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Gesundheitskarte: Alte sind schuld

25.01.2008 - von Hanne Schweitzer

Etliche Jahre, nachdem IT-Industrie und Gesundheitsministerium damit begonnen haben, die Entwicklung und Einführung eines elektronischen Speichermediums für Patienten anzudenken (das weltweit größte IT-Projekt) und mit erheblichen technischen Schwierigkeiten zu realisieren, berichtet die TAZ unter der hämischen Überschrift "Das letzte Gefecht" über Gegner der Gesundheitskarte.

Dazu gehört auch Silke Lüder von den Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs.
Lüder wird mit einem Statement zitiert, das durchgängig altersdiskriminierend ist. "Künftig werden die meisten Daten auf diesen Karten von alten Menschen mit vielfältigen Krankheitsbildern und Diagnosen stammen. Ich halte es für unwarscheinlich, dass die in der Lage sind zu kontrollieren, was gespeichert wird und was nicht".

Will sagen: Nicht der staatliche Zwang zur Nutzung eines allesarchivierenden elektronischen Speichermediums ist von Übel. "Die künftig Alten" sind das Übel, denn sie sind nicht in der Lage zu kontrollieren, was über sie gespeichert wird und was nicht.

Umkehrschluss: Wären die künftig Alten, Frau Lüder zum Beispiel, in der Lage, den Datenzugang auf der Gesundheitskarte zu kontrollieren, hätten Frau Lüder und Co. keine Probleme mit der Gesundheitskarte.

Die um Seniorenfreundlichkeit bemühte Empathie, wie sie zunehmend aus dem Kreis der zivilgesellschaftlich engagierten "jüngeren" Menschen und ihren Medien schwappt, markiert fast noch eindrucksvoller als offene Altersdiskriminierung, wie verquer das Verhältnis zum Alter hierzulande ist.

Zum Thema ´Gesundheitskarte` siehe vor allem Artikel von Hanne SChweitzer auf dieser Webseite unter Gesundheit vom 14.1.2006; Weitere Artikel zum Thema: 25.3.06; 10.1.07; 10.5.07.
http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=1977

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=1120
Quelle: TAZ, 25.1.08