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Pflege: Elternschicksal dokumentiert

Österreich - 15.07.2006 - von Dr. Ulrike Gogela

Sehr gehrter Herr Mag.Chalupka!
Sehr geehrter Herr Dr. Landau! Ich möchte Sie auf meinen Brief an die Justizministerin aufmerksam machen. In diesem Brief stelle ich den Fall meiner Eltern dar. Er steht stellvertretend für viele alte Menschen, denen es ähnlich erging. Die Geschichte meiner Eltern habe ich über 3 Jahre genau dokumentiert, sie ist ein erschütterndes Zeitzeugnis.

Ich habe in vielen Briefen an Medien, Politiker, die Kirche, auf das Schicksal meiner Eltern hingewiesen: nämlich - trotz Vorsorgevollmacht - widerfuhr ihnen Besachwaltung am Telefon, ohne psychiatrisches Gutachten. Ein reiner Willkürakt des Richters.

Immer wieder bekam ich die Antwort: Gerichte sind autonom.
Mein Brief an die Justizministerin sowie die Präsidentin der österr. Richterschaft, wurde von beiden Damen bis heute nicht beantwortet.

Mein Brief ist aber nachzulesen auf der Webseite der Deutschen Menschenrechtsorganisation " Büro gegen Altersdiskriminierung" (www.altersdiskriminierung.de)

In einem extra mail schicke ich Ihnen diesen Brief: "Ab einem gewissen Alter wird jeder besachwaltet", mit der Bitte ihn zu lesen.

Letzter Stand: Tod meines Vaters im April. Das Gericht hat das Konto meines Vaters gesperrt, aber auch das Konto meiner ja noch lebenden Mutter.
Der Sachwalter hat die Sachwalterschaft zurückgelegt und nun ist niemand zuständig. Seit 3 Monaten wurde die Krankenversicherung meiner Mutter nicht mehr bezahlt. Wovon soll meine Mutter leben? Auch das ein alltäglicher Fall, die Leute landen dann im Heim.

Solange Richter in Österreich Selektion betreiben dürfen "ab einem gewissen Alter wird in Österrreich jeder besachwaltet" (Richter Theusinger, BZG Linz Urfahr), solange können alte Menschen ausgegrenzt und entmündigt werden.

Das Urteil "besachwaltet" hat unabsehbare Folgen für die Seele eines alten Menschen. Es kommt einem Todes-Urteil gleich. Besachwaltete Menschen haben nicht einmal mehr Anspruch auf medizinische Versorgung. Ein Spital wird bestraft, wenn es ohne Zustimmung des Sachwalters einem besachwalteten alten Menschen hilft. Ich spreche aus der Erfahrung einer pflegenden Angehörigen und Gerontopsychotherapeutin.
Von Leprakranken weiß man, daß Heilung nur dann geschehen kann, wenn die Kranken wieder in die GEMEINSCHAFT aufgenommen werden, ihre WÜRDE zurückbekommen. Mit der derzeit gängigen Altenpolitik, nämlich Entmündigung, Sedierung, Abtransport in Heime werden unsere alten Mitbürger aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, verlieren ihre Würde. Sie werden degradiert zu unmündigen Kleinkindern.
Man nimmt ihnen die Zähne, die Kleider, Gehbehelfe, legt ihnen Windeln an, kurz, man passt die Menschen an die Institution an. Die Alten werden in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung getrieben. Sie sterben allein, voller Angst, ohne geistlichen Beistand. Wir brauchen nicht noch mehr Heime, wir brauchen eine andere Geisteshaltung: Unterstützung der pflegenden Angehörigen im Sinn der Katastrophenhilfe = unbürokratische, flexible Soforthilfe, Pflegekurse für pflegende Angehörige, Förderung des Verbleibens alter Menschen im eigenen Heim mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln (Hilfe bei Behinderten gerechten Umbauarbeiten, Alzheimer gerechter Einrichtung, etc). Wir brauchen eine bessere Vergütung der Hausbesuche/Nachtvisiten der praktischen Ärzte, damit könnten viele unnötige Krankenhauseinweisungen unterbleiben. Wir brauchen Fortbildungen für praktische Ärzte und Spitalspersonal bezüglich neuester Erkenntnisse in der Gerontologie (speziell Alzheimer),
Aufklärung des Spitalspersonals über Auswirkungen von Psychopharmaka bei älteren Menschen: oft geraten alte Menschen im Spital in vorübergehende Verwirrtheitszustände, die in der Folge zu Pflegeheimeinweisungen führen können.

Wir brauchen Abbau der Pflege- Bürokratie zugunsten von Flexibilität und Mitmenschlichkeit, Ausbau mobiler Hilfsdienste nach skandinavischem Modell, genügend SpitalPflegebetten, so daß alten Menschen genug Zeit zur Gesundung bleibt und sie wieder nachhause können, statt wie bisher wegen Mangels an Spitalspflegebetten häufig für immer im Pflegeheim zu landen.

Wir brauchen ehrenamtliche Helfer, sowie mehr Flexibilität was deren Einsatz betrifft: die Caritas z.b. vermittelt ehrenamtliche Helfer nicht an Privatpersonen.

Wir brauchen die bessere Vernetzung der Hilfsorganiasationen untereinander (Caritas, Diakonie, Johanniter, Malteser etc.), wir brauchen Seelsorge und Sterbebegleitung, Psychotherapie auf Krankenkasse, oft sind Partner und Angehörige schwerer belastet als der zu Pflegende selbst, ein Gespräch kann goße Erleichterung bringen.

Wir brauchen die Integration des TODES ins Leben: alte Menschen sollen zuhause sterben dürfen und auch im Wohnzimmer aufgebahrt werden dürfen.

Soweit der erste Teil meines Anliegens.

2.
Ich möchte Sie auf meinen Brief an die Sozialministerin aufmerksam machen. Ebenfalls bis heute unbeantwortet, ebenfalls auf der Website des Büros gegen Altersdiskriminierung nachzulesen.
Ich schicke ihn in einem extra mail: "Tochter entführt pflegebedürftige Eltern nach Thailand."

Help TV hat zum Thema berichtet.
Aus der Not heraus habe ich hier in Nordthailand eine kleine alternative Alzheimerstation gegründet.

Das Klima ist günstig, Pflege-und Lebenskosten sind gering, die medizinische Versorgung hervorragend. Alte Menschen werden hochrespektiert.
Thailand ist dabei, sich Asien weit im Medizin Tourismus zu profilieren. Die österr. Firma VAMED will hier Spitäler bauen. Die Krankenversicherungen würden enorme Kosten sparen, wenn österreichische Senioren der Sturzgefahr am Glatteis, dem Nebel und der Kälte des Winters und der damit verbundenen Winterdepression entfliehen und hier in Thailand die vielfältigen günstigen Reha und Kurzeitpflegeangebote nützen könnten.
Macht es Sinn, daß im Zeitalter der Globalisierung, der Kostenexplosion im Gesundheitswesen, das Sozialministerium das Pflegegeld stoppt, sobald alten Menschen auf Reisen gehen? Denkt niemand an die pflegenden Angehörigen, die sich hier Ferien leisten können? Ferien, die in Österreich nicht mehr bezahlbar sind? Sollen die Betroffenen nicht selbst entscheiden dürfen, was Ihnen gut tut?

Niemand ist freiwillig Pflegegeld- Empfänger. Warum sollen diese vom Schicksal schwer geprüften Menschen nicht noch etwas Lebensfreude und Freiheit in ihren letzten Lebensjahren genießen dürfen?
Herr Mag.Chalupka, Herr Dr. Landau, Diakonie und Caritas können gemeinsam mit der Justiz- und der Sozialministerin der ALTERSDISKRIMINIERUNG in Österreich ein Ende setzen.
Auch für alte Menschen und damit auch für meine Eltern gilt der Artikel 1 der Menschenrechte:
"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der BRÜDERLICHKEIT begegnen."

Mit freundlichen Grüßen, Dr. Ulrike Gogela

Ergeht nachrichtlich an:
Behindertenanwalt Haupt
Pflegeombudsmann Dr. Vogt
Diakoniereferent Martin Wagner
Büro gegen Alterdiskriminierung
Help TV

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=1750
Quelle: Büro gegen Altersdiskriminierung