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Köln-Esch: Wegen Überalterung keine Straße

11.04.2008 - von Hanne Schweitzer

Seit Jahrzehnten gibt es im Kölner Vorort Esch ein Tauziehen wegen einer Umgehungsstraße. Bereits 1992 wurde ein Entwurf für diese Straße abgelehnt. Trotzdem haben die Bürger unverdrossen versucht, eine solche Umgehungsstraße gegen alle Widerstände durchzusetzen.

Die Überraschung war groß, als Ende Februar 2008, auf der 28. Sitzung der Bezirksvertretung, der Tagesordnungspunkt 8.3.1 auftauchte. Verkehrszählungen/Umgehungsstraße Esch, hieß er. Dazu muss man wissen: Verkehrszählungen sind eine Voraussetzungen dafür, das über den Bau einer Straße, die BürgerInnen wollen, bei Politk und Verwaltung etwas ernsthafter nachgedacht wird.

Doch bevor Freude und Hoffnung im Sitzungssaal richtig sprießen konnten, wurde ihnen von der Bezirksvertreterin Frau Reiff der Saft entzogen. Es handle sich bei diesem Punkt, so erklärte sie, NICHT um Verkehrszählungen, diese fielen sozusagen unter den Tisch, sondern es ginge einzig und allein um die Umgehungstraße Esch.

Daraufhin meldete sich Bezirksvertreterin Frau Wittsack-Junge zu Wort. Sie trug acht Argumente vor. Alle acht dienten dem Zweck, eine Umgehungsstraße abzulehnen.
Zwei Argumente nahmen Bezug auf eine, wie Wittsack-Junge es nannte, "mißglückte "Verkehrszählung der Verwaltung. Warum die Zählungen mißglückt waren, ist nicht im Protokoll vermerkt.

Zwei andere ihrer Argumente hatten mit baulichen Maßnahme zu tun, deren Auswirkungen man abwarten müsse. Bei der einen handelte es sich um einen Verkehrskreisel in Esch, mit dessen Bau jedoch noch nicht begonnen wurde, die andere bauliche Maßnahme deren AUswurkungen es abzuwarten gilt, war der Ausbau der nahegelegenen Autobahn A1.

In einem weiteren Argument wurde der ÖPNV gegen die neue Straße ins Feld geführt; der müsse verbessert werden.

Ihr sechster Ablehnungsgrund hing wieder mit Abwarten zu tun. Diesmal betraf es aber die IIRA-Ergebnisse, was auch immer das sein mag.

Verblüffend war Argument Nummer sieben. Der Bau der Umgehungsstraße wird in der Bevölkerung kontrovers diskutiert, deshalb gibt es keine Straße.

Bleibt noch das achte Argument. Im Sitzungsprotokoll steht folgende Beschreibung: "Aus der demografischen Entwicklung in Esch geht hervor, dass eine Überalterung der Bevölkerung festzustellen ist. Dies bedeutet, dass immer weniger den PKW nutzen und somit der Verkehr zurückgehen wird."

Mit anderen Worten: Überalterung bedeutet laut Frau Wittsack-Junge, in Esch wird weniger Auto gefahren. So gut es fürs Klima wäre, leider ist das ein schlechter Witz. Wer so argumentiert, weiß noch immer nicht, was der Begriff demografische Entwicklung bedeutet. Er bedeutet dieses: Alle Menschen die geboten sind, werden (vermutlich), gleichzeitig sinkt die Zahl der Geburten. Der Vorgang hat also NICHT nur mit den heute Alten zu tun. Ein Blick in die USA und in die ländlichen Gebiete dieses Landes zeigt: Wer älter ist, und auf dem Land wohnt, ist ohne Auto schlecht dran. Wie sonst soll er einkaufen, zum Arzt, in die Volkshochschule, in den Verein oder zu den Kindern kommen?


Das Beispiel Esch zeigt: Der Demografie-Irrsinn hat nun auch die KommunalpolitikerInnen ergriffen.

Der Bau einer Sraße wird abgelehnt, weil die Leute in Esch alt sind. Würde man dieser Logik folgen, müßten in Esch auch Vekehrskreisel, Tankstellen, Straßenbeleuchtung, Postzustellung und Müllabfuhr mehr geben.

Die Altersdiskriminierung hat sich einen neuen Sack übergestülpt.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=2459
Quelle: W.F. Kelzenberg