwa 16.000 EU-Bürger im Alter von über 15 Jahren und mit Wohnsitz in einem EU-Mitgliedstaat nach ihren Ansichten und Erfahrungen zum Thema Diskriminierung – aus Gründen der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung – am Arbeitsplatz, im Bildungsbereich, bei der Wohnungssuche oder beim Zugang zu verschiedenen öffentlichen Dienstleistungen gefragt.

Aus der Umfrage geht hervor, dass die mangelnde Kenntnis der Antidiskriminierungsvorschriften und –rechte ein beträchtliches Problem darstellt. Nur etwa ein Drittel der Befragten gab an, dass sie ihre Rechte kennen würden, falls sie belästigt oder beim Zugang zu kommerziellen Dienstleistungen diskriminiert würden. Etwa die Hälfte sagte, sie würde über ihre Rechte nicht Bescheid wissen.

Die Kenntnis der Rechte war je nach Staatsangehörigkeit, Bildungsniveau und Beschäftigung verschieden. Insgesamt gaben vor allem Personen mit höheren Bildungsniveaus und beruflichen Positionen an, ihre Rechte zu kennen. Belgier, Österreicher, Ostdeutsche und Dänen kannten ihre Rechte am wenigsten, während die Finnen am ehesten Bescheid wussten.

Die Ergebnisse waren allerdings recht befriedigend hinsichtlich der grundsätzlichen Einstellung. Die große Mehrheit der Befragten gab an, Diskriminierung gleich aus welchen Gründen bedingungslos abzulehnen. Die Mehrheit war etwas geringer im Falle der Diskriminierung aufgrund einer geistigen Behinderung, interessanterweise aber nicht hinsichtlich einer körperlichen Behinderung.

Was die persönlichen Erfahrungen der Befragten mit Diskriminierungen betrifft, wurde als häufigster Grund das Alter angegeben (im EU-Durchschnitt 5 %), gefolgt von Rasse oder ethnischer Herkunft (3 %), Religion oder Weltanschauung, körperlicher Behinderung, Lernschwierigkeiten oder Geisteskrankheit (je 2 %) und sexueller Orientierung (weniger als 1 %).

Mit 7 % berichteten die Niederländer am häufigsten über Diskriminierungen aus Gründen der Rasse oder ethnischen Herkunft, gefolgt von Luxemburg (6 %) und Frankreich (5 %). In Spanien, Italien, Finnland, Irland und Deutschland lag dieser Anteil dagegen bei gerade einmal 1 %. Während interessanterweise das Alter als wichtigster Grund von Personen angegeben wurde, die selbst Diskriminierungen erlitten, nannten die Teilnehmer auf die Frage, was die wichtigste Ursache dafür sei, dass jemand anderer keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hat, ältere Bewerber nur als drittgrößte Gruppe Benachteiligter. Personen mit Lernschwierigkeiten oder einer geistigen Krankheit wurden mit 87 % als die am meisten Benachteiligten genannt. Mit 77 % wurden Personen mit körperlichen Behinderungen als zweitgrößte Gruppe Benachteiligter gesehen, gefolgt von Bewerbern über 50 Jahren (71 %) und ethnischen Minderheiten (62 %).

Insgesamt schenkten die Befragten den Haltungen ihrer europäischen Mitbürger weniger Vertrauen und vertraten die Ansicht, dass andere eher als sie Diskriminierung dulden würden. Eine große Zahl der Befragten gab an, irgendeine Form von Vorurteilen miterlebt zu haben. Die größte Gruppe – über ein Fünftel – berichtete über Diskriminierung aus ethnischen Gründen. Dies galt vor allem für die Niederlande mit einem Anteil von 35 % sowie Schweden (31 %) und Frankreich (28 %).

Die Zahlen belegen, dass weit mehr Menschen Diskriminierungen beobachten als erleiden. Wichtig ist aber die Feststellung, dass an der Umfrage Nicht-EU-Bürger, die am wahrscheinlichsten unter Diskriminie- rung aus Gründen der Rasse oder ethnischen Zugehörigkeit leiden würden, nicht teilnahmen.

Außerdem ist wichtig festzustellen, dass ein hoher Teil der Befragten, die Vorurteile in einem bestimmten Land beobachteten, nicht unbedingt mit einem größeren Diskriminierungsproblem in diesem Land gleichzusetzen ist. In manchen Fällen kann es sich schlicht um nationale, soziale oder kulturelle Faktoren handeln, die zu einem größeren Problembewusstsein beitragen. So berichten vor allem junge Menschen und Personen im linken politischen Spektrum über Erfahrungen mit Diskriminierung (entweder persönlich oder als Zeuge) – in beiden Fällen sind es die Gruppen, die am stärksten angeben, Diskriminierung abzulehnen.

Neben den jungen Menschen und Personen aus dem linken politischen Spektrum, gaben auch Frauen, nichthandwerklich Beschäftigte und Personen mit höherem Bildungsniveau überproportional an, gegen Diskriminerung zu sein.

In Zusammenhang mit der Umfrage startete die Europäische Union eine fünfjährige, EU-weite Informationskampagne, um die Kenntnis des Diskriminierungsproblems in allen 15 Mitgliedstaaten zu fördern und Maßnahmen zu dessen Bekämpfung zu unterstützen.

Der Hauptschwerpunkt im ersten Jahr wird das Thema Beschäftigung sein, mit Akzent auf der Förderung der Vielfalt und der Bekämpfung der Diskriminierung am Arbeitsplatz. Die Informationskampagne unter dem Motto „Für Vielfalt. Gegen Diskriminierung“ wird Veranstaltungen, Seminare und Medienaktivitäten sowie Poster und Broschüren nutzen, um diese Botschaft zu übermitteln.

Bei der Bekämpfung der Diskriminierung geht es vor allem darum, die Einstellung der Menschen zu verändern. Es wird gehofft, dass die Umfrageergebnisse und die Sensibilisierungskampagne zu einem genaueren Verständnis der Probleme beitragen werden und die EU ihrem Endziel der Beseitigung der Diskriminierung und ungerechten Behandlung näher kommt.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=2653
Quelle: Eurobarometer Juli 2003