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Besserwisserische deutsche Rentner?

14.01.2008 - von diverse

Auf Youtube kommentiert Jens Jessen, der als Ressortleiter des Feuilletons bei der ZEIT arbeitet, die ausländerfeindliche Stimmung nach dem Überfall auf einen pensionierten Schulleiter in der Münchner U-Bahn. Geschürt wurde sie u.a. von der Bildzeitung, die eine Serie über kriminelle Ausländer startete. Der hessische Ministerpräsident Koch stellte die Frage, ob es nicht "zu viele" kriminelle ausländische Jugendliche in D. gäbe.

Jessen:
"Was heißt eigentlich "zu viele". Ist nicht strenggenommen jeder Kriminelle einer zu viel? Aber was soll dann der Bezug auf das Ausländische? Will er (Koch) sagen, dass im Verhältnis zu kriminellen Deutschen es zu viele ausländische Kriminelle gibt? Das es also eigentlich, wenn der Proporz gewahrt bleiben soll, mehr deutsche kriminelle Jugendliche geben sollte?

Interessanterweise wurde ja nicht gesagt, es gäbe zu viele deutsche Opfer ausländischer Kriminalität. Das hätte man auch im Ernst nicht sagen können, denn ganz entschieden gibt es natürlich viel mehr ausländische Opfer deutscher Kriminalität. Stichworte: Solingen, Rostock-Lichtenhagen Hoyerswerda, Guben.
...

In welcher Atmosphäre wachsen eigentlich ausländische Jugendliche auf? Ist es nicht eine Atmosphäre ständiger Gängelei? Man fragt sich doch, ob dieser Rentner, der sich das Rauchen in der Münchner U-Bahn verbeten hat, und damit den Auslöser gegeben hat zu einer zweifellos nicht entschuldigbaren Tat, in der Kette einer unendlichen Masse von Gängelung, blöden Ermahnungen und Anquatschungen zu sehen ist, die der Ausländer und namentlich der Jugendliche hier ständig zu erleiden hat.

Und letzlich nicht nur der Ausländer. Letztlich zeigt der deutsche Spießer doch überall sein fürchterliches Gesicht.

Neulich gab einen sehr merkwürdigen Vorfall in einer Hamburger U-Bahn der Linie U1. ... Es war eine der letzten U-Bahnen, gut besetzt. In dieser U-Bahn gab es zwei Betrunkene, die sehr laut Klamauk gemacht hatten. Aber sie haben wohlgemerkt nur Klamauk gemacht. Sie waren laut, sie haben gelärmt, gesungen, sie haben nichts Böses gemacht, niemanden bedroht. Aber was geschah: Irgendeine bösartig durchgeknallte Rentnerin stand auf und zog den Nothalt-Griff. Dann stoppte die U-Bahn, dann musste der Wachschutz kommen, dann wurden diese vollständig harmlosen Betrunkenen abgeführt.
Das ist die Atmosphäre der Intoleranz, vor deren Hintergrund man Gewalttaten spontaner Natur beachten muss. Aber das ist noch nicht die Pointe.

Die Pointe ist, dass die Jugendlichen in der Münchener U-Bahn gar keine Spontantäter in dem Sinne waren, dass sie aufgrund einer situativen Reizbarkeit reagiert haben, sondern einige davon waren gewohnheitsmäßige Gewalttäter, mit anderen Worten, etwas, was es immer gibt und was überhaupt nicht symptomatisch - und schon gar nicht für Ausländer ist. Trotzdem ist es hochgerechnet worden.

Ich würde dagegen gerne mal die Frage stellen, ob es nicht "zu viele" besserwisserische deutsche Rentner gibt, die den Ausländern hier das Leben zur Hölle machen und vielen anderen Deutschen auch.

Mit anderen Worten, ich glaube, die deutsche Gesellschaft hat nicht so sehr ein Problem mit ausländischer Kriminalität, sondern mit einheimischer Intoleranz."

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Zu diesem Video erhielt das BÜro gegen Altersdiskriminierung eine Mail mit folgendem Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,
soeben habe ich ein Video der ZEIT im Internet gesehen. Jens
Jessen, Chefredakteur des Zeit-Feuilletons nahm Stellung zur Debatte um Jugendkriminalität.
Es war für mich empörend, zu hören, wie "deutsche Rentner" zu Tätern gemacht wurden. Immer wieder war von "Rentnern" die Rede. Sie drangsalieren Jugendliche die sich dann wehren ...
Hier werden meiner Meinung nach übelste Klischees über alte Menschen verbreitet: der Rentner, der anderen das Leben vermiest ... Immer wieder der deutsche Rentner ... Spießig und intolerant.
Für mich ganz klar: ALTERSDISKRIMINIERUNG!
Mit freundlichem Gruß
G.K.


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Darauf antwortet das Büro gegen Altersdiskriminierung:

Sehr geehrte Frau K.
Entgegen Ihres Eindrucks spricht Jessen nicht immer wieder von deutschen Rentnern. Der Begriff "Rentner" taucht im Text von Jessen, den ich mir die Mühe gmacht habe, abzutippen, insgesamt dreimal auf.
1. Rentner, der sich das Rauchen in der Münchner U-Bahn verbeten hat.
2. Rentnerin, die den Nothalte-Griff zog.
3. Deutsche Rentner, die "zu viele" sind (!) und noch dazu besserwisserisch.

Seine anderen Aussagen koppelt er ganz allgemein an "die Spießer", "die Gesellschaft", "die Atmosphäre der Intoleranz".
Damit sagt er indirekt, dass ausländerfeindlich, besserwisserisch und intolerant nicht nur "die Rentner" sind. Wenn Sie sich die Mühe machen, und die Kommentare zum Jessen-Video auf You Tube lesen, verstehen Sie, was ich meine.
HS

Ein weiterer Kommentar erreichte uns heute:

Rauchen im Münchner Bahnhof, das sehen sie, die Deutschen, aber wenn Kinder oder alte Menschen vernachlässigt, mißbraucht oder "entsorgt" werden, sieht merkwürdigerweise niemand etwas.
Und dann erstaunt das angebliche Anwachsen von Kriminalität ?!
Wie dumm dieses Volk doch ist.
Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Groß

Link: http://www.youtube.com/watch?v=lXhLAdPFROs
Quelle: Mail an das Büro gg. Altersdiskriminierung