Diskriminierung melden
Suchen:

Spiegel hetzt gegen AGG

14.11.2006 - von Hanne Schweitzer

Alexander Neuberger und Sonja Vukovis sind die AutorInnen des neoliberalen Blattes, dass sich in ständiger Konkurrenz zum Focus weit rechts zu profilieren versucht und unter der Überschrift "Sorgenfrei benachteiligen" die bekannte Häme über das AGG in eine andere Form gegossen, wiederholt.

Und das auch noch mangelhaft recherchiert. Mittlerweile bieten nicht nur zwei sondern drei große Versicherungsgesellschaften den Unternehmen - und nur denen- Versicherungen an, die ihnen die Kosten erstatten, die durch Diskriminierung entstehen.

Europäische Richtlinien verpflichten die EU-Staaten, die EU-weit gültigen Mindestanforderungen in nationales Recht umzusetzen. Entweder durch die Beschränkung der nationalen Gesetzgebung auf das, was ZWINGEND vorgeschrieben ist, oder indem die Gelegenheit beim Schopfe gepackt wird, und andere Missstände ebenfalls geregelt werden.

Warum gehen diese AutorInnen nicht mal nach England, Irland, Australien, Kanada, Frankreich, Schweden, Neuseeland, USA, Holland oder Dänemark und recherchieren dort das Funktionieren der Antidiskriminierunggesetzgebung, den Bewußtseinswandel bei BürgerInnen und Unternehmen?

Oder warum lesen sie nicht mal den Flyer der britischen Agentur Jacaranda, die hierzulande Arbeitskräfte für die Insel sucht? "Dort steht unter der Überschrift EQUAL Opportunities zu lesen: We have an equal opportunieties policy which means we WELCOME applications from men and women OF ALL AGES, ETHNICITIES, RACE, RELIGION and from people with DISABILITIES - you can expect that your application will be assessed based ONLY on your SUITABILITY to work in your profession in the UK

Letztendlich sind es Berichte, wie dieser im Spiegel, die dazu führen, dass kein qualifizierter Mensch aus anderen Staaten auch nur im Traum daran denkt, hier in diesem Land eine Arbeit zu suchen. Und das immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte die Nase voll von diesem Land haben.
Das wird sich in Zukunft bitter rächen.

Ausserdem: Kann man das, was NRW-Ministerpräsident Rüttgers kann, nicht auch von Spiegel-SchreiberInnen erwarten? Habermas lesen!

In seiner Laudatio auf den in Düsseldorf geborenen und in Gummersbach aufgewachsenen Habermas, der den Staatspreis des Landes Nord-Rhein-Westfalen erhielt, sagte Rüttgers: Unter Staatsbürgern "entstehe eine wie auch immer abstrakte und rechtlich vermittelte Solidarität erst dann, wenn Gerechtigkeitsprinzipien in das dichtere Geflecht kultureller Wertorientierung Eingang finden".

Dieses Zitat von Habermas könnten sich Alexander Neuberger und Sonja Vukovis mal über ihren Bildschirm kleben.

Quelle: Der SPiegel 46/2006, FAZ, 9.11.06